Beiträge von dagmarjung

    Ich habe gerade mal Welpenanzigen für Pudel bei "Meine Tierwelt" gecheckt.

    Was mir auffällt: die Welpenpreise für VDH-Welpen liegen mit 1800,- bzw 1900,- Euro zwar auch doppelt so hoch wie der Preis, den ich damals für Cara bezahlt habe. Aber das ist ja immerhin schon 12 Jahre her, nun noch Corona obendrauf, das war zu erwarten. Und auch damals mußte man für begehrtere Farben als Schwarz mehr bezahlen.

    Interessanterweise schießen die Preise aber gerade bei Vermehrern ("beide Eltern sind auch reinrassige Pudel!") und Dissidenzzüchtern so richtig durch die Decke. Da geht es bei 2500,- los und steigert sich auch mal bis 3600,-.

    Dagmar & Cara

    Die Erkenntnis kann weh tun, aber Hunde sind keine Engel. Auch der eigene nicht.

    Dein junger Rüde wird nun allmählich erwachsen und viele Hunde wollen ab einem gewissen Alter keinen engen Kontakt zu Artgenossen mehr, einige wenige bekannte Hundekumpel mal ausgenommen. Gleichgeschlechtliche Hunde werden nun zunehmend als Konkurrenten erlebt.

    Gegenüber stärkeren Rüden reißt sich dein Hund zusammen, jüngere und schwächere kann er dagegen ohne Risiko verprügeln. Da kann er sich groß fühlen. Das ist stark selbstbelohnend. Selbstbelohnendes Verhalten fühlt sich gut an und wird dann immer öfter wiederholt. Deswegen würde ich das weitere Vorgehen mit einem Trainer besprechen.

    Diese Angriffe beschränken sich auch nicht nur auf ein bestimmtes Territorium (großer Hundeauslaufplatz mit ca. 2000 qm und manchmal bis zu 15 Hunde), sondern ereignen sich auch auf anderen erlaubten Freilaufflächen (z.B. weitläufiges Flussufer)

    Dein Rüde gehört ab jetzt ohne Ausnahme überall an die (Schlepp)Leine, wo mit Hundebegegnungen zu rechnen ist.

    Wäre ein Jungrüde tatsächlich verletzt worden, dann hätte ich definitiv Vorkehrungen getroffen, dass solche Situationen überhaupt nicht mehr entstehen können.

    Auch seelische Verletzungen können tief gehen, daher mußt du ab jetzt solche Vorfälle wirksam verhindern - nicht nur abbrechen. Es kann außerdem jederzeit eskalieren und dann doch zu ernsten Verletzungen führen. Abgesehen davon, sind Verletzungen durch Fell und darüber geschobene Haut oft nicht auf Anhieb zu erkennen, und müssen dann Stunden später doch tierärztlich behandelt werden.

    Dagmar & Cara

    Was den Corgi betrifft, als die noch Arbeitshunde waren, hatten sie gut doppelt soviel Beinlänge wie heutige Hunde. Auf alten Bildern entspricht die Länge des Vorderbeins etwa der des Schulterblatts. Durch Jahrzehnte der Showzucht wurde das drastisch reduziert, getreu der Faustregel, daß rassetypische Merkmale immer weiter übertypisiert werden. Aus langhaarigen Hunden werden Fellkugeln, aus kräftigen Hunden werden schwerfällige, aus kurzen Beinen werden Gehwarzen usw. Ursprünglich vorhandene Arbeitseigenschaften zB eines Hüte/Treibhundes bewahren eine Rasse keineswegs vor diesem Schicksal.


    Dagmar & Cara

    Wenn ein Verein wirklich eng mit Genetikern zusammenarbeitet und deren Erkenntnisse konsequent umsetzt, dann sind das keine subjektiven "Empfehlungen", sondern es ist ein ganz neues Konzept. Das heißt, daß auch die eine oder andere heilige Kuh geschlachtet werden muß - zB getrennte Genpools verschiedener Farben innerhalb einer Rasse, freie Rüdenwahl usw. Das greift schon in die Entscheidungsfreiheit von Züchtern ein, ohne Frage. Es verlangt sehr viel Arbeit und Disziplin von allen Beteiligten, unter Umständen auch das Zurückstellen eigener Interessen. Letztlich profitiert die Rasse aber enorm, wenn alle eng zusammenarbeiten und nicht jeder einzeln vor sich hinzüchtet..

    Ein positives Beispiel ist in meinen Augen die Zuchtpolitik der KZG Eurasier. Das ist aber - leider - nicht die Norm in den Zuchtvereinen.

    Dagmar & Cara

    Es gibt schon einige Mittel, um züchterisch etwas für eine höhere Lebenserwartung zu tun. Genetische Vielfalt fördern, indem man möglichst viele Rüden in die Zucht bringt. Verwandtschaftszucht vermeiden. Deckbeschränkung pro Rüde, keine Popular Sires. Darüber nachdenken, welche zuchtauschließenden Fehler wirklich wesentlich die Vitalität beeinflussen und welche nicht, und daraus die Konsequenzen ziehen. Eine Altersstatistik mit Todesdaten möglichst aller im Verein gezüchteter Hunde Hunde (nicht nur Zuchthunde) anlegen, damit man überhaupt auswertbare Zahlen hat. Ältere, nachweislich fitte Rüden bevorzugen und gegebenenfalls Altersbeschränkungen für Deckrüden lockern.

    Je nach Zuchtverein werden solche von Genetikern empfohlenen Mittel auch erfolgreich angewandt. Aber oft siegt die Trägheit, weil die Züchter sich nicht reinreden lassen wollen.

    Ob man eine geringe Lebenserwartung nun Qualzucht nennen will oder nicht, sei mal dahingestellt. Hochproblematisch ist sie auf jeden Fall. Vom Hund aus gesehen könnte man wie folgt argumentieren: Ein Hund, der mit 8 Jahren altersbedingt stirbt, hat die ersten einschränkenden Alterserscheinungen dementsprechend schon mit 6, höchtens 7 Jahren. Er verbringt also einen viel gößeren Teil seines Lebens mit altersbedingten Krankheiten und Einschränkungen als ein Hund mit einer höheren Lebenserwartung.

    Ein gesunder Hund, der nur 10 Jahre alt wird, ist immer noch besser, als ein kranker Hund, der 15 Jahre wird.

    Das kommt so in der Praxis kaum vor. Normalerweise ist ein Hund, der die 16 erreicht, mit 10 noch sehr fit. Das eben ermöglicht es ihm ja, das hohe Alter zu erreichen.


    Dagmar & Cara