Beiträge von straalster

    Wegen des Autofahrens mal noch meine Erfahrungen mit verschiedenen Hunden und Katzen:

    Chefin: Vorne geht gar nicht. Weder Fussraum noch auf dem Schoss - was sowieso nur stattgefunden hat, wenn eine sehr kurze Fahrt (max. 5 Minuten) anstand. Gesichert auf der Rückbank steigt sie ein, legt sich hin und pennt.

    Der Dicke: Pff. Ihm doch egal. Angegurtet auf dem Sitz, auf der Rückbank, Box im Kofferraum. Er pennt oder guckt einfach ruhig in der Gegend rum. ABER - er muss was sehen können. Ansonsten wird ihm übel. Anfangs hat er gespeichelt und gekotzt. Das musste ich sehr langsam ausbauen. Nux vomica hat geholfen.

    Seniorin: Die hätte auch selbst fahren können. Absoluter Autohund.

    Rüde meiner Oma: Auto war ein Albtraum für ihn. Fiepen, speicheln, kotzen, rumspringen. Ob das Auto steht oder fährt ist egal, der hatte Stress. Außer, ich sitze am Steuer und er ist auf der Rückbank gesichert (Gurt plus Autodecke, die zwischen den Kopfstützen der Rückbank und der Vordersitze gespannt ist). Dann ist er tiefenentspannt.

    Verstorbene Hündin meiner Oma konnte nur vorne in einer gepolsterten, angeschnallten Box entspannt mitfahren.

    Meine Katzen: Die eine muss nach vorne sehen können und alleine in einer Box sein. Eine ihrer Töchter darf möglichst gar nix sehen. Der anderen ist es herzlich egal, Hauptsache, sie ist dabei. Die Kater müssen mindestens zu zweit in ihren Boxen sein - ansonsten wäre es für sie Stress pur. Die "packen" sich auch zusammen ein und sind dann echt entspannt. Nicht ganz so praktisch, wenn nur einer zum Tierarzt muss aber was soll ich machen :ka:


    Also hast du da noch echt viele Möglichkeiten, verschiedene Versionen auszutesten.

    Mit dem Nux vomica haben wir bisher nur gute Erfahrungen. Meine Mutter hat eine Hündin, die schon beim Einsteigen total gestresst war - anscheinend nur durch die Übelkeit. Globuli und ein paar Wochen Training / Gewöhnung und die Maus ist stressfrei von Leipzig nach Italien und zurück gefahren.

    Das sollte auch keine Kritik sein oder in Frage stellen, dass es eine schlechte Haltung war - sondern eben ein Perspektivwechsel @FrauBre. (ich heiße Chips füttern durchaus nicht für gut)

    Aber selbst die Ohrenentzündung ist aus Menschen- und Hundesicht sehr unterschiedlich.
    Ihr habt die behandeln lassen, um schlimmeres zu verhindern und ihn schmerzfrei zu bekommen.
    Das hieß aus Hundesicht aber erstmal:
    Untersuchung- die vermutlich wehtat.
    Medikamente geben - war für ihn unangenehm.

    Beim Vorbesitzer durfte er draußen und drinnen anscheinend machen, was er wollte. Bei euch gibt es Regeln.

    Aus Menschensicht ist das alles gut. Aus Hundesicht eben erstmal "doof". Verstehst du, wie ich das meine?
    Ihr könnt ihm ja nicht erklären, dass ihr für Schmerzfreiheit gesorgt habt. Ihr könnt ihm nicht erklären, dass Müll fressen potentiell gefährlich ist, dass sein Übergewicht nicht gesund ist, dass ohne Leine rumlaufen auch riskant ist usw.

    Ihr müsst da erstmal Anreize schaffen und dürft nicht so viel (Dankbarkeit) erwarten, weil er es bei euch ganz objektiv besser hat.

    Bindung definiere ich über gemeinsames Verständnis und Vertrauen darauf, dass die Beziehung nicht gleich an einem kleinen Konflikt zerbricht.

    Ein schreckliches und zugleich schönes Beispiel fand vor etwas über einer Woche im Notdienst einer Tierklinik statt. Und in der Folge auch noch beim Tierarzt.

