Beiträge von straalster

    Aber wieso muss man einräumen, dass er nicht alles falsch macht?


    Versetz dich doch mal in die Lage eines Fans. Du glaubst an das Vermittelte. Du verhältst dich danach. Und dann kommt jemand und sagt: "Was dein Vorbild da anstellt, ist der hinterletzte Kack. Der macht nichts aber auch nichts richtig!" Magst du dich weiter mit dem unterhalten?

    Meiner Meinung nach macht er auch nicht alles falsch.

    Das macht sein Konzept an sich nicht richtig. Das stimmt. Das sage ich ja auch gar nicht.

    Aber die Einstellung (=das und jenes finde ich durchaus positiv ABER...) bereitet eine Gesprächsgrundlage mit denen, die ich erreichen kann.
    Natürlich kann das als Gütesiegel verstanden werden, wenn ab dem ABER alles unter den Tisch fallen gelassen wird. Ist immer so. Sobald man den Mund aufmacht, kann das sehr falsch ausgelegt werden. Hab ich auch hier im Forum schon erlebt. Da rede ich von fremden=mir nicht bekannten Menschen/Lebewesen und werde zwar nicht wörtlich aber dennoch als Nazi betitelt.

    Aber mit "Ihr Vorbild lehne ich grundsätzlich komplett ab und Sie damit auch" erreiche ich doch erst recht nichts. :ka: Außer Abwehr.
    Ich hab dann vielleicht politisch korrekt meinen Poppes in trockenen Tüchern aber eben auch keine Chance mehr, irgendwas zu ändern oder mal einen Denkanstoß zu geben. Ich verhärte die Fronten nur weiterhin.

    Um noch deine andere Frage zu beantworten, @Das Rosilein - eigenes Gefühl aber hauptsächlich der Dicke. Er ist ein echt entspannter Hund. Daher auch der Kosenname "Schlaftablette". Der macht richtig viel mit und wenn der sagt "bis hier hin und nicht weiter", dann liegt aber mal richtig was im Argen.


    Ich habe Nachbarn, die mal auf mich zukamen. Selbst Hundehalter. Große Fans von CM. Und zu dem Zeitpunkt des Gesprächs war ich schon längst wieder von dem Rudelführergedöns weg. Aber sie sind eben so aufgewachsen, dass der Mensch das "Rudel" führt. Zudem gehen Tiere auf den Möbeln gar nicht - Weltherrschaft und so. Nett mit den Tieren umzugehen war laut ihnen grundsätzlich falsch. Bewegung war Belohnung - auch falsch.
    Aber sie merkten ja, dass das trotzdem bei uns lief und läuft und haben eben mal nachgefragt, wieso meine Hunde so toll sind - obwohl ich alles falsch mache. (Sie wollten mir glaube ich zunächst nur mitteilen, wie viel Glück ich doch habe, dass meine Hunde toll sind - obwohl ich alles falsch mache)

    Auch da war der tolerante Umgang mit CM und ähnlichen Theorien sehr hilfreich. Ansonsten hätte ich mich nach der ersten Ansprache von denen glaube ich sehr pissig gefühlt. Schließlich mach ich ja alles falsch.
    Aber so konnte ich eben entgegnen, dass CM den und den Ansatz wirklich gut erklärt - aber dann auch meiner Meinung nach unnötige Risiken eingeht, unnötigen Stress bereitet, manches übereilt. Oder auch, dass er ja ebenfalls individuell vorgeht - bei dem Hund das, beim anderen das (stimmt nicht so ganz aber es wirkt ja auf viele so als ob). Und das ich eben einen passenden Weg für uns gefunden habe. So ganz ohne Unterwerfen und Rudelführer.

    Mittlerweile gehören sie zu meinen liebsten Nachbarn. Nach vielen Gesprächen.

    Ich bin ihnen dankbar dafür, dass sie mir zugehört haben. Aber das wäre wohl nicht passiert, hätte ich nach der Erwähnung von Rudelführer und CM dicht gemacht.

