Beiträge von dagmarjung

    Ein vom Züchter ausreichend sozialisierter Welpe in diesem Alter ist nicht schüchtern. Da liegen eindeutig Defizite in der Aufzucht vor. Der Verkäufer mag nett sein, aber kompetent ist er nicht.

    es hat ein paar Minuten gedauert, bis er sich in unsere Nähe getraut hat.

    Mehrere Minuten? Ein ganz schlechtes Zeichen. Ein Welpe, auch wenn er etwas sensibler ist als andere, sollte trotzdem neugierig und unbefangen sein.

    Das ist definitiv kein Hund, dem ich ein städtisches Umfeld mit all seinen Reizen zumuten würde.

    Dagmar & Cara

    Lebenslang schwierig sind nicht die Hunde, die als Welpen vielfältige, darunter auch mal schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sondern solche, die ihre prägenden Wochen und Monate in reizarmer Umgebung verbringen mußten. Das hat Konsequenzen für das ganze Hundeleben, die sich oft nur teilweise ausgleichen lassen. Das trifft oft auch Welpen aus hiesiger Hofaufzucht/Zwingeraufzucht zu, wenn die Hunde irgendwie "nebenbei" gehalten werden. Und sehr häufig eben auf Junghunde aus dem Auslandstierschutz. die entweder ebenfalls vom Hof/Zwinger kommen oder im Shelter aufwachsen mußten, wo bei der großen Anzahl der Hunde eine gute Welpenbetreuung jenseits der Fütterung zeitlich nicht geleistet werden kann.

    Dazu kommt, daß die Frage nach der Rasse bzw der Zusammensetzung der Mischung nicht ganz nebensächlich ist. Mein Lebensumfeld und ich sind nicht geeignet für einen Herdenschutzhund, Gebrauchshund oder triebigen Jagdhund. Soche Hundetypen würde ich mir nicht vom Züchter holen (und dort auch nicht bekommen) und aus denselben Gründen auch nicht aus dem Tierschutz, obwohl sie dort reihenweise angeboten werden und angeblich nur ein kuscheliges Körbchen suchen.

    Der Rassetyp ist aber beim Welpen nicht immer einfach zu sehen, und bei Mixen sowieso nicht. Da muß man halt schon mit Überraschungen leben können.

    Dagmar & Cara

    Platinum ist schon ein sehr hochwertiges Futter, viele nehmen das auch gerne als Belohnung. Wenn der Hund allerdings Platinum schon als Grundfutter im Napf vorfindet, würde ich für Belohnungshäppchen tatsächlich nach Alternativen schauen, die sich vom normalen Futter unterscheiden. Da gibt es ja eine reiche Auswahl, sei es im Futterhandel oder im eigenen Haushalt.

    Dagmar & Cara

    Noch ein paar Nachgedanken:

    Wohlgeschmack und Abwechslung machen Futterbelohnung attraktiv, nicht die Menge. Du kannst Käse und Wienerle in ganz kleinen, erbsengroßen Würfeln und dazu vielleicht noch zerteilte Frolics in einer kleinen Plastikdose mitnehmen. Wenn du deinen Hund belohnst, weiß er nie, was genau jetzt kommt, (Überraschungseffekt!), es ist aber immer duftend und besonders lecker.

    Grundnahrung gibt es bedarfdeckend aus dem Napf, besondere Leckereien zur Belohnung. Die Belohnung ist durch Geruch und Geschmack attraktiv, nicht durch Hunger und erzwungene Abhängigkeit.

    Du kannst auch zuhause mal einen Leckerli-Test durchführen, um zu prüfen, was dein Hund besonders gerne mag. Das geht so: Zwei kleine Bröckchen, zB Käse und Wurst, zugleich anbieten und schauen, was der Hund zuerst nimmt. Und so weiter mit allen möglichen Dingen. (Frischkäse? Gurke? Brot? Trockenfisch? usw)

    So kann man eine Art individueller Rangliste erstellen.

    Dagmar & Cara

    Wenn du sehr oft belohnen willst, mußt du deshalb trotzdem keine großen Mengen verfüttern. Es geht beim Lernen ja mehr um die Information "gut gemacht!" und die kleine Freude, das Lecker auf der Zunge zu spüren. Das erreichst du auch mit sehr kleinen Bröckchen. Du kannst Platinumstücke teilen oder sogar vierteln um das zu erreichen. Willst du für besondere Leistungen sehr hochwertig belohnen, empfiehlt zB sich eine Leberwursttube, an der der Hund schlecken darf. Damit ist er dann etwas länger beschäftigt, ohne aber allzuviel zu sich zu nehmen. Bei befüllbaren Tuben (aus dem Outdoorbedarf) kannst du die Leberwurst auch noch mit Joghurt, Kartoffelpüree oder sonstigem strecken oder mit dem Inhalt von Kindergläschen füllen.

    In jedem Fall kannst du den Hund oft und hochwertig belohnen und ihm trotzdem die Sicherheit vermitteln, daß er sein Futter aus dem Napf ohne Gegenleistung bekommt.

    Dagmar & Cara

    Kauartikel und andere Leckereien für zwischendurch verliert man gerne aus dem Blick, wenn es um Ernährung und Verdauung geht. Aber sie spielen auch mengenmäßig keine so geringe Rolle. Gerade auch bei Welpen, die viel und gern kauen.

    Ja, es kann gut sein, daß ein Hund das eine oder andere davon nicht gut veträgt. Zumal es oft nicht aus den wertvollsten Zutaten besteht.

    Dagmar & Cara

    ich würde den Rüden zum Züchter zurück geben. Er hat schon einmal gut ausgewählt - er wirds sicher ein zweites Mal auch tun.

