Beiträge von straalster

    Der Hund muss sich zu jeder Zeit das Futter wegnehmen lassen.

    Den Gedankengang verstehe ich schon aus Sicherheitsgründen, hab aber den Eindruck, es ist bei vielen einfach nur pures Machtspiel - wie du das ja auch schon ausgedrückt hast.

    Die Hauptmahlzeit als Übung wegzunehmen ist tatsächlich eine der Sachen, die ich auch in der Chef-sein-müssen nicht gemacht habt. Zum einen hätte das nix gebracht, weil hier einfach keiner verfressen genug ist. Futter ist keine Ressource, die es sich zu verteidigen lohnt (All you can eat). Die wussten also schon, dass "der Dosenöffner nimmt den Teller weg" höchstens Nachschlag bedeutet. :D
    Zum anderen ist Essenszeit eben Essenszeit und keine Trainingszeit.
    Netter Nebeneffekt: Ich kann jedem hier jederzeit das Essen wegnehmen ohne jedwede Gegenwehr oder Stress zu erzeugen.

    Das finde ich generell toll. Wenn man auf Macht aus ist, wird irgendwie alles zum Kampf, der andere wird zum Gegner und es gibt viel Frust. Es kommen Sätze, wie "ich lass mir doch nicht auf der Nase rumtanzen" zustande. Wenn man sich davon verabschiedet, wird plötzlich ne ganze Menge leichter und entspannter und man erreicht manche Ziele einfach als netter Nebeneffekt.

    Dein Beispiel zeigt sehr schön, wie sehr man sich doch mit der Chef-Einstellung selbst ins Bein schießen kann.

    Zum Glück hatte ich die Phase nicht beim ersten Hund und wusste damit schon, dass es anders geht.
    Und ich hatte damals schon den Dicken und der hat meinen Schwachsinn nicht mitgemacht. Bei einem anderen Hund wäre ich damit vielleicht durchgekommen. Aber ich finde es immer noch peinlich und bekloppt von mir, dass ich das gemacht habe. :headbash:

    Hallo @Nevado!

    Da hast du ja gleich in die Vollen gegriffen. Oder: Einen Hund bekommen, an dem du bestimmt sehr wachsen kannst. :smile:
    Ich möchte dir aus eigener Erfahrung eigentlich nur ein paar Kleinigkeiten mit auf den Weg geben.

    Hör auf, der Chef, Rudelführer, was auch immer sein zu wollen. Denn es klingt so, als setzt du dich damit unter Druck. (Ich muss aber..., der Hund muss aber...). Du trägst die Verantwortung, das ist klar. Das möchtest du ja auch. Aber das geht auch ohne "Chef", autoritär oder ganz strikter Regelpocher zu sein.

    Überleg dir vielleicht erstmal, welche Grenzen du wirklich hast. Warum dir diese Grenzen wichtig sind.
    Nur so z.B. und zur Veranschaulichung: Der Hund soll nicht auf die Couch. Warum ist dir das wichtig? Ist dir das überhaupt wichtig? Oder ist das eher so ein: Soll er halt nicht, weil er das nicht soll. Weil andere gesagt haben, dass er das nicht soll?

    Je besser du deine eigenen Gründe für Grenzen kennst, desto entspannter, geduldiger und besser kannst du die daraus entstehenden Regeln durchsetzen. Da musst du kein Chef sein. Da bist du einfach Teil einer Beziehung und in einer Beziehung hat jeder seine Grenzen, die andere respektieren müssen - sonst läuft es nicht, es stellen sich Frust und Unzufriedenheit ein. Selbst dein Chef muss deine Grenzen respektieren, sonst wird das Arbeitsverhältnis extrem angestrengt und anstrengend. Und je besser das Verständnis für die eigenen Grenzen und die Grenzen anderer, desto einfacher fällt das Respektieren.

    Mal ein Beispiel von mir: Hund gehen nicht zuerst durch die Tür oder das Gartentor. Das hat nicht so wirklich gut funktioniert, als ich diese "Ich bin der Rudelführer-Phase" hatte, in der ich das ja so machen musste, weil die mir sonst auf der Nase rumtanzen.

    Dann hab ich das in Frage gestellt und bemerkt - mir ist das nicht wichtig, um Chef zu sein. Mir ist das in manchen Fällen wichtig, weil es sicherer ist. Dann sehe ich nämlich, ob da draußen gerade mal wieder ein freilaufender Hund angepirscht kommt und kann meine Hunde schützen. Oder ich sehe zuerst, ob ein Wildtier, eine verletzte Katze oder sonstwas im Garten ist. Und mit diesem Wissen bin ich viel ruhiger und mit längerem Atem an die ganze Sache rangegangen. Da konnte ich die 50. Wiederholung ohne Frust - denn mir was das Ziel viel wichtiger, als "Der hat mich gefälligst als Chef zu sehen und zu machen, was ich sage und wenn er das nicht macht respektiert er mich nicht oder ich bin einfach unfähig". Daraus wurde stattdessen "MIR ist das wichtig, weil ich sie sicher wissen will und das muss ich ihnen beibringen. Und zwar so, dass sie es verstehen." Verstehst du, was ich meine?

