Hallo @mel_stu.
Meine Tipps:
Du nimmst dir jetzt erstmal drei Mützen Schlaf und einen Tee und versetzt dich so komplett in deinen Hund wie möglich.
Das ist jetzt dein Ziel, um "perfekt zu werden" und damit es ihm überhaupt gut gehen kann.
Der Hund kennt die Geräusche und Gerüche bei euch nicht, er kennt den Tagesablauf nicht, er kennt euch nicht (?), er kennt Kommandos von euch nicht, er kennt es eventuell noch nicht einmal, in einem echten Haus zu wohnen. Und die Sprache spricht er auch nicht.
Versetzt dich da mal rein. Da kommen Leute, die dich nicht verstehen, die du nicht verstehst und die nehmen dich mit. Ab sofort Leben nach ihren Regeln. Die Regeln kennst du aber nicht. Du verstehst ja nicht, was sie sagen. Und ein Handbuch hast du auch nicht bekommen. Die binden dir eine Schnur um den Hals, verfrachten dich in ein lärmendes Ding, setzen dir Essen vor, wenn ihnen gerade danach ist, regen sich absolut unvorhergesehen darüber auf, wenn du einen Raum betreten oder eine Treppe erklimmen willst. Du kennst die Umgebung draußen nicht und bist wortwörtlich durch eine Leine an sie gebunden.
Was würde dir helfen?
Jemand, der dich permanent "wegschickt" / "abwehrt"? (Du weißt ja nicht, dass er es eigentlich gut meint und gerade versucht, dir die Hausregeln klarzumachen) Jemand, der ganz viele Regeln einfordert, die du nicht kennst?
Oder jemand, der dich erstmal neben sich laufen lässt, dir so alles zeigt? Von dem eine ruhige Ausstrahlung ausgeht. Jemand, der offensichtlich versucht, deine Sprache zu sprechen und dich abzuholen?
Antwort klar?
Dann nimm deine Verantwortung noch weiter ernst (das hast du ja schon durch die Meldung hier und den Wunsch, zur Hundeschule zu gehen) und informier dich. Lies Bücher zur Hundesprache. Währenddessen kann Stuart erstmal neben dir liegen und schlafen. Geh erstmal nicht zur Hundeschule. Lade dir stattdessen einen Trainer nach Hause ein. In allererster Linie für dich. Ganz in Ruhe darüber unterhalten, wo deine Unsicherheit liegt, was du dagegen machen kannst, welche BABYSCHRITTE! du anfangs gehen kannst und solltest.
Durch deine Ungeduld sorgst du gerade dafür, dass es dem Hund bei euch nicht wirklich entspannt gut gehen kann. Und dir auch nicht.
Behalte also lieber dein Ziel im Auge, dass es ihm gut gehen kann. Und dafür ist es nötig, dass er draußen und drinnen Zeit hat. Für jeden Minischritt. Viel schlafen, ruhige Runden draußen, im Prinzip nix von ihm erwarten. Gewöhnung dauert. Bei dir und bei ihm. Lass euch beiden die nötige Zeit. Das ist ein Prozess. Und je mehr du drängelst, je ungeduldiger du bist, umso schwieriger wird es. Und desto länger wird es dauern.
Wenn bei dir mal wieder die Ungeduld hochkommt: Denk an seine Situation. Du erwartest gerade von einem Hund, dass er besser mit einer Situation klarkommt, für die er sich nicht entschieden hat, über die er keine Kontrolle hat und die er komplett gar nicht versteht - als du von dir selbst erwartest. Und du hättest Bücher lesen, dich mit anderen unterhalten, mit anderen Hunden üben, ihn vor der Adoption zig Mal ausführen können. Du kannst jetzt Trainer anrufen, euch zur Hundeschule anmelden, ihn wieder loswerden, wenn es gar nicht klappt. Du kannst dich mit anderen unterhalten, hier schreiben.
Stuart kann all das nicht. Verantwortung, Macht, Kontrolle - liegt alles komplett bei dir. Und genau deswegen musst du die Ruhe bewahren. Du musst nur deine Ungeduld beherrschen. Er muss sich in einer komplett neuen Welt einfinden.
Und zu guter Letzt: Der Hund läuft euch drinnen nach? Freut euch! Er könnte auch erstmal ne Weile unter Tischen und Couch kauern. Aus Angst den Schwanz bis zum Kinn ziehen oder unter sich machen. Solche Probleme habt ihr erst gar nicht und damit einen viel besseren Start als einige andere.