Jetzt bin ich doch mal auf mich selbst und meine Abneigung gegen (subjektiv) scheußliche Cover bzw. Schutzumschläge reingefallen.
Diese Abneigung habe ich schon vor Jahrzehnten überwunden, denn als Leserin von Science Fiction und Fantasy wurde man früher von den Verlagen nicht verwöhnt. Der Heyne-Verlag zB besaß eine Grabbelkiste mit Illustrationen, und es war die Aufgabe des Praktikanten, gelegentlich hineinzugreifen und wahllos Titelbilder auf die Neuerscheinungen zu klatschen. Anders kann ich mir nicht erklären, wie die Auswahl zustande kam, denn die Bilder hatten mit dem Inhalt der Bücher nichts zu tun. Teilweise handelte es sich sogar um Illustrationen zu ganz anderen Büchern.
Beispielsweise erinnere ich mich an ein Titelbild, auf dem zwei kleine Gestalten zusammengekauert vor einer Art Vulkanausbruch zu sehen waren. Die Szene kam mir vage bekannt vor, aber nicht aus dem Buch selbst (Es handelte sich glaube ich um einen Band aus einer Endlossaga um einen kriegerischen Quasi-Superhelden).
Die markante Szene vom Titel dagegen konnte ich eindeutig als "Sam und Frodo beim Ausbruch des Schicksalsberges" identifizieren. (Für nicht-FantasyleserInnen: aus Tolkien's "Herr der Ringe".)
Auch die gute Marion Zimmer Bradley wurde von ihrem Moewig Verlag nicht verwöhnt. In ihrer "Darkover" SF-Serie beschäftigte sie sich schon früh intensiv und kritisch mit Geschlechterrollen und schrieb aus feministischer Sicht. Das hielt den Verlag jedoch nicht davon ab, ihre Bücher mit peinlich sexistischen Bildern zu betiteln, die natürlich auch einer Grabbelkiste entstammten und keinen Bezug zum Inhalt hatten.
In beiden Fällen galt wohl: Bild und Buch gehören so in etwa ins selbe Genre, da passt das schon.
Damals galten SF und Fantasy für Erwachsene eher als Schmuddelkinder der Literatur und wurden auch von den Verlagen entsprechend respektlos behandelt. Im Laufe der Zeit änderte sich das, und die neueren Auflagen von Zimmer-Bradley haben Titelbilder, die extra für das Buch angefertigt wurden. Auch bei anderen Verlagen gab es dieselbe Entwicklung.
Heute habe ich als Leserin eher das gegenteilige Problem: Tolle Cover, großartiges Artwork, das macht neugierig, aber die Geschichte selbst ist vom Klischeebaum gefallen und hat auf dem Weg nach unten jedes Zweiglein gestreift. In diese Fall bin ich schon des öfteren getappt. ![]()
Dagmar & Cara