Ich habe tatsächlich etwas im Internet gefunden, meine eigene Kenntnis dieses Experiments stammt aber aus einem aktuelleren Buch oder aus der Zeitschrift SitzPlatzFuß. Ich müßte meine Bibliothek durchforsten, um das wiederzufinden.
Tasächlich lief das Experiment im Detail etwas anders ab, als ich geschildert habe, das Ergebnis bleibt aber bestehen. Wichtig ist jedenfalls, daß die Besitzer aufgefordert waren, ihren Hund entweder zu loben oder zu tadeln, es erfolgte also bei der Rückkehr des Besitzers eine eindeutige Kommunikation, auf die der Hund reagierte.
https://www.nzz.ch/haben_hunde_ein_gewissen-1.2948446
Kann sich ein Hund schuldig fühlen? Diese Frage beantwortet die neue Studie der Kognitionswissenschafterin Alexandra Horowitz von der Columbia University in New York nicht. Was sie jedoch zeigt, ist, dass die blosse Tatsache, dass ein Hund aus Sicht eines Menschen so aussieht, als hätte er ein schlechtes Gewissen, nichts dergleichen bedeutet – zumindest nicht bei den vierzehn Hunden, die die Forscherin untersucht hat. Horowitz hat in ihrer Studie einen sogenannten Anthropomorphismus durchleuchtet, bei dem nichtmenschlichen Objekten oder Lebewesen – in diesem Fall Hunden – menschliche Eigenschaften, Beweggründe und Gefühle zugeschrieben werden.
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Die Forscherin hatte in ihrer in der Fachzeitschrift «Behavioural Processes» publizierten Studie Hundebesitzer gebeten, ihrem Tier zu befehlen, einen (für diese erreichbaren) Hundekeks nicht zu fressen. Dann verliess der Besitzer den Raum – mit der Instruktion, bei seiner Rückkehr den Hund zu rügen, wenn er ungehorsam gewesen war, oder zu begrüssen, wenn er gehorcht hatte. Kaum war der Besitzer gegangen, «überredeten» die Forscher allerdings entweder den Hund, den Leckerbissen zu fressen und sich so des Ungehorsams «schuldig» zu machen, oder sie nahmen dem Tier den Keks weg und erstickten damit jegliche Unfolgsamkeit im Keim. Der zurückkehrende Besitzer wurde über das Verhalten seines Hundes informiert – aber manchmal falsch. Es zeigte sich, dass die Hunde, die den Keks nicht gefressen hatten, aber von ihrem (fehlinformierten) Besitzer für ihren vermeintlichen Ungehorsam gescholten wurden, am «schuldigsten» wirkten. Sie vermieden Augenkontakt, liessen Ohren, Schwanz und Kopf hängen, legten sich auf den Rücken oder hoben die Pfote – alles Verhaltensweisen, die ihre Besitzer als schlechtes Gewissen interpretierten. Laut Horowitz signalisieren sie aber Angst oder Unterwürfigkeit, mit der die Hunde ihre Besitzer zu beschwichtigen suchen. Sei dagegen ein Tier, das den Keks gefressen habe, freundlich begrüsst worden – in der falschen Annahme, es sei brav gewesen –, habe es auch nicht «schuldig» ausgesehen, sagt die Forscherin. Ihre Studie schliesse nicht aus, dass sich Hunde schuldig fühlen könnten, erklärt sie. In diesem spezifischen Fall war die vermenschlichende Erklärung aber falsch. Nun möchte sie andere Anthropomorphismen prüfen, etwa die Behauptung, Hunde seien eifersüchtig.