    Aus Machtspielchen wurde Zielorientierung. Und Zielorientierung sollte immer mit individueller Anpassung einhergehen, denn ich kann nicht jedes Individuum in die gleiche Form pressen. Ich kann nur bei jedem Individuum schauen, wie ich mit ihm zu dem Ziel gelange.

    Zugleich hab ich durch das Hinterfragen das Regelwerk rigoros abgespeckt. Weil mir vieles einfach nicht wirklich wichtig war. Das war irgendjemandem wichtig aber hatte für mich keine Bewandtnis.

    Und zu den Leuten, die schon so viel Erfahrung haben und alles so viel besser können:

    Weder mehrere Jahrzehnte Hundehaltung (Erfahrung), noch vermeintlich gehorsame Hunde sind ein Garant für ein schönes Leben miteinander.

    Manche Hunde haben Angst vor ihren Haltern - während die Halter stolz darauf sind, dass der Hund so schön kuscht / unterwürfig / gehorsam ist.

    Andere Hunde sind einfach von Anfang an so und der vermeintlich talentierte Halter hat sie nur noch nicht versaut.

    Manche Halter rühmen sich mit dem Gehorsam ihrer Hunde und das die fressen, was auf den Tisch kommt, nie mäkeln (dafür wurde durch Aushungern gesorgt)- aber selbige Halter schaffen es einfach nicht, dass die Vierbeiner draußen nicht mehr Staubsauger spielen und dabei sogar in einer Tour Steine und Kot aufnehmen.


    Sorry für die Länge aber ich hoffe, das konnte dir helfen.

    Ich finde, dass das extrem häufig passiert, dass man gefragt wird, ob man seine Hündin denn auch mal "Junge kriegen lassen" will. Innerhalb meiner Familie und im Bekanntenkreis haben mich das so ziemlich alle Hunde- wie Nichthundehalter schon gefragt. Wenn man dann mit einem klaren "Nein" antwortet, wollen sie meistens auch immer ganz überrascht wissen, warum denn nicht. Ich frage dann gerne, warum sie denn meinen, dass ich das wollen würde? Und dann kommt eigentlich in 100% der Fälle "Weil das doch mal süß wäre, so kleine Friedas/Ilkas/Kimbas. Und der Hund ist doch auch so schön und lieb!" Wenn ich dann meine Gründe erkläre, sagen sie auch oft, dass sie das nachvollziehen können. Aber vorher macht sich scheinbar niemand Gedanken, dass man
    - nicht einfach einen schönen/süßen/lieben Hund mit irgendeinem anderen schönen/süßen/lieben Hund verpaaren sollte, weil die Hunde ihre Genetik nicht komplett offen auf dem Revers tragen
    - sich für mindestens 8 Wochen einen riesen Stress einhandelt, den man als normal berufstätiger Mensch nicht stemmen kann
    - keinen Welpen behalten möchte/kann
    - nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbricht, bei dem Gedanken, selbst gezogene Hundebabies an irgendwelche Leute abzugeben (Vorstellungsgespräch hin oder her - man kann denen auch nur vor den Kopf gucken und nicht in die Zukunft sehen)

    Interessanterweise hat noch niemand den möglichen finanziellen Gewinn angesprochen. Es ging immer nur um dieses impulsive "mal süße kleine XYs" haben zu wollen. :ka:

    Jupp. Viele machen sich ja auch - wie hier schon erwähnt - vorher keine Gedanken über die Verantwortung, die ein Hundeleben mit sich bringt und ob der Hund überhaupt zum eigenen Leben passt. Da zählt bei der Anschaffung allein die Optik - sei das süß, gefährlich / beeindruckend / cool, schick oder eben gerade in.

    Die von mir vorhin erwähnte Frau, die nicht wusste, dass auch reine Wohnungskatzen rollig werden und wie das überhaupt aussieht (nach 20 Jahren Katzenhaltung), hat Hatchiko gesehen. Will jemand raten, was für ein Hund direkt danach bei der Familie einzog? :verzweifelt:

    Ich hatte übrigens einen Hund (Maxe), der mit beginnender Schwerhörigkeit Probleme mit Gewitter und Feuerwerk bekam. Der war all die Jahre vorher ganz unbefangen. Er konnte die Geräusche aber wohl nicht mehr richtig filtern/einordnen und hat deshalb Angst gehabt. War dann wieder erledigt, als er stocktaub war.

