Beiträge von straalster

    Ungefähr so habe ich mir das auch erklärt. Aber was ändert das?

    Hab ich jetzt schon mehrfach gesagt: es ändert für mich Aussagen wie "Hemmungslos zugebissen", "zerfleischt", "hat der Hund mit Absicht gemacht". Das kann eine sehr kurze und wirklich furchtbare Situation gewesen sein. Und auch wenn hier andere gerne was anderes behaupten: Ein Biss an der "richtigen" Stelle reicht. Alles andere kann oberflächliches Tackern / eskaliertes Warnen gewesen sein. Kann hier keiner nachprüfen.

    Ich versuche damit, die mögliche Motivation des Hundes zu verstehen und anderen vielleicht ein Stück näher zu bringen. Denn es gibt einfach viele Szenarien, die sich da zugetragen haben können.

    ich weiß, da gehen die Meinungen und Einstellungen stark auseinander. Aber ich wünsche jedem hier, dass es kein derartiges, sofortiges Abschreiben gibt, sollten sie mal in einer zweifelhaften Situation sein.

    Nehmen wir mein Beispiel von gefühlt 50 Seiten zuvor. Ich habe jemandem eine Platzwunde verpasst, mit einer Waffe (Steingut-Vase). Monster, ne?

    Ich habe jemanden gerettet. Held, ne?

    Gleiche Geschichte, gleicher Vorfall. Nur zwei verschiedene Seiten davon.

    Keiner kann sagen, der Hund wird wieder so reagieren. Keiner kann sagen, der Hund wird nie wieder so reagieren. Aber dafür um die Ecke bringen - das meinte ich schon ganz am Anfang - könnte ich nicht. Ich würde da gerne erstmal soweit möglich Ursachenforschung betreiben und dann erst schauen, was ist mit diesem Hund möglich? Das geht aber nicht innerhalb von ein paar Tagen. Aber mir alles offen zu halten, alle verschiedenen Szenarien zu beleuchten, das ändert ja schon mal allein meine Einstellung zum Hund. Mit Angst und "du bist böse" brauch ich nicht in den Zwinger gehen. Da such ich dann nur Beweise dafür, dass der Hund weg muss, weil mein Filter eben gerade so ist. Und bring mich obendrein auch noch in Gefahr.

    Geh ich hingegen mit der Einstellung ran: "wer weiß, was da passiert ist" bin ich einfacher einen Ticken neutraler. Dann kann ich ganz anders agieren.

    Ich werfe hier jetzt mal noch eine Vorstellung in die Runde:

    Zwischen Sohn und Hund ist etwas vorgefallen. Mutter kann eh keine Hilfe rufen, versucht, dazwischen zu gehen und wird ebenfalls "erwischt".

    Wäre es nicht denkbar, dass dieser tragische Vorfall innerhalb von Minuten somit vorüber war? Und ein Hund in der Gewichtsklasse muss ja nicht lange angreifen, schütteln, hemmungslos zubeißen. Da reichen "ein paar" Bisse an den richtigen Stellen.

    Naja, die meisten bringen ihre Hunde nach so einer Attacke zum Tierarzt - denn woher soll ein Tierhalter einschätzen können, ob der Hund noch zu retten ist? Darüber denken die meisten doch gar nicht nach, sondern fahren in Angst und Panik zu uns. Sogar auch, wenn sie bereits schon tot sind. Denn den Tod festzustellen ist etwas sehr Endgültiges und die Leute stehen berechtigerweise unter Schock. Wir sind da oft die erste Anlaufstelle.
    Sicherliche kommen nicht alle, aber eben doch einige. Wie groß die Dunkelziffer genau ist, kann ich dir nicht sagen.

    Sowas find ich auch wieder schwierig - diese Dunkelziffer. Also so allgemein bei Tieren. Wie viele sterben an Vernachlässigung, werden überfahren, fallen durch Hitzschlag um, erfrieren....? Man bekommt ja nur das mit, was in den Medien landet oder wo die Halter tatsächlich noch zum TA gehen oder in die TK. Und selbst bei TA und TK - gibt es da eine Statistik, welche Tiere am häufigsten an welcher Ursache sterben? Weißt du das zufällig?

    Man ist nicht innerhalb von 5 Sekunden verblutet! Beinah egal welches Gefäß verletzt wird. Dass die beiden Personen es also nicht mal geschafft haben, Hilfe zu rufen (Handy, Notdienst ...) muss ja bedeuten, dass der Hund die Beiden so schwer verletzt und/oder kontrolliert haben muss, dass keiner der beiden überhaupt noch in der Lage war Hilfe zu rufen.
    Das zeigt meiner Meinung auch, dass es sich hier nicht um ein "kleines Missgeschick" des Hundes handeln kann, sondern dass die Situation ausweglos gewesen sein muss und der Hund sicherlich nicht nach einem "versehentlichem Biss" sofort abgelassen hat.

    Wir behandeln in unserer Klinik regelmäßig Bissverletzungen von Hunden mit Perforationen der Brust- und Bauchhöhle. Das sind immer Intensivpatienten, aber tot sind die selten "sofort", sofern sie nicht wegen einem Genickbruch direkt nach der Attacke gestorben sind. (Ich rede jetzt von Hundeattacken auf Hunde und Katzen).


    Erfahrt ihr denn, wie viele direkt bzw. sehr schnell nach sowas sterben? Ihr bekommt ja nur die, die theoretisch noch zu retten sind, oder?