    Mein Rüde hatte einen Bandscheibenvorfall. TA erkannte bei ihm keine Schmerzen, denn beim TA schnappt er nunmal nicht um sich, knurrt nicht, zuckt nicht. Alles, was zur Interpretation bleibt, ist der Ausdruck in seinen Augen. Also stand ich während der Untersuchung vor ihm und sagte an, wann er Schmerzen hat.
    Dafür ist er eine Furie, wenn ich ihm die Krallen schneide - ich weiß, er hat damit Probleme und wir stehen das durch. Das kann er bei mir rauslassen und das ist in Ordnung. Dabei nimmt unsere Beziehung keinen Schaden, er muss sich bei mir nicht zusammenreißen.

    Bindung zum Hund ist für mich, was ich auch gerne in der Familie habe. Respekt, Vertrauen, Verständnis, auch mal Schwächen zeigen und Bockmist bauen können - ohne Liebesentzug oder einen Bruch befürchten zu müssen. Das geht bei dem einen Wesen sehr einfach. Da passt es einfach von Anfang an. Bei dem anderen muss ich viel Vertrauensarbeit leisten, immer wieder beweisen, dass ich schütze, da bin, ein "nein" einfach ein "nein" ist und keine schlimmen Folgen nach sich zieht - und immer wieder beweisen, dass es auf beiden Seiten der Beziehung Grenzen gibt, die vom anderen eingehalten werden (müssen).

    @FrauBre - kann es sein, dass dein Freund eigentlich gar keinen Hund wollte? Und, dass der Kompromiss zwischen Hündin, Welpe, Klein-Großspitz (von dir aus) und gar kein Hund (von deinem Freund aus) dann in:

    "Aber ein großer Rüde muss es werden!"

    endete? Da lehne ich mich gerade weit in die Hellseher-Kugel aber es klingt ganz schön danach. Du willst Nassfutter füttern oder Barfen - "darfst" das aber nicht - passt eben auch ein wenig dazu. Auch bei der Küche - Durchgangszimmer oder nicht, eine Sicherung (Kindersicherung, rausstellen, Tür schließen - sofern vorhanden) ist doch eigentlich immer möglich. Da spielt es auch gar keine Rolle, ob danach eine Terrasse ist oder das Zimmer, in dem dein Freund immer mal zockt.
    Aber sei es, wie es will:

    Für den Hund bzw. aus Hundesicht (du hast dich ja noch nicht zu der schlechten Haltung geäußert) klingt das erstmal nicht nach einer Rettung / Verbesserung. Er durfte "Chips und solchen Mist futtern". Bei euch bekommt er Trockenfutter und wird nicht richtig satt. Dass sein Übergewicht ungesund ist, weiß der Hund ja nicht. Das ist für ihn gerade eine Qual.

    Er muss plötzlich an der Leine laufen - durfte also jahrelang "oben ohne" rumlaufen. Ich glaube keiner hier fände es toll, wenn er bisher frei rumlaufen und sein eigenes Tempo bestimmen durfte und nun muss er sich nach anderen richten - wiederum ohne Erklärung. Und ohne für ihn erkennbaren Vorteil.

    Ihr meint, ihr habt den Hund gerettet. Der Hund denkt sich vielleicht eher - was soll das hier eigentlich? Hungerkur und Leinenzwang?! Was hab ich denn angestellt?

    Hallo @FrauBre!


    Ich werde jetzt mal richtig böse aber auch konstruktiv unken und hoffe, dir hilft das weiter. (Ist nicht böse gemeint – ich hoffe aber, dass du daraus einen Perspektivwechsel mitnehmen kannst)


    • Mülleimer = Buffet.
    • Spazieren
    • Warum wurde es dieser Hund?

    1. Ihr habt einen „verfressenen“ (und ich übersetze das mal mit dauerhungrigen) Hund. Jetzt habt ihr als Ansatzstellen erstmal die W-Fragen: Warum? Wieso? Weshalb? Was könnt ihr machen?


    Warum ist der Hund so hungrig? Habt ihr einfach die Portionen verkleinert, weil er übergewichtig ist? Oder habt ihr euch mit dem Thema auseinandergesetzt und auf mehr Sättigungswert bei geringerer Kalorienmenge gesetzt?


    Wieso erreicht er den Mülleimer? Tür schließen, Gitter anbringen, Mülleimer zunächst auf die Terrasse stellen, Mülleimer in einen Schrank stellen und eine Kindersicherung anbringen – es gibt da verdammt viele Möglichkeiten. Bisher habt ihr (scheinbar) getestet, dass der Hund nicht in die Küche darf und dass der Mülleimer hinter einer Tür steht. Übersetzt für den Hund: Ihr habt ihm witzige Aufgaben zum Testen seiner Intelligenz gegeben. Und er hat die Aufgaben mit Bravour bestanden. Gerade als verfressener Hund hatte er auch ordentlich Motivation.