    War bei meiner Seniorin genauso. Erst alles problemlos. Sie wäre bei Gewitter und Feuerwerk auch noch spazieren gegangen. Dann durch das im Alter veränderte Gehör extreme Probleme mit Gewitter, Feuerwerk, Bohren, Hämmern... Sie ist von jetzt auf gleich panisch durch die Gegend gerannt und auch gegen Wände gerannt. Hat gehechelt bis zum Umfallen, trotzdem stark erhöhte Temperatur gehabt und teils sogar unter sich gemacht.

    Taubheit hat das schlussendlich wieder gelöst. Davor mein von manchen als "Verhätscheln" abgestempeltes Daraufeingehen. Ich hab nämlich nachdem Ignorieren, Gehörschutz, verschiedene natürliche Mittel und Ablenkung nicht funktioniert haben, was Schreckliches gemacht - sie auf dem Arm gehalten, gestreichelt, beruhigend mit ihr gesprochen und ja, dann irgendwann auch versucht sie mit besonders leckeren Sachen zu füttern /vollzustopfen.

    Nachbarn von mir haben selbst zwei Hunde mit diesem Problem. Die Vierbeiner sind nach jedem lauteren Ereignis verhuscht und schlapp. Aber da wird knallhart abgelenkt und da das eben überhaupt nicht funktioniert in der Folge ignoriert. Selbst als ich ihnen sagte, dass Festhalten, Streicheln und Reden bei meiner geholfen haben war das vollkommen falsch und dann natürlich kein Wunder, dass sie vorher Angst hatte. Dass das die Lösung des Problem sein kann, war vollkommen undenkbar. Ebenso, das Ablenken eben nicht bei jedem Hund in jedem Zustand funktioniert.

    Und: genauso wie beim Silvester-Ding ärgert es mich, wenn solche massiven Ängste auf ein Hund-Halter-Problem reduziert werden. Ich hoffe, die Leute, die da nicht über den Tellerrand gucken können, haben niemals einen betroffenen Hund.


    Heute könnte ich mich selbst in den Ar*** treten, dass ich tatsächlich Ignorieren usw. versucht habe. Das Problem musste ja bei mir / in unserer Beziehung liegen, weil ich die Angst durch Zuwendung verstärke und sie dafür belohne, Angst zu haben blablabla.

    Eher merkwürdig denn bemerkenswert: Kurze Runde heute Vormittag. Eine ältere Frau "verfolgte" uns. Sprach dann die Hunde an, wie süß und niedlich sie doch seien und wie brav, lieb und gut erzogen. "Ihr hört bestimmt immer, so lieb seid ihr." Ich meinte dazu lachend "Ach naja, geht so"
    Daraufhin sah sie mich zum ersten Mal an und sagte in wirklich lautem, bösem Tonfall: "Das kommt halt immer drauf an, was man reinsteckt, ne. Da müssen sie sich eben mal anstrengen!" und dann stürmte sie davon. :???:

    Hat man ein Problem mit etwas, scheint mir, ist man damit halt doch irgendwie immer allein und muss sich da selbst drum kümmern, und kann nicht darauf zählen, dass andere da Rücksicht drauf nehmen...

    PS: Für das Hund rannehmen hab ich übrigens auch noch nie ein Danke gehört, von keinem Radler.. auch nicht für zur Seite gehen...

    Genau diese beiden Sachen finde ich so schade.

    Klar, wenn ich ein Problem habe, ist das in erster Linie mein Problem. Rücksicht (auf Nachfrage) wäre trotzdem schön und in vielen Fällen wirklich hilfreich, damit das Problem bald keins mehr ist. Und wie oft würde gegenseitige Rücksichtnahme dabei helfen, Probleme von vornherein zu verhindern.

    Genauso finde ich es auch schade, wenn Rücksichtnahme nicht anerkannt und damit gefördert wird. Bei mir haben sich schon einige Radler bedankt, wenn ich die Hunde rannehme. Genauso haben sich schon Hundehalter bedankt, wenn ich langsamer werde, Bögen fahre oder anhalte - weil der Hund gerade nicht auf den Abruf hört. Aber die Regel ist das leider nicht.

    Eigentlich könnte ich nur, bevor ich zum Hund komme, gleich bei der HH stehen bleiben und ihr erklären, dass ich Angst vor HUnden habe etc, aber die erklärt mich doch dann für verrückt.

    Würde ich genauso machen. Einfach ansprechen und erklären. Oder du sagst, dass dir letztens einer ins Rad gerannt ist und du seitdem um dich und den Hund fürchtest, wenn du Rad fährst und sehr dankbar wärst, wenn sie ihn ran ruft. Auch dann kann es zwar blöde Reaktionen geben aber vielleicht auch eine nette, verständnisvolle.

