STELLUNGNAHME BZGL. LEITUNGSWECHSEL
Liebe Leute, liebe Fans, liebe Unterstützer.
Hier nun folgende Info: Ich, Vanessa Bokr, werde mich aus dem Amt der Leitung der tierheimähnlichen Einrichtung nach Paragraph 11 TschG zurückziehen und habe diese auch schon abgegeben. Warum das jetzt?! Ganz einfach, weil ich mich in letzter Konsequenz wenn es – von wem auch immer – hiess „Nehmt den Hund oder wir bringen ihn um“ immer für das Leben des Hundes entschieden habe. Meine Erlaubnis beschränkte sich hierbei auf 40 Hunde und war später für 66 Hunde auf der Anlage der Hellhound Foundation vorgesehen. Zahlen, die für mich zwar eine Orientierung darstellten, aber längst nicht das waren, was es an Nöten zu decken gilt. Mir war von vornherein klar, dass hier in Deutschland grade mehr und mehr Problemhunde durch die verschiedensten Faktoren herangezogen werden und wir immer mal wieder von dieser Zahl abweichen werden. Auch unser Veterinäramt war hier sehr sehr lange sehr kulant, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass finanziell und arbeitstechnisch alle Vorgänge, was das Wohl der Hunde anging, sichergestellt werden können. Trotzdem gibt es auch was die Anzahl der Hunde, die ein Mensch mit entsprechender Sachkunde versorgen kann, in Deutschland Regelungen, die da besagen: 10 Hunde pro Mensch.
Mit Sturheit und einem emotional am Rande des Wahnsinns aufgestellten Herzen war mein Ziel allerdings eher „take it to the limit“. Als uns Anfang 2019 ein Mensch 20.000 Euro spendete, legte ich dieses Geld z.B. nicht an oder investierte es in ein sicheres Einsatzfahrzeug, sondern rief stur einen Wartelistenhund nach dem anderen an und setzte diesen – sofern er noch lebte – zu uns bekannten und mit uns kooperierenden Trainern und Pensionen (alles bezahlte Unterbringungen), da wir damals schon voll waren, ich aber darin eine Chance sah, noch einigen Hunden den Hintern zu retten. Betriebswirtschaftlich macht mich das zu einer Vollkatastrophe und was ich in diesem Jahr auch lernte, etwas was ich auch nicht kann: Buchhaltung, Buchführung und saubere Papierablage. Das hätte mich 2019 fast ins Gefängnis gebracht. Abgewendet wurde dies von einem Menschen, der sich hauptberuflich um Chaoten wie mich und deren Finanzen kümmert, sodass das Finanzamt Soltau und ich uns zwar jetzt richtig gut kennen, aber immerhin nicht mehr mit Blicken töten wollen.
Weniger gut war meine Handhabung im Umgang mit einer weiteren Behörde, dem Veterinäramt. Für mich waren diese erstmal notwendiges Übel und meine Kooperationsbereitschaft wenig bis gar nicht da – und das, obwohl unsere zuständige Sachbearbeiterin eine wirklich nette und wohlwollende Person ist. Es war ja auch nicht immer alles schlecht. Man hat in der Vergangenheit auch gut zusammen gearbeitet und Ratschläge gegeben. Vieles auf dem Grundstück wurde verbessert und natürlich waren wir alle zusammen immer um die Hunde bemüht. Die Ämter sind auch nicht blind, es gibt aktuell einen enormen Notstand, was die Flut an Hunden mit auffälligem Verhalten angeht. Und grade in letzter Zeit hört man von vielen „Projekten oder Skandalen“, wo Tiere verendet oder gequält in ähnlichen Einrichtungen zu Grunde gehen. Ein Grund mehr, hier mal Einblick zu schaffen.
Ich war oft nicht einverstanden mit Regeln, die mir gemacht wurden. Hunde, die unterm Tierschutzgesetz durchschlittern, weil der allgemeine Tierschutz ihrer nicht mehr Herr wird, erfordern in ihrer Haltung auch viel Kreativität und Umdenken, damit sie sich in eine bessere Richtung weiter entwickeln können. Ein Zwinger-an-Zwinger mit Blickkontakt und 5 verschiedene Menschen im Sinne von Pflegern und Gassigehern am Tag sind für solch einen gespaltenen Charakterkopf teilweise einfach schon zu viel. Und einem Hund erstmal ein halbes Jahr Hundsein – ohne große Regeln – einzuräumen, ist betriebswirtschaftlich und platztechnisch auch wieder ein Problem. Hier geht das.
Doch mittlerweile sind wir zu einem Mülleimer für Hunde geworden, die ihren Haltern über waren. In 70% der Fälle hier können wir einfach „UNERZOGEN“ drauf stempeln und an erfahrene Tierheime oder Trainer weiter verweisen.
