Beiträge von straalster

    Danke, aber ich finds verrückt. Würde ja heissen dass grosse Menschen eine andere Puls- und Atemfrequenz haben müssten als sehr viel kleinere.

    Haben sie ja auch.

    Nur so zum Beispiel und im Extrem(weil ich das noch auswendig weiß):

    Säugling: Ruhepuls bis 140 /min
    Erwachsener: Ruhepuls bis 70 / min

    Genauso haben Mäuse einen deutlich schnelleren Herzschlag als ein Elefant oder Blauwal.
    Wenn ich mich gerade nicht vollkommen irre, liegt das an den engeren Gefäßen. Je enger, desto höher muss der Druck sein. Und je höher der Druck sein muss, desto schneller schlägt das Herz. Halt wie beim Bluthochdruck. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht. Ich hab das bisher so hingenommen.


    Kann man sich aber vielleicht am ehesten wie bei einem Strohhalm vorstellen. Je dünner der Halm, desto kräftiger muss ich daran ziehen, um Flüssigkeit durchzuziehen.

    Erstmal deutliche Worte, weil ich die angebracht und nötig finde:


    Für mich passt bei deiner Beschreibung einiges nicht zusammen. Angeblich schon seit Monaten nicht mehr ohne Leine. Aber bei den Eltern dann doch wieder und das mehrfach (denn er ist ja "teilweise über eine Stunde weg")? Hund kann nicht schnell laufen aber euch entkommt er doch immer wieder? Dann kann er ja so langsam nicht sein, oder?

    Und obwohl ihr ja vorher merkt, dass er in den "Tunnel" kommt und nicht mehr ansprechbar ist?! Selbst bei Vorwarnungen wie Kreislaufen usw. bleibt der dann ohne Leine? Aber ihr macht euch Sorgen?! Und das alles klingt nicht nach ein bis fünf Mal passiert. Sondern, als wäre das schon Usus.


    Und nun zum Konstruktivem:

    1. Stell dir das von außen vor. Da läuft immer wieder ein Hund alleine rum. Eventuell belästigt er euch. Vielleicht machst du dir auch einfach Sorgen. Was erwartest du von dem Halter? Sichern, anleinen, bei sich behalten?

    2. Stell dir vor, mein Hund ist aggressiv aber mal ehrlich - ist doch kein Hundeleben nur an der Leine. Also lass ich den los. Oder mein Hund ist blind oder taub - aber immer an der Leine ist ja doof. Fändest du das in Ordnung? Dein Hund geht an der Leine nicht kaputt. Spaziergänge mit viel Abwechslung, über Hindernisse hüpfen, schnüffeln lassen, mal schneller laufen, Spuren legen oder Dummyarbeit bringt Abwechslung. Leine nur in absolut abgesicherten Gebieten (das heißt ausbruchsicher eingezäunt) abmachen. Das geht. Das muss kein Einschnitt sein.

    3. Es kann sein, dass dein Hund trotz jahrelangem Training nie ohne Leine verlässlich abrufbar sein wird. Nie. Hunde können das wunderbar unterscheiden. Leine dran = komm ich ja eh nicht weg. Also kann ich mir auf Abruf auch das Leckerli abholen. Leine ab = ich geh dann mal wirklich Spaß haben und pfeif auf Leckerlie.
    Kannst du damit leben? Kannst du dich so anpassen, dass der Hund gesichert bleibt und das Beste daraus machen?

    4. Ziehen bei euch alle an einem Strick? Oder ist zu befürchten, dass andere ihn wieder von der Leine lassen werden, wenn du nicht dabei bist?

    5. Kannst du deine Einstellung ändern?:

    es ist einfach kein tolles Hundeleben diese Natur an der Leine erleben zu müssen

    Das ist meiner Meinung nach Blödsinn. Wenn die Leine positiv verknüpft ist, ist das weder Einschränkung noch Strafe. Wenn wir gemeinsam die Natur entdecken, was Neues kennen lernen, durch die Gegend streifen - dann brauchen wir keinen Abstand von 20 Metern oder mehr. Und entweder machen wir das gemeinsam oder zumindest zusammen oder ich lasse meine Hunde halt stiften gehen. Alles bis auf das Stiften gehen funktioniert auch super mit Schlepp- oder Flexileine.