    Weshalb ärgert ihr euch?


    Weil er euch nicht als „Chef“ ansieht? Für mich klingt jede Schilderung von dir so. Der soll nicht schnüffeln, der soll auf der Decke liegen, der soll die Klappe halten, unter Ablenkung auf Rückruf reagieren, den Müll in Ruhe lassen und nicht so einen Hunger haben.

    Das ist verständlich aber leider total vorbei an seinen Bedürfnissen. Und der Realität.


    Warum sollte er euch denn als Chefs anerkennen oder euch Gefallen tun, auf euch zu hören? Bisher konnte er so schmackhafte Sachen wie Chips futtern. Die gibt es bei euch nicht. Aus seiner Sicht lasst ihr ihn hungern und verlangt dann auch noch, dass er als „verhungernder Hund“, erreichbares Futter ignoriert. Und ihr versteckt das noch nicht einmal wirklich gut!

    Stell dir vor ich setz dich auf eine Saft- und Astronauten-Nahrung-Diät. Komplett ohne Erklärung. Dir knurrt dadurch permanent der Magen und du kannst die Düfte aus der Küche riechen. Oder beim Grillen. Wie sähe es da mit deiner Selbstbeherrschung aus? Gerade, dass ihr ihn beim Grillen dabei hattet – Holla. Das war richtig gemein. Bei diesen ganzen leckeren Düften nicht zu betteln ist für einige ansonsten ausgefütterte Hunde schon eine ordentliche Herausforderung. Und ihr habt zu sowas einen Hund mitgenommen, der sogar den Müll nach Fressbarem durchsucht. Das ist ein bisschen, wie einen Alkoholiker in eine Bar mitschleppen.

    Verstehst du, was ich meine? Ihr legt die Latte einfach zu hoch und seid dann frustriert, wenn der Hund eigentlich sehr vorhersehbar reagiert.


    Welches Futter bekommt er? Trockenfutter, das stark verzögert sättigt? Oder wasser- und ballaststoffreiches Futter, das relativ schnell, relativ gut sättigt? Wenn ihr an der Fütterung etwas dreht, ist er vielleicht gar nicht mehr so verfressen.


    2. Findet etwas, das für den Hund interessant ist. Der ist doch so verfressen – also nehmt Futter mit. Für den Anfang absolut jeden Tag! Ich würde das in winzige Fitzelchen zerteilen, damit er immer belohnt wird und seine Aufmerksamkeit schon vor dem ersten Schritt vor die Tür am anderen Ende der Leine liegt.


    Könnte das bei euch funktionieren?


    3. Retten – ja. Schlechte Haltung – ok. Aber warum ausgerechnet dieser Hund. Was habt ihr euch davon versprochen? Warum diese Rasse? Warum dieses Individuum? Denn Hunde aus schlechter Haltung gibt es ja leider wie Sand am Meer.

    Es gab hier ja einige Stimmen a la: Würde ich der Seniorin nicht mehr antun, sie soll einen schönen Lebensabend haben ihn in Ruhe genießen können.

    Was dabei nicht beachtet und ja sogar überlesen wurde - nicht jeder Hund fühlt sich als Einzelhund wohl. Manche werden regelrecht depressiv. Das Spielen mit anderen draußen kann den Zweithund zuhause nicht ersetzen. Und wenn das nur aus Kontaktliegen besteht oder daraus, dass sich der Senior am Nachwuchs etwas orientieren kann. Allein die Anwesenheit kann schon eine Wohltat sein.

    Manche Hunde haben alleine mit ihren Menschen einfach keinen schönen Lebensabend - ganz egal, wie sehr sich der Mensch auch anstrengt. Ganz egal, wie gut die Bindung ist. Ein Mensch ist eben kein Hund.

    Und ob nun Welpe oder älterer Zweithund: Die können alle Baustellen mitbringen. Ein Welpe wächst leichter in Situationen rein. Kann sich meist schneller anpassen. Er kennt es ja so. Bei einem älteren Hund aus zweiter oder dritter Hand kann sich noch reichlich an Baustellen auftun, wenn er dann endlich mal richtig ankommen kann. Managen muss ich bei beiden und aus meiner Erfahrung heraus bei älteren Tieren potentiell mehr.