Beiträge von straalster

    @Die Swiffer: Kann ich auch nur wieder für mich urteilen: Weil ich schon 10 hier sitzen, schlafen, spielen und ab und an streiten habe.

    Deswegen möchte ich mich dennoch gerne bei solchen Gesprächen einbringen. Einfach, weil ich schon die vermeintlichen Furien hatte, die eigentlich nur Anschluss suchten. Weil ich schon die bissigen Aggro-Köter hatte, denen schlicht und einfach Bewegung und Vertrauen fehlte. Ging alles nicht von heute auf morgen supertoll. Hat gedauert, hat mal mehr, mal weniger Nerven gekostet als erwartet.

    Der Verantwortung sollte man sich bewusst sein. Ganz klar. Da darf man auch nichts überstürzen. Aber direkt einschläfern, weil "ist ja eh nicht mehr zu retten"... damit hab ich bei jedem Lebewesen mein Problem. Und genug gelöst um zu wissen, bei vielen geht es anders. Aber es kostet Arbeit und Zeit zum Ankommen. Dann nehmen sich supergut vorbereiteter Welpe und TS-Hund nicht immer so viel, wie mancher vielleicht denkt. Ankommen und Vertrauen aufbauen dauert. Und berechenbar ist niemand jemals wirklich zu 100 Prozent. Das sollte man sich auch bewusst machen.

    Einem Tier die Freiheit zu nehmen, es auf engstem Raum zu begrenzen und damit zu sichern; das kann man einem Tier nicht begreiflich machen und da ist auch keine Einsicht zu erwarten. Es würde schlichtweg noch bekloppter werden, als es eh schon ist. Von daher halte ich Einschläfern für eine vernünftige Lösung.
    Wer will denn nun wirklich mit einem Tier arbeiten, das 2 Menschen getötet haben soll?

    Bei Menschen ist in der Regel ein gewisse Voraussetzungen und Denkweise da, um zu verstehen und umzusetzen, warum diese Isolation/Strafe erfolgte. Mit einem Menschen kann man Reden. Und solche lebenslang eingesperrte Menschen haben in aller Regel eine psychologische Betreuung.

    Ich kann nur für mich sprechen aber ich würde lieber mit einem Tier arbeiten, das zwei Menschen getötet hat, als mit einem Menschen, der andere vorsätzlich umgebracht hat. Sicherung für mein Leben würde ich bei Zwei- und Vierbeiner haben wollen.

    Und ich kann jemandem das noch so logisch erklären: Wegsperren ohne Arbeit an den Ursachen macht Lebewesen in der Regel nicht gesünder und vernünftiger.

    @CH-Troete: Dich meinte ich gar nicht. Sondern einfach insgesamt die Kontroverse zwischen Mensch und Tier.

    Die einen finden es menschlicher, dass tier nicht das Leben hinter Gittern fristen muss.
    Die anderen sagen "aber es ist doch ein Mensch, egal welches Verbrechen er begangen hat, lieber lebenslang weggesperrt als töten. Aber auch lieber lebenslang weggesperrt als frei rumlaufen zu lassen und das er womöglich noch neben mir wohnt."

    Also auf der einen Seite wird bei Tieren (obwohl die leichter unter Kontrolle zu bringen sind und scheinbar weniger wert sind, schneller das Todesurteil verhängt aber auch weniger investiert). Auf der anderen Seite erscheint es vielen menschlicher, Menschen lebenslang hinter Gittern zu halten, weil töten wäre ja unfair aber auf die Gesellschaft loslassen - um Gottes willen. Rein logisch komm ich da nicht mit, weil es in beiden Fällen vieles dazwischen gibt. Ist eben nicht alles Schwarz und Weiß.

    Da ja auch mein absichtlich vorsichtig formulierter Beitrag zerpflückt wird, versuche ich mal klarer zu sein.