Mitte 2019 waren wir also richtig dicke in Sachen „Schnappatmung“ beim Amt. Die Fronten waren verhärtet und wir mit damals 87 Hunden ein Problem.
Wir bemühten uns grade, diese Problematik wieder steuerbar zu machen. Arbeiteten an einem Netzwerk und bekamen auch weiterhin gute finanzielle Unterstützung. Nicht zuletzt, weil ich auf Grund neuer Mitarbeiter beweglicher wurde und Seminare geben konnte.
Die Lage konnte entschärft werden und eine Weile kam alles wieder gut zusammen . Aber immer, wenn ich denke, es geht gradeaus, reisst die Leine und der Wagen schert aus und rast in eine völlig andere Richtung.
Durch einen Anruf von einem Hilfe suchenden, finanziell ganz gut aufgestellten Menschen, dessen Hund ihn gebissen hatte und dem wir aus der Klemme halfen, kam dieser darauf, uns im Gegenzug unterstützen zu wollen. Zu Beginn dachte ich also, ich bin voll auf Kurs. Pläne wurden geschmiedet wie ein Hellhound Zentrum für Hund und Mensch aufgebaut werden sollte. Was vorläufig verbessert wird und wie toll alles am Ende werden könnte. Dazu strukturierten wir vieles um, es wurden arbeitserleichternde Schritte eingeleitet, Putzfrauen und Mitarbeiter eingestellt und – um Kosten zu sparen – die damals auf Pensionen und Trainingsplätze verteilten Hunde zurückgeholt. 120 Hunde morgens, mittags, abends ab Anfang 2019, alle zogen an einem Strang, alle wussten, es ist nicht für lang und dann?
Nichts. Was so gut begonnen hatte, was die Ämter fröhlich gestimmt hatte, einfach alles was angefangen wurde, blieb genau so. Probleme in der eigenen Firma hiess es, aber der Hund bleibt da.
Bestandsbücher waren unvollständig, Fristen wurden nicht immer eingehalten und die ganze harte Arbeit aus dem Vorjahr zerbröselte am Chaos. Logischerweise ist es hier egal, wer in einem Unternehmen Mist macht. Ich habe einen großen Anteil am Misthaufen geformt, der „Retter“ eine weitere Ladung drauf geschippt. Die Ansage vom Amt ist nun eindeutig – es sind 85 Hunde zu viel und das Vertrauen ist hin. So haben wir uns alle zusammengesetzt und nach Lösungen gesucht, denn keiner will den Hunden schaden und ich schon mal gar nicht. Da ich dies aber mehr oder minder nun hinbekommen habe, muss ich eben diesen Posten verlassen. Keiner spricht mir Kompetenzen ab, was die Hunde angeht und niemand hat mir alle 11er abgenommen. Ich bin nach wie vor in Sachen Hundeschule, Seminare und als Herz der Hellhounds für die Hunde da. Aber wie das mit dem Organ nun mal so ist, es gehört in die Mitte und nicht ans Telefon.
Zusammengefasst haben wir zu viele Hunde und zu wenig Ahnung vom Papierkram.
Ja aber wie kann es nun weitergehen ?
Weitergehen kann es nur mit einer neuen Leitung und jemandem, der die Eignung nach Paragraph 11 TSchG hätte, eine tierheimähnliche Einrichtung zu führen.
Reduzierung des aktuellen Bestands, Schaffen einer vorübergehenden Ausgleichsfläche und ein 100% besseres Management sowie kompetente Hilfestellung für Menschen und Hunde in Not. Gemeinsam könnten wir das Kind schon schaukeln und mit neuem Konzept in die Zukunft gehen, um weiterhin unser Möglichstes zu tun, den „Hellhounds“ eine zweite Chance zu geben.
Es gibt viele Menschen, die mein Lebenswerk und den Kampf für die Hunde anerkennen und wirklich gut finden – aber das alleine reicht eben nicht, um ein mittlerweile so großes Unternehmen zu führen …immerhin habe ich Abi gemacht und nun hab ich DAS und kann nur die Hälfte davon! Wenn man Hunde gut kann, braucht es Menschen, die einen Hunde auch gut machen lassen und sich um den ganzen anderen Kram – für den meine Natur nicht ausgelegt oder aber auch zu schwach ist – kümmern. Das muss man aber auch erstmal kapieren. Hab ich jetzt und deshalb dieser Schritt, der mir weiss Gott nicht leicht gefallen ist, aber für den Fortschritt der Foundation einfach zwingend notwendig ist.
Kurz: Ihr könnt mich gern besuchen kommen – aber ans Telefon geh ich nicht mehr. XX Nessy