Wobei ich ja mehrmals gelesen habe, dass Hunde eigentlich Grenzen gesetzt haben wollen?
Ich glaube, dass ist ein ganz allgemeines Verständnisproblem.
Kinder wollen laut diverser Quellen auch "Grenzen gesetzt bekommen". Bis du dann mal ein paar Kinder fragst und die Grenzen eigentlich gar nicht witzig finden. Null. Nada. Überhaupt gar nicht. Die werden diese Grenzen testen. Die werden rebellieren, hinterfragen, in Frage stellen und den Grenzsetzern gewaltig auf die Nerven gehen. Es sei denn, ihr Wille wurde rechtzeitig gebrochen.
Kein Lebewesen will einfach so Grenzen, weil es Grenzen an sich toll findet. Ist wie mit Geld. Wer will Geld einfach nur, weil bedruckte Papierschnippsel und geprägte Metallstücke so hübsch sind? Kaum einer. Aber alle wollen Geld, weil das Sicherheit, Freiheiten und Möglichkeiten kaufen kann. Genauso wenig haben wir Schlösser an den Türen, weil wir Schlösser wollen. Wir wollen Sicherheit, Eindringlinge abhalten, uns schützen.
Und Grenzen /Regeln wollen wir auch nur, weil die einen verlässlichen Rahmen schaffen können. Regeln und Grenzen sind genau wie Geld nur Mittel zum Zweck beziehungsweise Schritte zum Ziel. Das Ziel zählt.
Also konzentriert euch vielleicht weniger auf die Regeln drumherum und mehr auf das Ziel. Das entspannt ungemein und man kann in der Regel viel wegfallen lassen, was vorher fürchterbar wichtig erschien.
Warum soll der Hund nicht in die Küche? Ist euch das echt wichtig, dass der keine Pfote über die Schwelle setzt? Oder geht es nur um den Müll? So ein Eimerchen lässt sich deutlich einfacher sichern, als ein kompletter Raum verboten werden kann. (Vor allem, wenn es ein Raum ist, durch den er hin und wieder durch muss).
Er soll/muss abnehmen. Das ist das Ziel. Das könnt ihr jetzt richtig schwierig und anstrengend a la nervenraubender Diät durchziehen, wo ihr tausend Regeln und Grenzen setzen müsst, Futter abwiegt, Krümel zählt. Und das vermutlich lebenslang. Oder ihr macht eine Ernährungsumstellung, wo das Futter vorher eingeweicht wird, rohe Karotte reingeraspelt wird usw.
Ich hab dadurch gemerkt, wie sehr mir viele Kleinigkeiten (vorher fürchterlich wichtig) am Ar*** vorbeigehen. Tier liegt im Weg, weil ausgerechnet der Durchgang der Lieblingsplatz ist. Tja, muss es halt aufstehen, wenn ich da lang will. Stört das Tier nicht, stört mich nicht. Keine Zeit auf sinnloses Training verschwendet, weil es doch "auf seinem Platz liegen soll". Aber Tiere auf der Küchenarbeitsplatte will ich nicht. Punkt. Haare im Essen mag ich einfach nicht. Wenn einer zum Sprung ansetzt gibt es eine klar Ansage - fertig.
Insgesamt weniger Regeln aber ein ganz klarer, verlässlicher Rahmen.
Bei der ganzen Regulierung bin ich ein Anhänger von: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Aber so einfach einfach das klingt, man muss sich erstmal reinfitzen.