    Sucht euch einen guten Trainer, der Abhauen an sich nicht für in Ordnung befindet. Findet euch mit dem Gedanken ab, dass er vielleicht nie ungesichert unterwegs sein kann. Oder, wenn ihr das nicht könnt, zieht die Konsequenz daraus und sucht Halter, die das können.
    Es gibt Hunde, bei denen wird das leinenlos nie gehen - egal, wie viel Arbeit reingesteckt wird. Wenn das für dich/euch, kein Hundeleben ist oder ihr einfach nicht damit leben wollt / könnt, dann zieht lieber jetzt als später die Bremse.

    Ich würde gerne sagen, du bemühst dich ja, das wird schon - aber im Eingangspost: "Anleinen ist kein Hundeleben". Dazu "er macht das seit Ende letzten Jahres" und als erster Hund ein Aussi mit unbekannter Vorgeschichte.

    Und das Abhauen läuft jetzt so seit mindestens einem halben Jahr - denn er wird von dir ja erst seit zwei Monaten nicht mehr abgeleint. Außerdem kommt er "nass" zurück. In den Bergen? :???:

    Das klingt so, als wärt ihr der Sache nicht gewachsen und zu unüberlegt rangegangen. Also entweder sucht ihr euch einen ordentlichen Trainer und ändert einiges radikal. Oder ihr sucht neue Besitzer.

    Klingt gemein und hart. Aber ich hab schon für "Hund war mehr als einmal länger als ne Stunde allein unterwegs" absolut kein Verständnis. Da sollte auch beim Ersthund klar sein, dass es verantwortungslos ist.

    Den Einwand bzgl OP usw. verstehe ich . Das ist jedoch, gottseidank, ja eher ein Ausnahmefall. Evtl, wenn es wirklich gar nicht anders geht, kann man zu dem Zeitpunkt dann ja so etwas anbieten. Aber generell zum Erlernen der Stubenreinheit... leuchtet mir das nicht wirklich ein.

    Da kann ich mich jetzt bei meinem Rüden auf den Kopf stellen, der geht drinnen nicht. Der hält ein.

    Und wie von mir beschrieben - wenn der Hund das von Vorbesitzer oder Züchter kennt, macht es ein Pad das tatsächlich einfacher. Dann suchen die eben nicht die hinterste Ecke und man muss hinterher, sondern sie bewegen sich Richtung Pad und man kann sie auf dem Weg dahin schnappen und rausgehen. Also tatsächlich nicht komplizierter, als anfangs eben sehr genau aufpassen. Eher im Gegenteil.

    Und wenn es doch mal aufs Pad geht, ist das besser als irgendwo in der Wohnung - denn auf dem Pad fällt es schneller auf und dann weiß ich, ich muss häufiger raus, Zeiten anpassen o.ä.

    Gleichwohl würde ich von Pads abraten - die sind einfach Wohnungsuntergrund zu ähnlich.


    Deswegen empfahl ich ja, die in eine flache Katzentoilette zu legen. Sodass sie eben nicht mit Teppich oder Badvorleger verwechselt werden.


    Und der Eindruck, dass es bei Klein- und Kleinsthunden tendenziell länger dauert, ist eben mein Eindruck aus meiner Erfahrung. Kann ich wissenschaftlich nicht begründen. Ich kann aber auch gerade nicht begründen, warum Kleinsthunde schneller unterzuckern. Schnellerer Stoffwechsel? Zu viel oder schlechte Zucht? Warum schlägt bei kleinen Lebewesen das Herz schneller? Warum können manche Säugetiere Winterschlaf machen und ich nicht? :ka:

    Die Großen bei mir, egal woher - eine bis zwei Wochen bis zur "Unfallfreiheit". Das Aushalten nahm auch schnell in der Dauer zu. Die kamen auch nicht häufiger raus als die Kleinen und ich war da auch nicht "mehr hinterher".

    Die Kleinen:

    Rüde: Kannte bis zum Einzug nur draußen. 2 Tage bis zur perfekten Stubenreinheit.

    Hündin: Kannte vom Zuhause davor draußen und drinnen. 6 Monate bis es soso lala klappte. Trotz "Hundeklo" mit ausgestochenem Rasen - das hat sie nie benutzt. Und es war das typische, sofort nach dem Aufstehen, fressen, spielen, wenn sie unruhig wird... rausgehen. Genau wie bei den Großen. Hat trotzdem gedauert.

    Hündin: Kannte draußen nicht aber Pads drinnen. Es war erst einmal eine Umstellung bis sie begriff, dass draußen pinkeln auch möglich ist. Sie zeigt aber nicht an. Das heißt, sie läuft und zack: pinkelt, teils noch im Laufen. Als ich die Pads dann doch hier hingelegt habe, hatte ich zumindest den Anhaltspunkt: Hund läuft zum Pad = muss mal = ab und raus, bevor sie da drauf pinkeln kann.