    Bei den Anhängern, Befürwortern und Fans stellt sich das allerdings anders dar. Sie sind eben überzeugt und ziehen ihr Konzept durch. All das, was dagegen spräche, wird ausgeblendet. Und mich hat interessiert, ob Du hier schon erfolgreich Überzeugungsarbeit hast leisten können.

    Ja. Nicht in Massen aber in mehreren Einzelfällen.

    Manche fühlen sich als "Rudelführer" beschissen und brüllen deswegen ihren Hund noch ne Runde lauter an (vielleicht hilft es ja, aggressiver und lauter zu sein). Aber sie haben es eben so gelernt und CM bestätigt und bei anderen klappt es doch auch... Wenn ich dann Alternativen bieten kann, ohne das Konzept anzugreifen, dann gibt es bei manchen ein Umdenken. Wenn ich ganz klar sage "Hey, das und das finde ich auch gut aber ich hab was gefunden, das noch besser funktioniert" dann hören einige zu. Nicht jeder. Aber einige.

    Jo, einer davon ist Respekt vor dem Tier, es da abholen wo es steht, ihm ein anderes Verhalten aufzeigen und das gewaltfrei.

    Es gibt übrigens auch Bücher von der Dame, die sehr empfehlenswert sind.

    Das meinte ich gar nicht- ich meinte die Wirkung. Ich kenne und mag sie, wobei ich auch bei ihr einiges kritisch sehe.

    Ich meinte einfach nur die Wirkung der Videos und ihrer Erzähl- und Erklärweise.

    Hhhm. Hattest Du schon einmal Erfolg damit?"Anhänger" und "Nachahmer" ... also ich habe eher den Eindruck, dass ist eine Klientel, für die ist der Vorturner eigentlich beliebig austauschbar. Man sucht sich den aus, der die meisten Überschneidungen der eigenen Denke bietet (ist das nicht eigentlich immer so?). Alles andere wird aussortiert.

    Vll. könnte man für einen CM (wie gesagt, beliebig austauschbar) noch anführen, dass das Zielpublikum dann wenigstens einer gewisse Linie, Kontinuität folgt. Das wäre dann immer noch besser, als "Dominanztheorie" (mehr als Platzhalter) willkürlich und unberechenbar aus dem Bauch heraus oder nach Sonnenstand. Das wird das Hundeleben nicht glücklich machen, aber für den Hund zumindest berechenbarer.

    Ja, nach einer Rückwandlung von mir. Das wird jetzt gleich bestimmt eine Textwand - aber ich möchte es gerne so umfassend wie möglich beschreiben.


    Ich bin lebenslang umgeben von Tieren. Erst in der Familie damit aufgewachsen, dann sehr früh eigene. Ich hab auch als kleines Kind schon immer das Talent gehabt, ausgesetzte Vierbeiner aufzuspüren und mit Problemtieren hatte ich nie ein Problem. Durfte zum ersten Mal alleine raus - Hund im Anschlag (der ist mir tatsächlich nachgelaufen). Einmal um den Garten gelaufen, vier Katzen gefunden (verletzte Mutter mit drei Kleinen).
    Ich war ein sehr ruhiges und ängstliches Kind und meinen ersten eigentlich kindertypischen "Aufstand" hatte ich, als Tiere verteidigt habe. Meine Mutter erzählt mir heute noch, dass sie davon so geschockt war, wie noch nie in ihrem Leben bis dahin oder seither.

    Ich sah Tiere als meine Freunde. Die hatten nur eben ein paar Haare mehr als Menschen und ich musste ihnen erklären, wie das in der Menschenwelt läuft.

    Dann kam einige Jahrzehnte später eine Lebensphase, in der ich mich selbst stark bezweifelt habe. Ich war überfordert von einigen Sachen und unglücklich. Und in der Phase kam CM.
    Ich muss ja nur dies, dann wird das schon. Ich muss ja nur jenes, dann wird alles besser. Meine Tiere werden glücklicher und bekommen endlich die Führung, die sie brauchen.
    Ich war von den Sachen, die ich bis dahin von ihm gesehen hatte, beeindruckt und sah darin eine Lösung. Joah. Hab ich nicht lange versucht, denn:

    1. Ich hatte dabei teils ein schlechtes Gefühl. Obwohl ich nie an der Leine gerissen oder einen Hund zum Aufgeben gezwungen habe. Aber allein das Drängeln, Zwingen und die komischen Konfrontationen...

