Beiträge von Lagurus

    Es wird immer verschiedenen Ansätze geben, die alle funktionieren und fehlschlagen können. Oder die vielleicht nur nicht funktionieren, weil man sie falsch anwendet. Ich denke, über ein Forum wirst du das nicht lösen können. Da muss sicher auch ein ganzheitlicher Blick her und bei dem nicht nur alleine das Jagen betrachtet wird.

    Also ich arbeite auch bewusst damit, Teile der Jagdsequenz gerade beim normalen Gassi gehen zu verstärken, er soll mir Wild anzeigen und dabei Ruhe bewahren und sich umorientieren, er soll nur nicht hetzen. Das hört sich so nice an, Jagen zu verbieten beim Gassi gehen, ist nicht mein Weg. Ich würde es eher in gewünschte Bahnen lenken. Und ausleben lasse ich es in Form von buddeln und Mäuse fangen. Jagdersatzspielchen wie Dummy und Co... ich habs versucht, mein Hund lässt sich darauf nicht ein, Jagen unter menschlich eingeschränkten Spielregeln ist natürlich auch nicht so befriedigend wie echtes Jagen, er ist ja nicht doof. Aber für Hunde, die sich da gut drauf einlassen, eine super Sache. Mit viel weniger jagdlich motivierte Hündin lässt sich viel viel besser auf Jagdersatzspiele ein. Aber vorallem weil es für sie kein Jagdersatz ist, sondern eher eine lustige Beschäftigung mit Frauchen, wofür es Kekse gibt.

    Ich sag mal, ohne den Hund und alles drum und dran zu kennen, sind natürlich alle Ratschläge nur ins blaue hinein.

    Aber hier kam ja schon ein guter Tipp: Weniger Spazieren gehen im Sinne von weniger Strecke machen. Da braucht man auch etwas Fingerspitzegefühl, meinen Hund hat es noch mehr gestresst, wenn er sich so gar nicht vorwärts bewegen durfte (Thema Frust durch Bewegungseinschränkung), aber wir haben insgesamt trotzdem die Strecken sehr gekürzt und sind immer wieder an interessanten Stellen eine Weile stationär geblieben und ich habe das bewusst gefördert. Schlafieren hatte ich am Anfang auch mehrmals ausprobiert, das hat nur dazu geführt, dass ich nach zwei Stunden einen am ganzen Körper zitternden Hund hatte, der zwar hoch erschöpft aber null entspannt war.

    Aber ich achte bewusst darauf, dass er lernt auch mal länger irgendwie zu verweilen. Wir machen die immer gleichen Runden und immer wieder dieselben Rituale an den immer gleichen Stellen. Routine und Sicherheit war bei uns ein großer Schlüssel um aus diesem Wahnsinn beim Gassi gehen raus zu kommen. Vorallem Strecken so wählen, dass wenig Stressauslöser da waren.

    Und im Alltag ganz genau hinschauen, haben die Hunde Konflikte untereinander und tut es ihnen auch mal gut eine Weile getrennt zu werden.

    Ich meine auch nicht, dass dein Hund nur jagt, weil er Stress hat. Der Jagdtrieb ist auch ohne Stress da, aber exzessives Jagen und hohl drehen und völlig unlogisches Reagieren auf Bewegungsreize, das ist oft ausgelöst durch Stress. Es ist wichtig am Jagen zu arbeiten, aber ich denke es wäre noch wichtiger ihr Grunderregungslevel zu senken und ich denke, dass das übermäßige Jagen da nur Symptom ist.

    Hast du es denn mal mit einer richtig langen Schleppleine probiert? Muss ja nicht gleich Freilauf sein, das ginge bei uns am Anfang auch nicht (aber eben weil mein Hund dann wirklich weg gewesen wäre).

    Du musst auch Bedenken, dass jagen, also auch buddeln ohne Erfolg, auch Frust auslöst. Das Jagen steigert die Erregung und es fällt schwer von der Erregung wieder runter zu kommen. Ich schließe das buddeln mit erregungssenkenden Ritualen ab. Und es gibt einfach Wiesen, auf denen er immer buddeln darf, wenn wir da dran vorbei kommen. Wenn ich keine Zeit dafür habe, dann gehe ich da nicht lang.

    Ganz generell warst du doch aber eh schon auf Trainersuche. Ich glaube du brauchst jemanden an deiner Seite, der mal einen Blick auf deinen Hund wirft und dich anleitet. Glaub mir, der richtige Trainer bringt dich echt weiter und du wirst dich fragen, warum du so lange selbst rumgeeiert und dich gequält hast.

    Ich würde auch erstmal versuchen getrennte Runden zu gehen. Damit nimmst du dir viel Druck.

    Außerdem würde ich mit dem extrem jagdlich ambitionierten Hund aktuell nicht im Wald gehen. Und ansonsten am besten mittags die große Runde, wenn das klappt, da ist weniger Wild unterwegs.

    Du schreibst, du hast ihr anfänglich viel verboten. Und vermutlich verbietest du ihr heute noch sehr viel und schränkst sie ein. Du musst dir bewusst sein, dass Frust massiv Stress auslöst. Frust wird ausgelöst, wenn der Hund nicht seinen Bedürfnissen nach gehen kann. Er darf nicht buddeln, er darf nicht frei laufen, die Leine schränkt ihn ständig ein, er darf dieses und jenes nicht.

