Beiträge von straalster

    Aber, und das ist eine wirklich ernst gemeinte Frage: kann sich jemand, der selbst noch nie eine Behinderung hatte, wirklich vorstellen, wie es ist, im Rollstuhl zu sitzen?
    Welche Probleme es da im Alltag gibt, welche nicht? Was derjenige leisten kann und was nicht?
    Das, was man sich da zusammenreimt, basiert ausschließlich auf Hörensagen, möglicherweise Beobachtungen aus dem bisherigen Leben, aus dem, was man so liest oder im Tv sieht. Daraus formt man sich ein Bild im Kopf und macht es zu seiner persönlichen Wahrheit.

    Ob Behinderung oder Krankheit, ob physisch oder psychisch - keine Erfahrung ist für jeden Menschen gleich. Allein schon Depression erlebt jeder anders.
    Dennoch gibt es einige Faktoren, die sich nicht durch das persönliche Weltbild oder die persönliche Erfahrung einfärben oder wegwünschen lassen.

    Ein Rollstuhlfahrer benötigt länger, um zu wenden und damit wenn nötig anderen Hunden auszuweichen. Er kann auch nicht mal eben aufs Feld, um seinen Hund aufzuheben, wenn der grade mitten im Schlamm umgeknickt oder umgefallen ist. Dann würden nämlich beide festsitzen.

    Depression - hm. Kann der Mensch morgen, nächste Woche, nächsten Monat noch mit dem Hund raus, wenn es wieder schlimm wird? Oder hängt der Hund dann fest? Solange es ein soziales Netz gibt, wo das auffällt und abgefangen wird - alles iO. Aber ansonsten... Mag ich keinem Tier antun.

    Gibt nicht umsonst Therapietiere, Servicetiere mit spezieller Ausbildung, die so einiges abkönnen müssen - sonst werden sie für diesen Job nicht zugelassen. Aber die sind ja teuer.

    Ich - das soll keine generelle Empfehlung, sondern einfach meine Meinung begründet auf den vorhandenen Infos, sein - würde den größten Knubbel und gegebenenfalls damit verbundene Tumore entfernen und untersuchen lassen.

    Danach kannst du immer noch schauen, was, wie, wo. Was ist es? Wie schnell wächst es? Wie lässt es sich behandeln? Wo liegen die potentiellen Probleme/ Einschränkungen?

    Schlimmster Krebsfall bisher: Mammatumore.
    Nahmen eine Milchleiste nach der anderen ein.
    Start: mit 11 Jahren
    OPs wurden gut vertragen aber es war nicht genug Haut vorhanden, um alles bei einem Eingriff abzudecken. Also eine Milchleiste nach der anderen raus.

    Wir haben dazwischen mit unterstützenden Therapien zum einen den Hund gestärkt und zum anderen das Wachstum der Tumore hinausgezögert.
    Lebensqualität war in diesem individuellem Fall noch top. Gut gefressen, gerne gespielt, gerne Gassi gegangen.

    Es bringt aber dem Hund und dem Halter nichts, wenn er nicht weiß wie er seinen Hund versorgen soll

    Genau das wird gerne und oft vergessen. Die Versorgung im Notfall muss aber vom ersten Tag an gegeben sein, wenn ich für ein anderes Lebewesen verantwortlich bin.

    Und es klingt erstmal immer so nett, wenn ein physisch oder psychisch eingeschränkter Mensch ein Tier als Hilfe erhält. (speziell ausgebildete Tiere ausgenommen)

    Wird dann weniger nett, wenn der Mensch aufgrund fehlender Ressourcen / Hilfe den Bedürfnissen des Tiers gar nicht gerecht werden kann und sich damit noch hilfloser fühlt oder sich noch einen "das schaffe ich nicht (mehr)"-Schnitzer in den Bettpfosten machen kann.

    Weil das Bearbeiten nicht mehr geht und ich noch was nachtragen wollte:

    Einschränkungen, Gefahren und eventuell bekannte Vorgeschichte zum Tier zu verheimlichen find ich ebenso beschissen. Und ja, auch das kommt zur Genüge vor.

    Mehr als ein adoptierender Halter wollte einen gesunden, pflegeleichten Hund und bekam ein Überraschungsei mit zig Baustellen. Manchmal trotz umfassender Vorbereitung.