    2. Dann dieses "Hund darf nie zuerst durch ne Tür" und ich geh immer voran. Das ergab bei mir keinen Sinn. Die haben auch nachdem sie zuerst durch Türen oder vor mir gelaufen sind nicht die Weltherrschaft an sich gerissen und ich finde es sogar besser, wenn sie vor mir laufen. Kommt eine Gefahr von vorn, dann sehe ich die und kann reagieren. Kommt eine von hinten, sehe ich die nicht aber ich stehe zumindest schon mal zwischen Gefahr und Hunden.

    und
    3. mein Dicker hat mir die Mittelkralle gezeigt. Das war der ausschlaggebende Punkt für mich.


    Danach hab ich CM auch verurteilt und mit ihm alle, die den toll finden.
    Damit kam ich natürlich überhaupt nicht bei seinen Befürwortern an.

    Aber ich hab mich auch wieder reflektiert und relativiert. Und dann kam ich mit Leuten ins Gespräch. Viele wissen es einfach nicht besser. Viele erhoffen sich, dass es ihrem Hund dann besser geht als bisher.

    Andere rechtfertigen damit ihre Gewalt - keine Frage. Das sehe ich auch so.

    Aber selbst wenn ich mir die Halter in den Episoden anschaue - die wirken nicht immer wie "Jetzt kommt der CM und der drillt euch mal ordentlich in den Gehorsam!" Die sind meiner Erinnerung nach häufiger hilflos, finden das Rucken nicht gut, haben Angst um ihren Hund, haben Vorbehalte und scheinen sich in einigen Fällen zugleich schuldig zu fühlen.

    Ich möchte nochmal klar stellen: Vieles finde ich nicht gut, einiges katastrophal noch mehr aber unüberlegt und selbstüberschätzend. Ich heiße die Gewalt nicht gut. Ich sehe ihn auch kritisch.
    Aber Fakt ist nun einmal, dass er viele Anhänger und Nachahmer hat und ich möchte diese sowohl verstehen, als auch in meinen begrenzten Möglichkeiten mit ihnen reden und Umdenken anstoßen können.

    Das kann ich aber nur dann, wenn ich das Konzept wirklich kenne und einräumen kann, dass er nicht alles falsch macht. Und ich nutze ihn wirklich für mich als Lernmöglichkeit.
    Der bietet ganz oft die Möglichkeit, etwas mitzunehmen - sowohl in Hinblick auf Hunde als auch auf Menschen.

    Aber ich kann halt nix lernen, wenn ich nur mit dem erhobenen Zeigefinger deute und sage "Das ist Scheiße". Ich muss danach auch selbst nachdenken und für den jeweiligen Kontext eine Lösung finden.

    Das ist wiederum mit mehr Aufwand verbunden als dreiminütiges Video anschauen, Kontext nicht kennen, verurteilen. Und dann nicht nur CM verurteilen, sondern auch jeden, der sich damit beschäftigt.

    Zur Gewalt: Lehne ich ab. Ich lehne auch die "Erziehungsmethoden" ab, die mir als Kind zugestoßen sind. Ich lehne meine Eltern deswegen nicht ab. Ich kann verstehen, dass meinte Eltern meinten, sie tun das Richtige und manchmal einfach keine Ahnung hatten. Die sind halt den "gängigen Fahrplan" gefahren, der sich aus der dem damaligen Zeitgeist und den Gegebenheiten, ihrer Prägung oder kurz gesagt aus ihrer Vorstellung von "das macht man so" zusammensetzte.

    War deswegen alles in meiner Kindheit schlecht? - Nope.
    Aber ich kläre sie trotzdem jetzt lieber auf und sage auch deutlich: "Das fand ich gut, das fand ich furchtbar." als einfach zu sagen "ihr habt Gewalt angewendet - und tschüss"