Hallo Sabine!
Erstmal meinen allergrößten Respekt dafür, daß du dich in deiner Trauer noch die Hunde kümmerst. 
Ich gehe mal auf die einzelnen Punkte ein:
Stubenreinheit Mercy: Es ist ganz normal, daß ein junger Hund von 5 Monaten - besonders in fremder Umgebung - noch nicht stubenrein ist. Stubenreinheit ist weniger eine Erziehungsleistung des Menschen, sondern Hunde vermeiden es von sich aus, ihr Lager und die nächste Umgebung zu verunreinigen. Wie definieren sie ihr Lager? - Dort, wo sie sich zuhause fühlen.
Der Verlust ihrer Bezugsperson und der Umgebungswechsel führt also dazu, daß Mercy sich nicht richtig zuhause fühlt und dementsprechend nicht mehr stubenrein ist, obwohl sie es im früheren Haushalt schon weitgehend war.
Behandle Mercy einfach wie einen viel jüngeren Welpen, der neu ins Haus kommt. Geh mit ihr immer raus nach dem Schlafen, nach dem Fressen, nach dem Spielen und wenn nichts von all dem zutrifft so etwa alle 2 Stunden (außer sie schläft). Wenn sie was macht, lobe mit ruhiger Stimme.
Auf keinen Fall schimpfen, wenn doch was in die Wohnung geht! Das führt höchstens dazu, daß der Hund dich meidet. Er tut das ja nicht, um dich zu ärgern. Geh oft genug mit Mercy raus, dann lernt sie es auch bei dir.
Leinenführigkeit ist für junge Hunde keine einfache Übung. Es erfordert eine sehr hohe konzentration. Das können sie nur für ganz kurze Zeit - wir reden da von Sekunden bis Minuten. Ein Tip für den Alltag: Geschirr und Halsband gleichzeitig anlegen. Am Geschirr darf der junge Hund noch ziehen, mit dem Halsband wird in ganz kurzen Einheiten die Leinenführigkeit geübt. Dann kann man allmählich das Geschirr weniger verwenden und den Hund mehr am Halsband führen.
Leinenruck ist ganz schlecht, es kann zu Verletzungen führen. Der Hund lernt daraus nichts, es ist mehr eine Verzweiflungshandlung des Hundeführers, die lediglich zu ganz kurzem Innehalten führt, nicht dazu, daß der Hund sein Verhalten ändert. Frust auf beiden Seiten.
Wenn Mercy zu anderen Hunden oder Menschen will und du deshalb schon unfreundliche Bemerkungen einstecken mußtest, heißt das wohl, daß du dich von ihr hast hinziehen lassen, oder daß du sie frei laufen läßt, obwohl sie nicht auf dich hört. Du hast aber die Leine in der Hand und bestimmst den Weg, nicht der Hund. Und ein Hund, der nicht zuverlässig gehorcht, kann eben nicht frei laufen.
Es gibt tausend gute Gründe, warum Menschen und Hunde keinen Kontakt zu fremden Hunden wollen, das mußt du einfach respektieren.
Chaos: Er ist ein Schäferhund, ein Sport/Gebrauchshund, und damit stellt er andere Anforderungen an seine Halter als zB eine Begleithunderasse wie mein Pudel. Er war der Stolz deiner Tochter, aber sie konnte ihm das bieten, was er brauchte: zeitintensive rassegerechte Auslastung und eine souveräne Führung.
Auch wenn du dich nicht gern von Chaos trennen willst, ich glaube nicht, daß du ihm dasselbe bieten kannst wie deine Tochter es getan hat. Gebrauchshundesport muß schon eine Leidenschaft sein, die von Herzen kommt. Und Chaos macht den Eindruck, als ob er das braucht.
Ich kann dir nur raten, sehr schnell Kontakt zum Hundesportverein deiner Tochter aufzunehmen und ihre Vereinskollegen um Hilfe zu bitten. Vielleicht findet sich dort jemand, der den Hund gerne übernehmen würde, oder sich als Pflegestelle bis zu einer Vermittlung zur Verfügung stellt. Für die Vermittlung ist auch das Netzwerk des Vereins die erste Adresse, oft kennt ja jemand jemanden, der gerade einen Hund sucht. Chaos bringt ja eine gute Ausbildung mit und ist noch jung. Außerdem solltest du den Züchter ansprechen, guten Züchtern liegen ihre Welpen auch nach der Abgabe am Herzen, auch hier kannst du Hilfe bekommen.
Im Ganzen solltest du dir gut überlegen, ob Hunde oder auch nur ein Hund wirklich in dein Leben passen. Du mußt auch Mercy nicht aus Pflichtgefühl behalten, sie ist jung genug, um leicht ein gutes neues Zuhause zu finden. Nach nur 8 Wochen bei deiner Tochter ist das auch noch keine so intensive Beziehung.
Passt ein Hund zu dir? Passt dieser Hund zu dir? Diese Fragen stellen sich ganz unabhängig von der Vorgeschichte, denn du legst dich auf mehr als ein Jahrzehnt fest.
Dagmar & Cara