    Dazu möchte ich persönlich nicht beitragen. Ich möchte, dass es so gut wie möglich passt für beide Seiten. Das es ein "und wenn sie nicht gestorben sind"-Happy-End wird. Das beide Seiten Herausforderungen haben, die sie aber mit Halter/Tier meistern können. Und das sich kein Halter in der Situation wiederfindet: Wie soll ich das nur bewältigen??? Wie soll ich das bezahlen??? Muss ich mein Tier sterben/einschläfern lassen, weil ich was anderes finanziell nicht stemmen kann??? Muss ich mein Tier zurückgeben, weil ich etwas körperlich nicht leisten kann?
    Und oft genug entsteht so eine Situation aus "Ich weiß selbst am besten, was ich mir zumuten kann". Vielleicht, weil es jahrzehntelang so passte. Vielleicht, weil es mit dem aktuellen Hund so passt und man sich nichts anderes vorstellen kann.

    Dazu muss ich passend informieren, vorbereiten, auswählen und ja - auch ausschließen. Oder eben unschöner ausgedrückt: diskriminieren.

    Ich muss dabei aber auch im Hinterkopf behalten und realistisch bleiben:

    Jedes Tier, das zurückkommt, braucht einen Platz. Futter. Medizinische Versorgung. Sprich: Geld, Zeit und Raum. Aufwand, Arbeitskraft.

    Diese Ressourcen entstehen nicht auf magische Weise, wenn es dann doch nicht passt - obwohl der Adoptierende es doch so gut meinte...

    Vielleicht bin ich da auch sensibilisiert, weil ich ab und an (wirklich selten) mal Situationen bei psychisch Erkrankten einschätzen sollte. Eben: Passt da ein Tier?

    Und ich hab nicht einmal gesagt: "Nö. Passt gar nicht."

    Sondern: "Unter den aktuellen Rahmenbedingungen passt es nicht. Es könnte aber x, y, z versucht werden, um die Rahmenbedingungen passend zu machen."

    Oder auch. um die Eignung nachzuweisen. Dabei springen dann viele ab und ich frage mich, aus welchem Grund.

    Bei jedem Job ist es normal, dass ich ne Probezeit habe. Oder erstmal einen befristeten Vertrag.
    Beim Führerschein ist eine Probezeit auch normal.
    Bei Mietverträgen lande ich bei vorliegenden Vergehen auch schneller draußen, wenn ich da erst drei Monate wohne, als wenn der Vertrag bereits seit drei Jahren besteht.

    Nur bei der Verantwortung für Lebewesen scheinen Einschränkungen ein Affront zu sein.

    Bei der Vermittlung von Tieren diskriminiere ich so gesehen immer.

    Tier kann nicht mit anderen Tieren -> Menschen, die bereits Tiere halten oder weitere wollen werden ausgeschlossen.

    Tier kann nicht mit Kindern -> Kann nicht in Familien.

    Tier kann nicht mit Männern/Frauen/ abrupten Bewegungen / lauten Menschen / Stadt.... -> wird ausgeschlossen.

    Tier wird mal 60 kg schwer -> sollte nur an Menschen mit entsprechenden körperlichen Voraussetzungen, die nicht im 4.Stock ohne Aufzug wohnen.


    Bei Krankheiten, Behinderungen oder anderen Einschränkungen sehe ich das ähnlich. Wenn im Zweifelsfall jemand anderes einspringen kann und wird und das Tier zu der Situation passt - dann ist das kein Ausschlusskriterium. Anderenfalls eben schon.Wobei die Frage nach Versorgung im Falle von Krankheit, Urlaub und Unfall eben immer im Raum steht. Eine besondere Diskriminierung sehe ich da nicht - nur eine an den individuellen Fall angepasste Auswahl.

    Da es nun in anderen Threads auch noch einmal Thema war, wollte ich hier nochmal eine sachliche Diskussion anregen.

    Sind körperliche und/oder psychische Einschränkungen des Halters ein Ausschlusskriterium bei der Vermittlung? Ein No go?

    Ich handhabe es so, dass es kein generelles Ausschlusskriterium ist ABER es muss eine Absicherung geben. Ein soziales Netzwerk, das Tier und Halter im Fall der Fälle abfangen kann. Auf "ich will das aber / ich bekomm das schon hin / ich weiß es selbst am besten" verlasse ich mich nicht.