    Rüde - Draußen und drinnen beim Vorbesitzer. Mit 12(!!!) Monaten stubenrein. Trotz häufigem Rausgehen von Anfang an. Aber länger als ein bis zwei Stunden aushalten war lange Zeit nicht drin.

    Hündin - beim Züchter draußen und drinnen. Aller zwei Stunden angezeigt, dass sie mal muss. Und sie musste dringend und viel. Übrigens komplett mit Trockenfutter ernährt und kein Vieltrinker. Also theoretisch schon stubenrein, nur eben Hochfrequenz-Pinkler.


    Ob das jetzt an der Größe, dem Stoffwechsel, durch Zucht entstandene Probleme liegt - keine Ahnung. Und meine Erfahrungen sind bestimmt nicht repräsentativ aber zeichnen schon ein deutliches Bild, wie ich finde.
    Auf jeden Fall musste ich mit den Kleinen anfangs deutlich häufiger als mit den Großen.

    Nachtrag:

    Ich find es potentiell gefährlich, die medizinischen "Schubladen" zu verurteilen. Natürlich steckt darin ein Missbrauchs-Potential: "Hat halt die und die Störung/Krankheit, was willste machen?!" Es gibt auch viele, die sich hinter vermeintlichen Diagnosen verstecken.

    ABER: Das "Jaja, jetzt ist jedes Verhalten außerhalb der Norm plötzlich ne (eingebildete) Krankheit"-Denken, birgt auch Gefahren.

    Depressionen - "Jeder hat mal schlechte Tage und ist mal traurig - reiß dich halt zusammen."

    Endometriose - "Schmerzen hat doch jeder / nach dem ersten Kind wird's besser / hab dich nicht so!"

    Wochendbettdepression - "Wie kann man nur sein Kind nicht sofort lieben und stattdessen heulen?!"

    Suizidale Gedanken - "Der will doch nur Aufmerksamkeit."

    Angststörungen und Panikattacken - "Die wollen Aufmerksamkeit, reagieren völlig übertrieben, müssen sich halt mal beherrschen."

    Legasthenie und Dyskalkulie - "Die sind faul und müssten nur mal mehr lernen!"

    Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizit - "Falsche Erziehung, falsche Behandlung/Haltung, muss sich halt zusammenreißen, diszipliniert werden, früher wurde mit so einem Zappelphilipp dies und jenes gemacht..."


    Genau diese Einstellung sorgt oft dafür, dass Menschen sich für Krankheiten, Störungen und Probleme schämen, nicht darüber reden möchten und sich damit allein, hilflos und falsch fühlen. Sei es, weil sie selbst betroffen sind oder weil sie vermeintlich Kinder und Tiere nicht richtig erzogen haben.

    Das ist also auch nicht das Wahre. Und vielen hilft es schon, wenn sie für das Problem endlich einen Namen/ eine Diagnose haben und danach gezielt Lösungen suchen können.

    @Marion07: Du hast zwar nur nach Arbeitszeit gefragt aber du vergisst dabei scheinbar Fälle, die bei einem 8-jährigen Hund durchaus nicht unrealistisch sind.

    Ich fänd auch 8 Stunden Arbeit unproblematisch - er kann sich ja draußen lösen, wenn er in dem "Sommerhaus" ist. Wenn davor und danach Beschäftigung und Anschluss gegeben sind, warum nicht?

    Aber in deinem Fall geht es eben nicht um die Arbeitszeit. Seid ihr wirklich 4 Stunden draußen, jeden Tag? Auch bei Sturm, Regen, Schnee, Frost? Das ist keine Unterstellung, sondern eine ernst gemeinte Frage. Denn es gibt durchaus Menschen, bei denen das so ist. Die nächtigen auch bei sonstwas für Temperatur und Witterung bei den Tieren. Aber könnt ihr das mit Kindern im Krankheitsfall schaffen und realisieren? Absolut immer?

    Es kann, gerade bei älteren Hunden immer mal noch eine Krankheit dazu kommen, die eine engere Kontrolle erfordert. Geht deutlich einfacher, wenn man im Haus quasi nebenbei ein Auge drauf haben kann oder sowieso den Tag über draußen verbringt und nicht im Stundentakt extra dafür rausgehen muss. Gerade, wenn man eben im Haus auch noch jemanden versorgen und darauf aufpassen muss.