    Das möchte ich nochmal unterstreichen. Ja, der Züchter wird Chaos nicht behalten, sondern an einen Dritten weitervermitteln. Aber als Züchter hat er Erfahrung in der Auswahl passender Besitzer für seine Welpen. Diese Erfahrung wird auch Chaos (wieder) zugute kommen. Sicher ist es dann auch möglich, Kontakt zum neuen Besitzer aufzunehmen, so daß du den Hund nicht ganz aus den Augen verlierst.

    Dagmar & Cara

    Hallo Sabine!

    Erstmal meinen allergrößten Respekt dafür, daß du dich in deiner Trauer noch die Hunde kümmerst. :streichel:

    Ich gehe mal auf die einzelnen Punkte ein:

    Stubenreinheit Mercy: Es ist ganz normal, daß ein junger Hund von 5 Monaten - besonders in fremder Umgebung - noch nicht stubenrein ist. Stubenreinheit ist weniger eine Erziehungsleistung des Menschen, sondern Hunde vermeiden es von sich aus, ihr Lager und die nächste Umgebung zu verunreinigen. Wie definieren sie ihr Lager? - Dort, wo sie sich zuhause fühlen.

    Der Verlust ihrer Bezugsperson und der Umgebungswechsel führt also dazu, daß Mercy sich nicht richtig zuhause fühlt und dementsprechend nicht mehr stubenrein ist, obwohl sie es im früheren Haushalt schon weitgehend war.

    Behandle Mercy einfach wie einen viel jüngeren Welpen, der neu ins Haus kommt. Geh mit ihr immer raus nach dem Schlafen, nach dem Fressen, nach dem Spielen und wenn nichts von all dem zutrifft so etwa alle 2 Stunden (außer sie schläft). Wenn sie was macht, lobe mit ruhiger Stimme.

    Auf keinen Fall schimpfen, wenn doch was in die Wohnung geht! Das führt höchstens dazu, daß der Hund dich meidet. Er tut das ja nicht, um dich zu ärgern. Geh oft genug mit Mercy raus, dann lernt sie es auch bei dir.

    Leinenführigkeit ist für junge Hunde keine einfache Übung. Es erfordert eine sehr hohe konzentration. Das können sie nur für ganz kurze Zeit - wir reden da von Sekunden bis Minuten. Ein Tip für den Alltag: Geschirr und Halsband gleichzeitig anlegen. Am Geschirr darf der junge Hund noch ziehen, mit dem Halsband wird in ganz kurzen Einheiten die Leinenführigkeit geübt. Dann kann man allmählich das Geschirr weniger verwenden und den Hund mehr am Halsband führen.

    Leinenruck ist ganz schlecht, es kann zu Verletzungen führen. Der Hund lernt daraus nichts, es ist mehr eine Verzweiflungshandlung des Hundeführers, die lediglich zu ganz kurzem Innehalten führt, nicht dazu, daß der Hund sein Verhalten ändert. Frust auf beiden Seiten.

    Wenn Mercy zu anderen Hunden oder Menschen will und du deshalb schon unfreundliche Bemerkungen einstecken mußtest, heißt das wohl, daß du dich von ihr hast hinziehen lassen, oder daß du sie frei laufen läßt, obwohl sie nicht auf dich hört. Du hast aber die Leine in der Hand und bestimmst den Weg, nicht der Hund. Und ein Hund, der nicht zuverlässig gehorcht, kann eben nicht frei laufen.

    Es gibt tausend gute Gründe, warum Menschen und Hunde keinen Kontakt zu fremden Hunden wollen, das mußt du einfach respektieren.

    Chaos: Er ist ein Schäferhund, ein Sport/Gebrauchshund, und damit stellt er andere Anforderungen an seine Halter als zB eine Begleithunderasse wie mein Pudel. Er war der Stolz deiner Tochter, aber sie konnte ihm das bieten, was er brauchte: zeitintensive rassegerechte Auslastung und eine souveräne Führung.

    Auch wenn du dich nicht gern von Chaos trennen willst, ich glaube nicht, daß du ihm dasselbe bieten kannst wie deine Tochter es getan hat. Gebrauchshundesport muß schon eine Leidenschaft sein, die von Herzen kommt. Und Chaos macht den Eindruck, als ob er das braucht.

    Ich kann dir nur raten, sehr schnell Kontakt zum Hundesportverein deiner Tochter aufzunehmen und ihre Vereinskollegen um Hilfe zu bitten. Vielleicht findet sich dort jemand, der den Hund gerne übernehmen würde, oder sich als Pflegestelle bis zu einer Vermittlung zur Verfügung stellt. Für die Vermittlung ist auch das Netzwerk des Vereins die erste Adresse, oft kennt ja jemand jemanden, der gerade einen Hund sucht. Chaos bringt ja eine gute Ausbildung mit und ist noch jung. Außerdem solltest du den Züchter ansprechen, guten Züchtern liegen ihre Welpen auch nach der Abgabe am Herzen, auch hier kannst du Hilfe bekommen.

    Im Ganzen solltest du dir gut überlegen, ob Hunde oder auch nur ein Hund wirklich in dein Leben passen. Du mußt auch Mercy nicht aus Pflichtgefühl behalten, sie ist jung genug, um leicht ein gutes neues Zuhause zu finden. Nach nur 8 Wochen bei deiner Tochter ist das auch noch keine so intensive Beziehung.

    Passt ein Hund zu dir? Passt dieser Hund zu dir? Diese Fragen stellen sich ganz unabhängig von der Vorgeschichte, denn du legst dich auf mehr als ein Jahrzehnt fest.

    Dagmar & Cara