Beiträge von dagmarjung

    Es ist gut möglich, daß sie die Stubenreinheit in ihrem bisherigen Leben nie wirklich gelernt hat. Hunde lösen sich bevorzugt an Orten, wo sie sich schon einmal gelöst haben und wo sie sich sicher fühlen. Vermutlich ist draußen noch alles sehr neu und aufregend für sie, dann kann es sein, daß sie so unter Spannung steht, daß sie nicht oder nicht ausreichend dazu kommt, sich zu lösen. Drinnen bei euch entspannt sie dann endlich und macht ihr Geschäft an den ihr schon vertrauten Platz. Das Wörtchen 'demonstrativ' ist hier fehl am Platze, denn das deutet eine Frechheit oder gar böse Absicht an. Das trifft nach deiner Schilderung aber überhaupt nicht zu. Alles spricht dafür, daß sie einfach noch nicht so recht weiß, was sie tun soll und wo.

    Es ist sicher am besten, wenn ihr genauso vorgeht wie bei einem jungen Welpen, der die Stubenreinheit lernen soll. Also sehr oft rausgehen, zunächst durchaus alle 2 Stunden, außer ihr müßtet den Hund dafür wecken. Diese Gassirunden sollen kurz und sehr ruhig verlaufen, ohne Bespaßung, spielen und toben und immer an demselben Ort. Wenn es dort einmal klappt, dann bald auch regelmäßig. Ruhig und sanft loben, keine wilde Party. Auch die längeren Spaziergänge sollten mit einer entspannten Schnüffelzeit auf der Gassiwiese enden, damit sie die Gelegenheit hat, sich zum Schluß noch mal zu lösen.

    Insgesamt könnte nach deiner Schilderung das Programm mit den ausgedehnten Runden an wechselnden Orten vorläufig noch zu viel für deine Hündin sein. Man muß bedenken, sie wurde aus ihrem Leben herausgerissen und alles um sie herum ist völlig neu. Wahrscheinlich braucht sie im Moment nicht so sehr Abwechslung sondern erst mal eine gewisse Routine in ihrem Leben, damit sie die Möglichkeit bekommt sich Schritt für Schritt einzugewöhnen und all das Neue zu verarbeiten. Es gibt Sicherheit, wenn man sich auf gleichbleibende Abläufe verlassen kann. Geh also vorerst ruhig immer dieselbe Strecke beim Spaziergang und überfordere sie nicht durch zu lange Gänge. Später, je mehr sie sich bei euch einlebt, kann man dann mehr Abwechslung hineinbringen und die Spaziergänge ausdehnen.

    Viel Erfolg,

    Dagmar & Cara

    Der kritische Punkt an diesem Modell ist in meinen Augen, daß sich zwei Menschen für die nächsten 15 Jahre zeitlich und räumlich festlegen müssen, die außer dem Interesse am Hund eigentlich nichts gemeinsam haben. Im Beispiel der TS klappt das ja schon mal nicht auf Dauer.
    Überhaupt sehe ich da viel Konfliktstoff falls es mal Uneinigkeit gibt in Bezug auf Kosten, Krankheiten, 'wer-ist-schuld' Fragen.
    Eine Hund-Beteiligung ist in meinen Augen nicht ganz dasselbe wie eine Reitbeteiligung, weil der Hund in aller Regel eine weit engere Beziehung zu seinen Menschen hat als ein Pferd. Ein Wechsel wenns nicht klappt trifft ihn also weit härter.

    Aber das Modell hat auch Vorteile. Vor allem den, daß beide Bezugspersonen ein ureigenes Interesse am Hund haben und sich nicht nur aus Gutmütigkeit zum Hundesitten überreden lassen. Ich kenne viele Familien, wo zB die alten Eltern der berufstätigen Besitzer aus Gefälligkeit täglich den Hund betreuen, aber mit der Erziehung völlig überfordert sind und den Hund womöglich schon kräftemäßig kaum halten können. Kann man ihnen auch nicht wirklich übelnehmen, sie sind es ja nicht, die sich den Hund angeschafft haben.