    Wie wäre oder ist das bei euch?

    Wir gehen einfach mal so zum Schnüffeln und Lösen.
    Mal gibt es Agility mit dem, was gerade da ist.
    Mal Zufallstreffen mit anderen Hunden - letztens war es zufällig ne reine Rüdenrunde, weil meine Hündin nicht mit raus wollte.
    Mal toben über Feldwege.
    Mal Kommandos üben.
    Mal Herausforderungen stellen (Herr Hund geht z.B. nicht gerne über Brücken)
    Mal um die Wette rennen.
    Mal gegenseitig jagen.


    Was ich nie mache:

    - Leckerli werfen. Die gibt es ausschließlich aus meiner Hand. Vom Boden wird nix aufgenommen (mir ist das Risiko zu groß, dass mal was augenscheinlich leckeres mit einem Leckerli verwechselt wird und ich nicht mitbekomme, dass die Hunde was Falsches aufnehmen.)
    - Am Handy lesen, schreiben oder telefonieren. Zum einen muss ich meine Aufmerksamkeit schon während der Arbeit an zig Stellen auf einmal haben. Da ist es für mich Entspannung, wenn ich mich einfach mal nur auf diese eine Situation konzentrieren kann - in dem Fall eben auf die Hunde. Zum anderen ist mir das auch wieder zu gefährlich. Das ist für mich wie Autofahren und nebenbei texten oder lesen. Wie schnell hat ein Hund was aufgenommen, folgt dann doch mal einer Spur und verschwindet innerhalb von Sekunden aus dem Blickfeld oder ein anderer Hund kommt angerast - muss ich nicht haben. Finde ich bei anderen auch fahrlässig und für das Umfeld nervig, wenn der Hund ohne Leine unterwegs ist und sich der Halter gerade in einen Artikel oder eine WhatsApp-Diskussion vertieft oder durch ein Telefonat abgelenkt wird.
    Fürs Handy am Steuer gibt es Strafen - wenn ich mir das Umfeld hier so anschaue, wäre das vielleicht auch mal ne Variante für manche Hundehalter...

    Natürlich gehört das Vermitteln zu der Arbeit. Allerdings wäre meine erste Wahl für ein Tier niemand, dem ich erstmal erklären muss, dass er sich vor der Anschaffung eines Lebewesens informieren muss.
    Oder, dass "Bauchgefühl" und "ich trau mir das aber zu" nicht ausreichen.

    Schämen oder sonstige negative Gefühle deswegen zu haben muss echt niemand.
    Ich finde es schlimm, wenn Tiere angeschafft werden, um ein Loch zu stopfen - sozusagen. Ohne, dass dabei die Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt werden. Und ohne, dass mal die eigenen Bedürfnisse unter die Lupe genommen werden.

    Aber zu sagen: Nach diesem Tier zieht keins mehr ein - ich will das Leben mal anders erleben oder mal wieder ganz frei sein, ohne Rücksicht nehmen oder planen zu müssen. Das find ich verständlich.
    Meins ist es halt (aktuell) nicht. Aber ich seh da keinen Grund zum Schämen.


    Mir hat mal jemand vorgeworfen, ich baue mir ein Gefängnis aus Tieren.
    Darüber hab ich auch ernsthaft nachgedacht. Mach ich das?
    Ich nehm meistens die Schwierigen, die die man auch bei Abwesenheit nicht mal eben jemandem anders überlassen oder in eine Pension packen kann (das braucht viel Vorbereitung). Unerwünschte Verhaltensweisen, Krankheiten, behindert, kein Vertrauen zu Menschen, depriviert. Von der misshandelten Katze bis zum Wurfmaschinen-Hund, der noch nie den Himmel gesehen hatte, sitzt hier ja einiges.

    Aber ich seh das alles nicht als Einschränkung. Schon gar nicht als Gefängnis. Ich find jeden Minifortschritt schön. Mir gibt das mehr, als es nimmt.

    Allerdings hab ich auch keine Lust mehr auf Fernreisen, Feiern und und und. Ich bin gerne langweilig. Ich gebe mich nicht nur irgendwie damit zufrieden. Ich bin damit glücklich.