    Für meinen Rüden ist dieser Frust auch größer Stressauslöser und je mehr Stress er hat, desto mehr reagiert er auf jagdlich Reize.

    Hier hat es sehr geholfen eine 30 Meter Schlepp dran zu machen und später auch viel Freilauf zu ermöglichen. Ich stelle mich manchmal mit ihm eine Stunde auf eine Wiese und er darf buddeln. Ich versuche nur noch ganz ganz wenige Äh Ähs und No Nos abzuverlangen sondern lieber Situationen zu umgehen, in denen er Dinge machen könnte, die ich nicht will. Mit möglichst viel Belohnen. Ich lasse ihn wenig warten und wenn doch, dann immer mit viel Belohnung. Ich habe anfänglich viele Spaziergänge gemacht, bei denen ich null Leinenführigkeit erwartet habe, ihn die Leine aber auch nicht einschränkte. Das heißt, ich bin zum Feld mit Auto gefahren (damit er bis dort hin nicht an kürzer Leine laufen musste) und hab direkt die 30 Meter Schleppleine dran gemacht, damit die Leine kein dauerhafter Frustfaktor ist. Ansonsten in kurzen Einheiten Leinenführigkeit mit viel Belohnung in ablenkungsarmen Gebieten trainiert.

    Generell kann auch die Anwesenheit der anderen Hunde Stress auslösen, insbesondere wenn du dann auch gestresst bist. Das extreme Jagen ist meist ein ziemlicher Hilfeschrei, der Hund hat Stress. Eventuell auch mal schauen, Wie so euer Tagesablauf aussieht und was ihr noch so zu viel sein könnte. Wie gesagt, den Wald würde ich aktuell meiden.

    Ja, das denke ich auch. Ich glaube hier ist es aber eher positiver Stress. Auf mich wirkt er nicht verunsichert oder irgenwie 'negativ gestresst'. Es ist aber ja alles noch aufregend, fremde Gerüche von Hunden etc. Aber wie soll man denn daran arbeiten?

    Na ja, was heißt positiver Stress, fremde Artgenossen sind für einen erwachsenen Hund in der Regel erstmal nicht unbedingt "Freund". Schlecht Futter zu nehmen ist schon ein ziemlich guter Indikator für negativen Stress.

    Arbeiten würde ich dahingehend dran, dass ihr immer wieder dieselben Runden geht, mit immer wieder denselben Abläufen, dass ihr z.B, an bestimmten Stellen immer etwas länger stehen bleibt, wo der Hund in Ruhe erkunden kann oder wo ihr was trainiert, um Erwartungssicherheit herzustellen. Dann erstmal möglichst Strecken wählen wo möchlichst wenig Stressoren vorhanden sind. Auch für zu Hause Routinen und Rituale erarbeiten.

    Hunde, die draußen schlecht mit Leckerchen zu belohnen sind, haben in der Regel Stress. Da würde ich auch parallel an dieser Grundproblematik arbeiten.

    Mein Rüde darf frei laufen, obwohl er nicht zu 100% rückrufbar ist, aber nur in Gegenden, die für mich weit einsehbar sind und weil er nicht zu anderen Menschen und Hunden durchstartet und keine Gefahr für sie ist.

    Er ist draußen auch oft sehr gestresst und nimmt keine Leckerlies und ist allgemein auch nicht so verfressen. Man kann auch andere Belohnungen aufbauen. Was macht dein Hund denn wirklich gerne draußen? Mein Rüde buddelt gerne nach Mäusen, wir bauend das gerade auf Signal auf. Wir bauen gemeinsames Rennen als Signal auf und sind auch gerade dabei Spielzeug für ihn draußen attraktiver zu machen (was aber ein längerer Weg ist).

    Manche Hund haben beim Rückruf auch ein Problem, wenn man frontal zu ihnen steht, das ist aus Hundesicht oft erstmal eine Art abblocken. Viele Hunde lernen, dass das vom Menschen nicht so gemeint ist, aber manche Hunde sind da sensibel.

    Generell arbeiten wir eben auch gerade daran den Rückruf in höheren Erregungslagen zu üben. Oft heißt es ja, ruf den Hund in der Übungsphase nur, wenn du dir zu 99 % sicher bist, dass er kommt. Das hieß bei uns, der Hund kam immer nur, wenn er nicht abgelenkt ist, mit höherer Ablenkung und Erregungslage funktionierte kein Rückruf mehr. Ich pushe ihn jetzt auch mal bewusst und kontrolliert in höhere Erregungslagen und baue dann den Rückruf ein.

    Hat jemand eine Empfehlung für einen Maulkorb für kleine Hunde? Ich bräuchte einen für meinen 5 kg Hund und finde nur den von Baskerville, die ich nicht so optimal finde, weil sie vorne spitzer zu laufen und im Kehlkopfbereich so ein Plastikteil haben, was in den Hals drückt, wenn der Hund den Kopf senkt.