@Alice.
Ich hab lange überlegt, ob ich so weit aushole.
Das Folgende ist nicht dazu gedacht, nachzutreten. Sondern dir noch eine Perspektive aufzuzeigen als Denkanstoß.
Auch wenn mein Avatar ein Wuschelhund ist, ich als Pflegestelle war spezialisiert auf (angst-)aggressive Tiere. Die Tiere, die schon auffällig waren. Alle vorherigen Halter hatten genau diese Einstellung: "Mein Hund war so gut erzogen. Der steht unter Kontrolle. Das habe ich nicht kommen sehen. Das konnte ich gar nicht kommen sehen. Der war noch niiie auffällig. Der andere ist schuld. Wäre der da nicht gerade... Ich hab schon so lange Hunde und nie davor!"
Das sagen übrigens auch Leute, deren Hund überfahren wurde. Hat doch so viele Jahre vorher geklappt, ohne Leine an der Straße langzulaufen.
Und da fehlt mir bei diesen Leuten jedes einzelne Mal das Bewusstsein für das eigene Fehlverhalten.
Das lese ich auch bei dir.
Du hast einen Hund ohne Halter gesehen. Sprich, der Hund lief nicht nur unangeleint an euch vorbei. Der hatte gerade noch nicht einmal einen Menschen dabei, der hätte eingreifen können. Und dennoch hast du deine Hunde nicht rangerufen und/oder gesichert.
Du hast allein damit nicht nur für deine Hunde die Hand ins Feuer gelegt, sondern auch für einen vollkommen fremden und diesem Moment herrenlosen Hund. Und ich schätze mal ein Teil davon kam durch "meinen kann nichts passieren" und ein anderer von "ich hab meine total unter Kontrolle".
Das dem nicht so ist, solltest du jetzt besser wissen.
So kommt das für mich aber nicht rüber, dass du das jetzt besser weißt.
Du bist wütend, frustriert und suchst nach wie vor die Schuld bei anderen Menschen und dem anderen Hund.
Warum war der BC ohne Leine, wenn der doch vermeintlich schon auffällig war?
Und dann ziehst du mit deinen Hunden ebenfalls wieder ungesichert los, nachdem sie getötet haben - machst also genau das, was du bei anderen kritisierst. Nur auf einer anderen Stufe. Reflektiert ist das nicht.
Ja, seit dem Bescheid / den Auflagen machst du das nicht mehr. Hätten die anderen vielleicht auch nicht, hätte es da Auflagen gegeben.
Aber schon allein mit dem Verlangen, deine wieder ohne alles rumlaufen zu lassen oder nur eine Verwarnung zu erhalten, sitzt du nach wie vor auf dem hohen Ross. Es müssen nur alle anderen immer korrekt handeln, dann passt das angeblich schon.
Dein eigenes fahrlässiges Verhalten willst du nicht wahrhaben.
Hast du dir schon mal überlegt, dass der BC vielleicht etwas wahrgenommen hat, das er als potenzielle Gefahr für seine 12-Jährige Halterin ansah und deswegen ankam? Dass er nur reagiert hat?
Bevor jetzt wieder kommt, dass die Eltern ach so unverantwortlich waren: Das Kind ist 12. Es kann und muss nicht 24 Stunden 7 Tage die Woche beaufsichtigt werden und kann sich ebenso den Hund geschnappt und auf eigene Faust losgelaufen sein. Hund und Kind einschließen, damit das niemals nimmer nicht vorkommt, funktioniert ganz schlecht / ist unrealistisch. Die Eltern können also so viel Aufklärung betrieben und zur Vorsicht gemahnt haben, wie sie wollen. Sie können sogar ausdrücklich verboten haben, dass Kind und Hund zusammen rausgehen. Ihnen für das Geschehene die Verantwortung und Schuld zuzuschieben enthebt dich nicht von deiner. Denn du warst da. Du hattest die Verantwortung für deine Hunde. Du hättest eingreifen können, bevor es so weit kam. Und dafür hättest du die besseren Chancen gehabt, wenn deine Hunde sich unmittelbar und gesichert neben dir befunden hätten. Das ist einfach so.
Das das schwer zu verdauen ist, ist schon klar. Der Fokus gehört aber eindeutig auf dich und was du in Zukunft machen kannst, um so etwas zu verhindern.
Ich hoffe auch, dass du aus dem Tod des Hundes aus deiner Jugend lernst, dass daran nicht der LKW-Fahrer schuld war. Sondern derjenige, der ihn ohne Leine laufen ließ.