Beiträge von straalster

    Und das hälst du für realistisch? Wirklich?

    Ja, wirklich. Was der Auslöser für eines meiner vorgestellten Szenarien war, kann ich nicht sagen. Ich war nicht dabei.
    Aber ich bin schon mal bei Bissen dazwischen gegangen. Und war auch schon mal dumm genug, eins meiner Körperteile mit der Hand aus einem Hundemaul befreien zu wollen. Resultat: Hatte dann noch ne Bisswunde in der befreienden Hand.

    Was ist denn deiner Meinung nach daran unrealistisch?

    Ich glaubs ja auch gleich, dass der Hund jetzt zwei Mal aus Versehen genau die Stellen erwischt hat, die so sehr bluten, dass der jeweilige Mensch verblutet ist...

    Ein für mich vorstellbares Szenario:

    Hund beißt einen Menschen, verletzt ihn dabei an Kehle oder Oberschenkel - anderer Mensch geht dazwischen - Hund verletzt ihn an Kehle oder Oberschenkel.

    Dazu muss der Hund nicht "aus Versehen" bei beiden die gleiche Stelle erwischen. Ist aus Menschen- und Hundesicht absolut nachvollziehbar. Sohn/Mutter schauen natürlich nicht tatenlos bei einem derartigen Vorfall zu, wollen dem anderen helfen. Hund verteidigt sich, fühlt sich angegriffen oder schnappt in dem Moment einfach um sich.

    Da muss ich dem Hund keinen bösen Willen unterstellen und den Menschen keine Dummheit. Kann aber passieren.

    Selbst wenn die Bisse (die offenbar) durch diesen Hund herbeigeführt wurden, todesursächlich waren, heißt das noch lange nicht, dass er hemmungslos zugebissen hat oder solange gebissen hat, bis die beiden Menschen tot waren.
    Da reicht tatsächlich, so krass und brutal es klingt, ein kurzer Biss an der richtigen Stelle mit anschließendem Ausbluten.

    Ich versteh auch die Diskussion mittlerweile nicht mehr so recht. Da haben sich zwei erwachsene Menschen einen Hund als Waffe angeschafft, aus Angst und zur Verteidigung. Sie haben ihn anscheinend auch so behandelt (weiß ich ja nicht aber es sollte doch jedem hier klar sein, dass ein Hund, der weggesperrt wird und sich anscheinend ausschließlich auf dem Balkon lösen kann, als "Kampfmaschine abgerichtet wurde" lebenslang in keinster Weise auch nur annähernd artgerecht gehalten wurde). Als Instrument eben.

    Da sehe ich dann - vor allem in Anbetracht dessen, dass den Menschen nicht mehr zu helfen ist - tatsächlich gerade nur den Hund. Als Opfer der Umstände. Mögen seine Halter ebenfalls gewesen sein. Aber rechtfertigt das oder die Angst einiger hier im Forum wirklich seinen Tod bevor mal irgendwas anderes versucht oder überhaupt erstmal untersucht wurde?!

    Danach kann man doch immer noch entscheiden!


    Mein Punkt ist, wir waren nicht dabei. Und hier wird gerade "ohne Hemmung" unterstellt, was gar nicht nachweisbar ist. Weil, wir waren ja nicht dabei. Was spricht denn dagegen, erstmal zu schauen, wo da was im Argen liegt, der Hund eventuell schon ewig mit Schmerzen rumrennt?
    Anstatt zu sagen: Der gehört weg. Sofort. Hat ja eh keinen Sinn und der ist nicht berechenbar.

    Da frage ich mich dann echt, warum sich hier so viele ein (domestiziertes aber nichtsdestotrotz unberechenbares) Raubtier halten. Ja, das sogar draußen frei und unkontrolliert rumrennen lassen.

    Und du zeigst doch gerade selbst mit deinem Beispiel der Reaktion auf Luftpumpen und Schleifgeräusche, dass man nie alles voraussehen kann. Im Fall Chico ist schon klar, dass da besondere Vorsicht an den Tag gelegt werden muss und vor allem überhaupt erst einmal geschaut werden muss, was genau passiert ist, was mit dem los ist, welche Möglichkeiten es gibt.

    Meine Güte - es geht nicht um Bestrafung. Er wird auch nicht "verantwortlich gemacht" - das ist ein Hund! Der kennt keine Verantwortung!Es geht darum, weiteren potentiellen Schaden abzuwenden.

    Und ich bin der Meinung, bevor diese Entscheidung getroffen wird, sollte man alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.