    Dazu muss auch genau geschaut werden, ob der Hund/die Hunde passen.

    Das geht alles! Die Frage ist aber: Geht das bei euch? Und wie sieht es im Notfall aus?

    Als Notfalllösung: Ja, definitiv. Ich hab mich da bei meiner jetzigen Hündin anfangs sehr drüber geärgert, dass sie das bereits kannte und die Umstellung von Welpenpads auf Löserunden draußen mir zunächst schwieriger erschien.

    Aber:

    1. Sie zeigte nicht an. Lief sie zum Pad - schnappen und raus gehen, damit sie draußen pinkelt - das war einfacher als ihr auf Schritt und Tritt zu folgen oder ständig zu wischen.

    2. OPs - einmal krasse Schulter-OP, einmal "nur" Arthroskopie und beides im Winter - Hund halb kahl rasiert, klein, unter einem Jahr, wenig zuzusetzen - diese Pads und ihre Gewöhnung daran waren super. Sie fing an vor Kälte zu zittern, sobald wir rauskamen, trotz dem Schutz, der möglich war (anziehen war aufgrund der Naht sehr kompliziert) bewegen zum Warmwerden ging auch nicht, sie durfte und könnte ja zunächst nur langsam laufen. In den ersten zwei Wochen nach der OP wäre das ohne Pads eine Qual gewesen.

    Deswegen eben: Lösung für den Notfall. Nicht dauerhaft und immer. Sondern für den Fall der Fälle.

    Bei meiner Seniorin hatte ich ein Notfallklo auf dem Balkon.

    Bei meinem Rüden hätte ich mir das nach dem Bandscheibenvorfall gewünscht - denn Tragen war für ihn unangenehm. Wir müssen aber aus dem Dachgeschoss runter. Laufen ging auch mehr schlecht als recht. Und das Ganze dann bei über 30 Grad. Da wäre für die erste Woche eine nähere Toilette deutlich angenehmer gewesen.


    Bei Kleinhunden und Kleinsthunden habe ich generell die Erfahrung gemacht, dass die Stubenreinheit länger dauert im Vergleich zu den Großen. Ausnahmen gab es auf beiden Seiten. Ist ja nun einmal individuell. Aber die Tendenz empfinde ich sehr deutlich.

    Fragen, die du bedenken solltest:

    Wie viel Zeit verbringt ihr bisher draußen? Wirklich draußen?

    Könntest du notfalls draußen beim Hund übernachten? Auch im tiefsten Winter? Auch für mehr als eine Nacht?

    Können andere Menschen an den "eigenen Platz" deines Hundes? Ihn also stören, klauen, vergiften?
    Kannst du diesen Platz gegebenenfalls anpassen? Stärkere Isolierung, Wärmelampe, besserer Boden, andere Absperrung, etc. pp.?

    Wie heiß wird es da im Sommer?

    Wie sieht es im Krankheitsfall aus? Hund hat Magen-Darm bei -15°C. Wie sieht das mit Versorgung, Reinigung der Unterkunft und Betreuung aus? Hund bekommt Anfallsleiden und benötigt Betreuung - was macht ihr dann?
    Hund braucht OP und ist dadurch mitten im Winter mehrere Tage drinnen. Danach ist die Gewöhnung ans Kalte futscht. In die Wohnung darf er aber nicht.

    Ich hab generell nichts gegen Außenhaltung, wenn die Hunde wirklich Anschluss haben und im Zweifelsfall ordentlich versorgt sind. Mehrfamilienhaus mit "Sommerhaus" für den Hund wirft bei mir aber direkt sehr viele Fragen auf.

    Das ist noch einmal eine Ecke einfacher, wenn es auf dem eigenen Grundstück geschieht und notwendige Veränderungen problemlos vorgenommen werden können oder der Hund im Notfall einfach mal mit ins Haus kommt und da im Alter oder tiefsten Winter auch bleiben kann.

    Klingt in deinem Fall aber gar nicht so und du bist immens abhängig davon, was die Vermieterin erlaubt.

    Ist es eigentlich schlimm, wenn der Hund faul ist?

    Nur dann, wenn er dadurch nicht funktioniert wie gewünscht oder hinter der vermeintlichen Faulheit was anderes steckt. (Schmerzen, z.B.)

    Bei mir war das auch nur das Beispiel für eine oftmals verkannte und abgewertete Verhaltensweise/Charaktereigenschaft - bei der man selbst aus der Verantwortung raus ist.