    Ich finde es selbst bescheiden, wenn Leute ihre Hunde an der langen Leine oder gleich ohne Leine zwischen Radfahrern rumgurken lassen. Alleine schon, weil das ein unnötiges Gefahrenpotential für Hunde und Radfahrer kreiert. Aber da gibt es nun einmal wie überall Unbelehrbare, die zwar selbst keine Rücksicht nehmen aber die von anderen einfordern.

    Das Problem ist das es diese Anzeige überhaupt gibt. Gäbe es keine Vermehrer gäbe es keine solche Anzeige.

    Ersetz vielleicht mal "Vermehrer" durch "Dummheit" - obwohl auch das nicht immer der Fall sein muss. Ich hab ja auch schon mehrere trächtige Katze aufgenommen und wenn man nicht gerade Verbindungen zu Tierschutz, Tierheimen oder vielen Menschen mit Katzenwunsch hat, muss die Vermittlung eben anders ablaufen. (Ich hab die Anzeige nicht gesehen, daher keine Ahnung, ob das die eigene Katze war oder eine gerade erst aufgenommene).

    Meine Definition von Vermehrer sehe ich da nicht, da sich an Straßenköterkatzen kaum einer bereichern kann.

    Und zur Dummheit: Uff, wäre das schön, wenn es die nicht mehr geben würde. Aber gerade bei der Haltung von Katzen wird das wohl nicht passieren. Die sind so hübsch billig und einfach. Wenn sie während der Rolligkeit nerven, werden sie eben vor die Tür gesetzt, da wird schon nix passieren - oder die Rolligkeit wird gar nicht erst als solche erkannt, weil die Katze ja noch zu jung ist, um Junge zu bekommen.
    Meine beiden bisher absurdesten Fälle:

    Ehepaar, beide Doktortitel (wo ich eigentlich ein bisschen Intelligenz voraussetze) - eine der fünf Katzen musste unbedingt unkastriert bleiben, von der wollte sie einmal Junge. Der Mann wollte das nicht und hat der Katze daher die Pille gegeben. Die Frau wunderte sich auch nicht, warum die Katze nicht rollig wird. Sie ging davon aus, Wohnungskatzen werden nicht rollig. ("erfahrene" Katzenhalterin seit 20 Jahren)
    Dann war der Mann aber für mehrere Wochen weg und die Frau wusste lediglich, dass die Katze "irgendwelche" Tabletten bekommt. Aber nicht wieso und was für Tabletten oder wann oder wie viele. Kam auch nicht auf die Idee, mal bei ihrem jederzeit erreichbaren Mann nachzufragen und der Mann kam nicht auf die Idee, dass er ihr das vielleicht mal hätte mitteilen sollen.
    Katze wurde dauerrollig, abgemagert und gestresst ohne Ende, hat das gesamte Haus zugepinkelt - was aber keiner gemerkt haben will. Als ich darauf hinwies, dass sie dringend zum Tierarzt muss, wurde die Katze kurzerhand vor die Tür gesetzt.

    Junger Typ, Katze natürlich unkastriert, nicht geimpft und Freigänger (die wollte dringend raus und hat genervt aber das ist in Ordnung, die mag andere Katzen sowieso nicht). Wurde für ihn völlig überraschend trächtig. Ein paar Wochen nach dem ersten Wurf war sie schon wieder sichtbar trächtig - dazu meinte er: Das kann nicht sein, er hat sie nur immer mal ganz kurz rausgelassen....
    Ich habe ihn dann darüber aufgeklärt, dass Katzen nicht erst schick Essen und ins Kino gehen, bevor es zur Sache geht.
    Die Katze hat er mit Gewalt verjagt, denn einmal ein Ausrutscher ist ja in Ordnung aber nochmal soll sie ihm keine Katzen anhängen....

    Nur mal als Anmerkung: Hühner ohne Hahn? Das ist auch keine artgerechte Haltung. Und Veganer sollten ganz und gar nicht darauf stolz sein.

    Das war ein Gespräch über eine hypothetische Situation. Davon abgesehen: Hähne haben doch die "Funktion" zu warnen und die Eier zu befruchten. Was würde den Hühnern in einem großen, gesicherten Gehege also ohne Hahn fehlen - wenn sie weder Warnungen benötigen noch Eier legen sollen (z.B. weil sie zum Eierlegen ohnehin schon zu alt sind)?


    Und wie kommst du davon auf "Veganer sollten darauf nicht stolz sein"? Wenn ich jetzt Legehennen von "Rettet das Huhn e.V." aufnehme und noch/derzeit keinen Hahn dazu habe - die legen aber aus Versehen noch hier oder da ein Ei - was hat denn dann die Frage zur Verwertung der Eier mit "stolz drauf sein" zu tun?!