    Menschen töten, foltern, vergewaltigen, nutzen aus, greifen an, planen Übergriffe auf andere - das führt in einigen Ländern zur Todesstrafe. In anderen Ländern werden sie lebenslang hinter Gitter gesperrt. In wieder anderen aufgrund von Personalmangel oder Überbelegung frühzeitig entlassen. Selten gibt es da die Bemühung, ihnen wirklich Handlungsalternativen aufzuzeigen. Das finde ich sehr schade. Denn oft ist das, was durch diese Strafe Gefängnis rauskommt: "ich darf mich nicht erwischen lassen" oder auch "ich weiß jetzt, wie man sich im Knast verhält". Nicht mehr, nicht weniger.

    Das ist und sollte eine sehr individuelle Entscheidung sein. Ist es aber in diesem System nicht. Und darum geht es mir auch gar nicht.


    Es geht mir um die Frage der Wertigkeit des Lebens und da erkenne ich hier keine klare Linie. Das finde ich natürlich und interessant.

    Der eine sagt "Für den Hund ist es im Zwinger und draußen nur mit Maulkorb kein Leben"
    Der andere meint "Der Hund gehört eingeschläfert, weil das die Allgemeinheit schützt"

    Für mich ist es: Gerade erst passiert. Wäre es mein Pflegehund, könnte der tausend Probleme zeigen. Ich wüsste trotzdem nicht, ob die in einer Woche oder drei Monaten noch da sind. Dazu müsste er erstmal ankommen. Für den Hund war das auch traumatisch. Der hat gerade seine vertraute Welt verloren. Und so kaputt oder toll die gewesen sein mag, er ist gerade in einer vollkommen neuen Situation. Um ihn einzuschätzen gibt es noch gar keine Grundlage. Daher erlaube ich mir nicht, über sein Leben zu entscheiden.

    Für Menschen ist das eine Strafe, die er auch so reflektieren und empfinden kann. Der Hund wird nicht bestraft, auch wenn es der allgemeine Tenor zu sein scheint. Die Einschläferung ist das einzige! sichere Mittel, weitere Gefahren durch das Tier abzuwenden. Soweit ich weiß, haben Menschen auch keinen Eigentümer.

    Und die Strafe ist so viel Wert, dass bei Menschen teilweise über Jahrzehnte hinweg für das Leben hinter Gittern bezahlt wird?! Weil das menschlicher ist oder weil das strafender ist?

    Es gab hier Beiträge, die meinten schon, dass ein Leben an der Leine und mit Maulkorb ein zu großer Preis für das Weiterleben wäre. Sehe ich eben anders. Vor allem dann, wenn noch gar nichts mit dem Hund versucht werden konnte. Dafür reicht die Zeit ja gar nicht.

    Und was hat das mit Eigentümer zu tun? Die haben auch dann kein Mitspracherecht mehr, wenn der Hund entzogen wurde.

    Ein menschlicher Gefangener ist immer noch ein Mensch. Mit dem kann man reden. Ein Hund ist eben ein Hund. In dem Fall ein Hund, der die "Menschensprache" ganz offensichtlich nicht kennt.

    Genau das interessiert mich. Warum ist ein Menschenleben (deutlich länger, deutlich kostenintensiver, der Mensch hätte eventuell selber verhindern können andere zu töten, zu foltern oder zu missbrauchen - denn er kennt ja die Menschensprache und kann die vorhandenen Angebote wahrnehmen) mehr wert? Bzw. warum sind manche Menschen eher bereit einen anderen Menschen lebenslang einzusperren und bei Tieren wird eher das Leben beendet?

    Da hapere ich eben. Auch mit mir selbst.

    @Decay: Hoffentlich verstehe ich dich da nicht falsch. Für mich ist das bei Erwachsenen "Kann ich was für Sie tun? Brauchen Sie Hilfe? Sie müssen hier nicht bleiben, ich helfe Ihnen!" Können Sie bejahen oder verneinen. Die Erwachsenen können sich wie gesagt theoretisch auch selbst retten und Hilfe suchen (praktisch nicht immer). Die können sogar zuhauen und im Anschluss sagen: War Selbstverteidigung, ich wurde seelisch/physisch misshandelt. Ein Tier das mal zugebissen hat oder gar stärker eskaliert ist - sieht man ja hier im Thread - hat da deutlich schlechtere Karten.