    Viele TS Hunde haben ein Problem mit Männern. Alle einschläfern, weil potentielle Gefahr?
    Viele Hunde haben Jadginstinkt und schon mal andere Tiere (z.B. Mäuse) getötet. Einschläfern, weil ansonsten töten die wieder?
    Viele Hunde habe auch schon mal Menschen gebissen. Viele Menschen schon mal andere Menschen geschlagen. Da ist es doch immer ratsam, erstmal die Ursache zu kennen und zu schauen, ob es Alternativen gibt. Kann hier aber keiner. Wir kennen die Umstände nicht so genau, dass das möglich wäre.

    Jetzt anderen zu sagen, sie seien krank, weil sie mehr Empathie mit einem Hund empfinden, der in diese Situation gezwungen wurde, als mit Menschen, "nur" weil die Menschen tot sind... Versteh ich nicht. Hilft keinem weiter. Den Toten nicht und dem Hund auch nicht.

    Meine Erklärung für das Verhalten mancher Menschen ist klar: Bei dem Hund könnte man eventuell noch was machen, noch helfen. Bei den Verstorbenen leider nicht mehr.

    Keiner von beiden Parteien kann sich (jetzt noch) verteidigen.

    Meiner Meinung nach ist es genauso krank, den Hund - ein Lebewesen mit sehr, sehr begrenzten Wahlmöglichkeiten, der scheinbar in Zwangshaft gehalten und als Waffe angeschafft wurde - verantwortlich zu machen und zum Tode zu verurteilen. Der kann nämlich am allerwenigsten dafür. Er hat sich die Halter nicht ausgesucht. Er hat sich die Haltung nicht ausgesucht. Und letztendlich ist er scheinbar wehrhaft geworden.

    Und mal ab davon: Was bringt es den toten Haltern denn, jetzt zu sagen - "Oh, die Armen".

    Mal ganz ehrlich:
    Menschen, die einmal schon einen anderen Menschen mit Absicht die Treppe hinunter gestoßen haben, oder jemanden tot geschlagen haben auch wenn der angefangen hat, diesen Menschen traue ich doch automatisch weniger als Menschen bei denen ich sicher bin dass sie bisher noch nie so außer Kontroller gewesen sind.
    Klar kann man solche Kandidaten dann zum Psychologen schicken und der zeigt dann auf wie man seinen Jähzorn umlenken und beherrschen kann. Zeigt einem vielleicht auch was in der Kindheit der Auslöser dafür war dass man so handelt...
    Vielleicht gibt sich der Mensch auch super viel Mühe, arbeitet an seinem Verhalten und er rastet dann tatsächlich nie wieder so aus. Aber ich glaube schon dass es einen Unterschied macht ob man von Anfang an ganz automatisch gelernt hat so nicht zu handeln oder man daran arbeiten muss um dieses Verhalten abzustellen.


    Kommt für mich zum einen darauf an, was du mit "mit Absicht" meinst. Vorher en detail geplant?
    Einfach von hinten rangeschlichen und zack die Treppe runtergestoßen?
    Oder mit Absicht in einer akuten Not-Situation, in der es (scheinbar) nicht mehr anders ging?

    Das macht für mich einen gewaltigen Unterschied.

    Das ist sehr persönlich aber - ich hab mal jemandem mit Absicht eine Steingut-Vase auf den Kopf gehauen. Betrunkener, der gerade jemanden gewürgt hat. Hätte ich vorher nicht von mir gedacht und im Anschluss war ich komplett fertig, weil ich jemandem eine Platzwunde zugefügt habe. Sollten mir Leute jetzt weniger vertrauen?
    Immerhin hab ich mit Absicht jemanden mit Steingut geschlagen und ihn dabei ernsthaft verletzt. Zu sowas bin ich fähig.
    Ich musste Sanitäter rufen und er genäht werden und ins Krankenhaus.

    Solange ich die Umstände nicht kenne, möchte ich mir da einfach kein Urteil erlauben und auch mein Vertrauen gegenüber einem Lebewesen ist nicht wegen solcher Ausraster sofort weg oder weniger. Und wozu jeder einzelne von uns in bestimmten Situationen fähig ist, weiß jeder einzelne erst, wenn er in einer bestimmten Situation war. Siehe z.B. Unfälle., wo viele einfach erstarren oder sich vollkommen falsch verhalten - obwohl sie es besser wissen. Besser gelernt haben.

    Weißt du, worauf ich hinaus will?