    Es gibt mehr Nerven als Hauptaterien. Besonders bei den Händen haben wir sehr viele Nerven, deswegen sind wir in der Lage so viel zu ertasten. Da ist es sehr leicht einen Nerv zu erwischen.Bluten und verbluten sind verschiedene Sachen. Ich denke nicht, dass ein Chi in der Lage ist, einen Menschen so zu verletzen, dass er verblutet.

    Ich sprach ja auch nur vom Bluten, nicht vom Verbluten.

    Weil der kleine wahrscheinlich einen Nerv erwischt hat, was sehr schmerzlich ist. Aber wir reden von einem Hund der Wunden zugefügt hat, dass 2 Menschen verblutet sind. Ein Mensch verblutet nicht so schnell. Entweder er hat eine Haupaterie erwischt (was ziemlich schwierig ist, weil die schwer zu erwischen sind) oder er hat mehrfach tiefe Wunden zugefügt, sodass es mehrere blutende Stellen gab.

    Das hat er dann aus Versehen und zielgenau an zwei Händen geschafft, punktgenau den Nerv zu erwischen? Und ich dachte, solche Zufälle gibt es nicht. :ka:

    Darum ging es doch auch gar nicht gerade, oder? Es ging darum, wie stark der Biss sein muss. Und zum Bluten reicht auch das Gebiss eines Chis oder kleinen Pudels, die gar nicht mal sooo viel Kraft haben.

    Ich hab schon von dem Biss eines Zwergpudels geblutet wie sau und konnte die betroffenen Gliedmaßen ne Woche lang nicht mehr einsetzen. Der Hund hat danach weiterhin problemlos sein Kauzeugs bearbeitet.

    Kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Staffi-Mix in gutem Pflegezustand davon Schmerzen bekommt, dass er in fleischige Körperteile beißt.

    @straalster: bei dir. Einfach so. Reine Neugier. :ka:


    Aktuell gibt es drei, die schon mal Menschen gebissen haben - hier aber nicht mehr.

    Zwei davon, die als absolut unverträglich mit allem und jedem beschrieben wurden. Nach Anlaufzeit waren beide bisher nicht wieder auffällig. (bei einer sind es jetzt immerhin schon 8 Jahre)

    Eine, mittlerweile verstorben, war jahrelang unerklärlich aggressiv. Unerkannter Knochenkrebs und haufenweise vereiterte Zähne.

    Eine andere fiel plötzlich durch unprovozierte Aggressivität auf. Entweder Demenz oder Hirntumor, ließ sich nicht mehr gefahrlos untersuchen.

    Einem wurde das Knurren abgewöhnt. Daraufhin hat er halt direkt zugeschnappt. Geht mittlerweile, aber man muss ihn lesen können. Der wohnt jetzt bei meiner Mutter.

    Und dann wäre da noch die Katze mit neurologischen Problemen, die manchmal ausschlägt. Der Kater, der immer klaut und alles verteilt ist dem Tod anfangs gerade nochmal von der Schippe gesprungen. Der traumatisierte Kater von nem schizophrenen Drogenabhängigen. Und dann der Dicke, die Chefin und der Therapie-Kater. (Bei dem Dicken war die Aufzucht... fragwürdig. Ich hab ihn da rausgeholt und danach kam das Vet-Amt vorbei und jetzt gibt es diese "Zucht" nicht mehr).

    Auch wenn du sie als "Chaoten" bezeichnet hast - die sind in sich harmonisch. Jeder hat einen Knall aber damit kommen alle gut klar. Aber die Besetzung fluktuiert eben. Und da ist es meine Verantwortung zu schauen - wer passt hier rein, wer kann nicht ohne die anderen, wer kommt besser als Einzeltier klar usw.

    Da komme ich nicht ganz mit. Magst du jetzt von allen wissen, wie und warum sie hier gelandet sind? Erzähl ich dir gerne.

    Aber ich dachte, bei Chico ist das egal, warum er gebissen hat?

    @straalster: du warst doch die, die gerade 10 Chaoten hat oder?

    Dann müsste dir doch nu echt bekannt sein, wie die allgemeine Vorgehensweise bei einem solchen Fall sein sollte?
    Wie es zT sogar in den entsprechenden Betriebsordnungen geregelt ist oder?

    Und vor allem: reden wir jetzt hier mal ned alle Hunde in einen Topf, zwischen nem gut sozialisierten, wesensstarken Welpen und nem erwachsenen TS-Hund, der nachweislich gebissen hat - liegen Welten. Und die sollten auch dir bekannt sein, aufgrund welcher Faktoren die Entwicklung eines Säugetieres geschieht.

    Ich bin die mit dem (nur noch) 9-köpfigen Rudel voller "will keiner/hoffnungsloser" Fälle.

    Und es ist nicht immer möglich, der Ursache auf den Grund zu gehen. Aber versucht wird es bei mir immer. Hab hier auch größtenteils Tiere, die nachweislich gebissen haben oder auffällig waren. Die sind eben nicht mehr auffällig. Wird das immer so bleiben? Keine Ahnung. Aber ich werde alles dafür tun.

    Ist das bei Chico möglich? Keine Ahnung. Deswegen finde ich den Schrei nach EInschläfern verfrüht. Weil gerade ich weiß, dass die Zeit noch gar nicht ausreichen konnte, um irgendwas wirklich zu bewerten und zu versuchen.