    Dagmar & Cara

    Die diversen Vereine im Jagdgebrauchshundeverband bieten üblicherweise Lehrgänge an, also wäre dein Zuchtverein der erste Ansprechpartner.

    http://www.jghv.de/

    Aus Prüfungsberichten verschiedener Vereine ersehe ich, daß oft auch verwandte Rassen oder solche mit ähnlichen Anlagen an solchen Kursen und Prüfungen teilnehmen. Du kannst also auch andere Vereine ansprechen, wenn du nicht gerade einen Dackel auf einer Prüfung für Vorstehhunde führen willst.
    Ob und an welchen Prüfungen du auch als Nichtjäger teilnehmen darfst, ist verschieden. Oft ist der Jagdschein Voraussetzung.

    Es gibt einiges an Büchern zum Thema Jagdhundeausbildung, das wird dir sicher weiterhelfen. Wenn du guten Kontakt zu Jägern hast und in deren Revier üben darfst, bist du fein raus, falls nicht, wird es sehr schwierig.

    Dagmar & Cara

    Zum Thema Pudel als ausgeprägter Einpersonenhund:
    Großpudel werden heute gerne und zunehmend als Blindenführhunde und Behindertenbegleithunde ausgebildet. Diese sollen zwar letztendlich einer Person dienen und natürlich auch eine feste Bindung zu ihr aufbauen, aber der Ausbildungsweg sieht normalerweise mehrere einschneidende Wechsel der Bezugspersonen vor: Aufzucht des jungen Hundes in einer Patenfamilie, dann Wechsel zum Ausbilder, danach erneuter Wechsel zum (hoffentlich) endgültigen Besitzer. Jedesmal wird der Hund aus seinem Leben gerissen und muß sich auf neue Menschen einstellen.
    Das ist für keinen Hund leicht, aber Pudel gehören offenbar ähnlich wie Retriever zu den Rassen, die typischerweise damit weniger Probleme haben als andere, zB Schäferhunde. Ob das nun ein Kompliment für den Pudel oder den Schäferhund ist, sei mal dahingestellt... ;)


    Dagmar & Cara

    Eine Hündin ist normalerweise 2 x im Jahr läufig und das jeweils drei Wochen lang. Die zweite Woche ist die 'gefährliche', in der die Hündin wirklich paarungsbereit ist, aber die ganze Zeit wirkt sie auf Rüden sehr anziehend. Solange kann man aber auch mal getrennte Wege gehen.

    Eine Kastration ist eine große Operation und kann neben den unbestrittenen Vorteilen auch Nachteile und Nebenwirkungen haben. Gerade bei großen Hündinnen muß man zB das Risiko für eine nachfolgende Inkontinenz bedenken.
    Zum Thema 'Kastration bei Hündinnen' gibt es hier im Forum schon zahlreiche Threads.

    Dagmar & Cara

    Ländlich wohnen ist schön, aber es bedeutet nicht unbedingt die große Freiheit für den Hund. Denn das Jagd- und Naturschutzrecht schränkt die Freiheit für Hunde auch auf dem Land oft ganz erherblich ein. (Je nach Bundesland ist das verschieden.)

    Bei einem Podenco-mix müßt ihr realistisch mit viel Jagd- und Hetztrieb rechnen, denn es sind Jagdgebrauchshunde, die für unabhängiges Jagen gezüchtet sind. Die schauen sich also nicht alle paar Meter nach Frauchens Wünschen um, sondern sie machen ihren Job und kehren erst danach zu ihren Leuten zurück. Das führt leider hierzulande schnell zu Problemen, wildernde Hunde dürfen vom Jäger erschossen werden und werden auch leicht überfahren.
    Die Kombination Hund mit viel Jagdtrieb und Leben auf dem Lande ist also nicht immer ideal, wenn sich bei euch buchstäblich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und ihr jederzeit mit Wildbegegnungen rechnen müßt.

    Ich sage das nicht, um euch den Hund auszureden, aber versucht sehr realistisch einzuschätzen, wie ihr das Leben mit einem möglicherweise passionierten Hetzhund gestalten könnt.

    Dagmar & Cara