    Mir ist es dann fallabhängig tatsächlich lieber, wenn jemand weiß, wozu er unter bestimmten Umständen fähig ist und daran arbeitet, eine bessere Handlungsalternative für sich zu finden - als jemand der sich einredet "würde mir NIE passieren".

    Wir gehen hier von dem Fall aus, dass der Hund getötet hat. Das ist doch bitte eine andere Qualität als die hier von dir genannten Fälle.
    Kannst du 100% Sicherheit bieten? Nur mal zwei Fälle, die mir passiert sind:
    - Kleines Kind fährt mit dem Fahrrad in meinen Hund, der Fuß läuft.
    - Eine Niete der nagelneuen Biothan- Schleppleine bricht, Hund weg.
    Beides Mal trifft mich als Halter keine Schuld, aber ich habe trotzdem die Verantwortung, wenn etwas passiert.

    Ich hatte auch einen Pflegi, der nicht allein bleiben konnte und gleichzeitig in Stresssituationen geschnappt hat. Das ist aber etwas völlig anderes als ein Hund, der wiederholt getötet hat. Das ist absolut kein normales Verhalten, wieso sollte er sich nicht ein weiteres Mal extrem abweichend verhalten?

    Wie erwähnt, finde ich das andere Situationen. Ich kann auch für kein Tier, für keinen Menschen meine Hand ins Feuer legen, weil ich nicht lebenslang alle Situationen aus der Sicht dieses Lebewesens einschätzen kann. Ich kann soweit wie möglich für Sicherheit sorgen. Für alle.
    Absolute Garantie geben kann ich nicht. Könnte ich nicht mal bei einer von mir selbst gebauten Waschmaschine. Oder für mich selbst. Wenn du oder irgendjemand das hier kann - krass. Ich kann es nicht. Ich weiß jetzt noch nicht, was mich mal unerwartet explodieren lässt. Kann ich natürlich behaupten aber... bis in alle Ewigkeit garantieren kann ich das nicht.

    Ich meine die Frage ernst und wirklich nicht provokant: Aber wer hier, der sich für die Vermittlung des Hundes einsetzt und ihn sogar aufnehmen würde, kann sicherstellen, dass ihm niemals ein Fehler oder eine Unaufmerksamkeit passiert? Diese Person muss ja 24/7 voll auf der Höhe sein, ihr dürfen keine Fehler passieren UND sie muss alle Fehler, die die Umwelt macht sofort korrigieren können. Sie braucht eine Krankheitsvertretung, die ebenfalls unfehlbar ist.
    Diese Verantwortung zu tragen, das traue ich keinem Menschen zu.

    Auch nicht provokant: Ich kenn den Hund nicht. Ich kann ihn nicht beurteilen. Aber selbst mit dem Wissen, der hat zwei Menschen umgebracht, halte ich ihn ganz offen und ehrlich nicht für unrettbar.

    Eben, weil ich ihn nicht kenne. Weil ich die genauen Umstände nicht kenne. Weil ich ihn noch nie gesehen habe. Weil mir Menschen schon so viel über meine Pflegenasen erzählt haben und es immer anders kam...

    (Es geht hier: Wesen, Meinung der Vorbesitzer/Retter - Ich)

    Hund, dumm, langsam, hört nicht - bei mir die schnellste Reaktionszeit, superlieb zu allem und jedem, lernt extrem gerne, hört auf alles und sofort

    Hund, dumm, aggressiv zu jedem!!! Bissig, Teile ihrer Zunge verloren, kann nicht raus - zunächst überdreht aber lieb, brauchte ihre Ruhe, entspannt bei jedem Kontakt, Vorzeigehund ist am allerliebsten draußen und dabei immer entspannt, liebt jedes Wesen

    Katze, aggressiv und zugleich schüchtern - Liebt Menschen, nie aggressiv solange sie nicht in eine Ecke gedrängt wird, macht nichts lieber als Kuscheln oder Kontaktliegen


    Ich find das sehr sehr situationsabhängig. Und Chico hatte keine Chance sich in irgendeiner anderen Situation mal zu beweisen. Der hat einmal - und keiner hier weiß warum - richtig dolle Scheiße gebaut. Wurde er geschlagen? Wurde er "abgerichtet"? Hatte er fiese Schmerzen (und seine rechte Gesichtshälfte sieht sehr danach aus - wie schon erwähnt wurde)? Aber viele hier schreien direkt nach Todesstrafe und der Dicke hat noch gar keine Chance bekommen.