    Bei Kindern oder Tieren kann ich "lediglich" das zuständige Amt verständigen, denn die können mir keine Antwort auf diese Fragen geben. Und Eltern oder Halter können immer noch sagen "gegen die Tür gelaufen, Treppe runtergefallen, war schon so aggressiv..."

    Und das kannst du so einschätzen?

    Erwähnt wurde es nirgends und wie sollte das so schnell nach dem Vorfall gehen?

    Selbst wenn einem Hund nur das Knurren abgewöhnt wurde, dauert das lange und erfordert viel Aufwand und Einfühlungsvermögen, um ihm wieder andere Verteidigungsmöglichkeiten und Alternativen aufzuzeigen als sofortiges Zubeißen. Ist bei Menschen ähnlich und mit denen kann ich direkt reden.

    Unberechenbar sind für mich alle Lebewesen. Ich kann nur ne beste Schätzung abgeben und etwas dafür tun, dass alle sicher sind.

    Wie kann man hier ernsthaft glauben, dass man so einen Hund einfach wieder irgendwohin vermitteln kann?

    Das glaube ich auch nicht aber bisher wurde ja auch nichts versucht oder geäußert, um ihn wieder oder überhaupt erstmal in der Hinsicht zu sozialisieren und zu trainieren, dass er eigene Grenzen schützen kann - OHNE so aggressiv zu werden. OHNE zu verletzen. Also ohne Angst auf beiden Seiten. Und da gibt es doch durchaus Wege und Möglichkeiten.

    Es gab ja hier jetzt mehrfach das Thema, dass Menschen teilweise mehr Mitleid mit Hunden haben als mit (erwachsenen) Menschen.

    Ich finde das ganz logisch. Entschuldigt, wenn ich da querschieße oder das anstrengend klingt. Ich bin da einfach nur interessiert an den verschiedenen Sichtweisen und hoffe, dass ich das entsprechend ausdrücken kann.

    Wenn eine erwachsene Person Gewalt erlebt, hat sie theoretisch mehrere Auswege.
    Sachen packen und gehen.
    Polizei informieren.
    Einstweilige Verfügung erwirken.
    Darüber reflektieren und einen eigenen Ausweg finden.

    Dazu muss die Person "nur" den Telefonhörer in die Hand nehmen oder mal das Internet durchforsten. Das ist psychologisch und emotional nicht immer so einfach, wie ich es jetzt hier darstelle. Die Möglichkeiten sind ja gar nicht immer alle bekannt und zudem spielen da ganz viele Faktoren mit rein. Aber theoretisch sind diese Möglichkeiten zur Selbsthilfe da.

    Ein kleines Kind oder Tier hat diese Möglichkeiten erst gar nicht. Nachforschen, Anrufen, Wegrennen - das geht aufgrund der Abhängigkeit und fehlender Fertigkeiten nicht.

    Für mich ist es daher logisch, dass ich mit einem kleinen Kind oder Tier mehr Mitleid habe und da eher zur aktiven Hilfe über dem Nachfragen bereit bin. Da auch einfach aufmerksamer bin.

    Hinzu kommt noch: Ein Kind hat Erzieher, Lehrer, Freunde, Eltern der Freunde, wird in der Regel nicht eingesperrt, sondern kommt raus und hat andere Einflüsse - ein Tier hat das nicht. Tiere sind insofern hilfloser. Das heißt nicht, dass ich keinem Erwachsenen oder Kind helfen will oder würde. Aber ich sehe Tiere durchaus als hilfloser und weniger geschützt an.

    Insofern finde ich den Vergleich "schlimme Kindheit bei einem Erwachsenen" und "eingesperrter Hund, der irgendwann durchdreht", auch als sehr schwierig an. Der eine hatte eigentlich die Möglichkeiten zur Hilfe und kannte sie vielleicht nicht oder wusste sie nicht wahrzunehmen. Der andere hatte sie erst gar nicht.

    Mensch soll aber bitte lebenslang verwahrt werden, denn es ist ja ein Mensch und Todesstrafe geht gar nicht. Hund soll eingeschläfert werden, denn eingesperrt zu sein ist ja kein artgerechtes Leben. Hach, ich tut mich da einfach sehr schwer...