    Wenn ich sage: Der ist halt faul. Dann macht der das ja sozusagen mit Absicht. Dann könnte er, wenn er denn wöllte. Wenn er aber unter- oder überfordert ist, Schmerzen oder sonstige gesundheitliche Probleme bestehen, dann muss ich als Halter tätig werden / mache bisher was falsch.


    Ich hab schon öfter erlebt, dass Hunde bei 30°C "faul" sind - weil sie nicht neben dem Rad herrennen wollen. Eindeutig ein Disziplinproblem beim Hund.
    Nicht über Hindernisse springen, plötzlich stehen oder liegen bleiben, sehr langsam laufen - alles Faulheit. Bis dann eventuell mal Probleme im Bewegungsapparat, Sehschwierigkeiten oder die Hitze berücksichtigt werden... Und dann sind medizinische Schubladen als Ausgangspunkt gar nicht so schlecht.

    @straalster
    Ich gebe dir in weiten Teilen recht.
    Beim Namen nennen ist oft nicht schlecht.
    Was ich befürchte ist der Stempel oder die Schublade und gleichzeitig eine Befreiung von eigenem Tun und Abgabe von Verantwortung.

    LG, Friederike

    Und das passiert sehr oft, keine Frage.
    Warum gibt es bei Menschen seit 2010 die neuen Leitlinien? Weil genau das passiert ist. Kind hat bestimmt, wahrscheinlich, vermutlich AD(H)S - her mit dem Ritalin! (überspitzt gesagt) Andere Möglichkeiten wurden eben von vielen nicht versucht, weil die mehr Aufwand bedeuten als jeden Tag ne Tablette reinzustopfen.

    So wird das vermutlich auch noch ne Weile bleiben, weil viele Menschen lieber die einfache "Lösung" möchten. Das bedeutet eben Verantwortung abschütteln, anstelle potentiell schmerzhafter Selbstreflektion und Änderung.

    Ich finde es dennoch nicht grundlegend schlecht, dass es die medizinischen Schubladen gibt. Denn in diesen Schubladen gibt es auch ne Menge Positiv-Beispiele, Behandlungsmöglichkeiten und immer wieder neue Erkenntnisse - und die kann man den Leuten mit Ausreden vor den Latz knallen und damit Ansichten und Einstellungen ändern. So z.B.:

    Ehemalige Nachhilfe-Schüler von mir. Ich war spezialisiert auf Legasthenie und Dyskalkulie. Wirklich, wirklich clevere Kinder - die sogar von den Lehrern wegen ihrer "Blödheit und eingebildeten Krankheiten" gemobbt wurden.
    Aber sobald ich mit den Erfolge hatte (weil abgestimmte Methoden) und mich mit den Lehrern hinsetzte, um mal zu schauen, was denn schon versucht wurde, Studien vorlegte, Erfolge präsentierte - hmmmmm. Da ging das mit dem "die sind halt zu doof und zu faul" plötzlich gar nicht mehr so gut. Da musste eingesehen werden, dass hier eine Störung vorliegt, mit der sich aber extrem gut umgehen lässt.


    Und dieses Vorgehen hilft oft. Umso besser, je klarer die "Diagnose" ist. "Ihr Hund ist hyperaktiv? Oh, wie haben Sie das denn bemerkt? Wie kam die Diagnose zustande, wie managen sie das? Was haben Sie schon versucht? Da lässt sich ja sehr viel machen!" Wer das als Ausrede benutzt sagt: "Da kann man nichts machen". Wer wirklich hinterher ist, zählt vermutlich Maßnahmen auf. Die Schublade macht es mir als Außenstehender einfacher, darauf einzugehen und hier und da was zu ändern. Darüber darf natürlich nicht vergessen werden, dass jeder individuell ist. Aber das Vergessen der Individualität geschieht auch ohne medizinische Schublade.

    Wie gesagt, meine Hündin hat per definitionem eindeutig ADHS-Züge. So wie alle Menschen Züge von irgendwas haben (Narzissmus, Co-Abhängigkeit, Impulskontrollstörung, Suchtverhalten oder Zwänge...). Das heißt nicht, dass sie leidet. Das heißt nicht, dass sie eine Störung hätte. Es ist eben einfach eine Ausprägung. Und mit dieser muss ich anders umgehen, als mit meinem Schlaftabletten-Rüden. Und aus dieser Ausprägung ziehe ich auch Positives. Madame ADHS-Eichhörnchen bekommt alles mit. Sie kann multitasken. Sie hat verdammt viel Energie. Ich muss es eben nur in die richtigen Bahnen lenken. Wie immer im Leben....