Beiträge von dagmarjung

    So als Faustregel sucht der Hund bei allen Arbeiten auf der Spur (Schleppe, Mantrailing, Fährte) am langen Riemen und am Geschirr oder an einem extra breiten Halsband. Denn er darf dabei ziehen. Aber er soll kontrolliert suchen, nicht zu hastig und der Mensch muß ihm ja auch folgen können. Sowohl in schwierigem Gelände im jagdlichen Einsatz als auch im öffentlichen Raum beim Mantrailing, wo auch mal Straßen gekreuzt werden. Oder auch nur hobbymäßig im Stadtpark will und darf man ja den suchenden Hund nicht aus den Augen verlieren.

    Wenn man den Hund also mit Geschirr und langer Suchleine ausstattet, ist das schon ein wichtiger Hinweis für ihn, was gleich ansteht.

    Im Gegensatz dazu steht die andere Art der Suche, das Stöbern. Da sucht der Hund nicht eine Geruchslinie, sondern er bewegt sich frei ohne Leine im Gelände und sucht nach bestimmten Gerüchen, die ihm in die Nase wehen. ZB der Vorstehhund im Feld sucht nach dem Geruch von Federwild und signalisiert durch Stehenbleiben, daß er gefunden hat. Der stöbernde Jaghund im Unterholz durchkämmt ein Gebiet nach Wild und treibt es aus seiner Deckung. Im Dummytraining durchsucht der Hund einen Geländeabschnitt und apportiert nacheinander alle Dummys, die vorher dort ausgelegt wurden.

    Auch wenn du einen Gegenstand in der Wohnung versteckst, den dein Hund gezielt suchen soll, ist das eine Stöbersuche.

    Die Aufgabe des HF dabei ist nicht, dem Hund auf dem Fuß zu folgen, sondern das Suchgebiet für ihn abzugrenzen und darauf zu achten, daß der Hund keine Bereiche ausläßt. Der Hund arbeitet also frei und auf Distanz, behält aber trotzdem losen Kontakt zum HF und läßt sich einweisen.

    Dagmar & Cara

    Wenn die Liebe zum Hund so weit geht, dass er den gleichen oder gar einen höheren Stellenwert einnimmt als Mitmenschen, spricht man von einer Vermenschlichung des Tieres.

    Unter Vermenschlichung des Hundes verstehe ich, daß dem Hund eine Rolle übergestülpt wird, die an sich nur ein Mensch erfüllen kann. Ob meine Beziehung zu meinem Hund intensiver ist als die zu Menschen in meinem Leben, hat damit aber nichts zu tun. Dazu ist in diesem Zitat noch nicht einmal klar, um welche Mitmenschen es sich handeln soll. Verwandte? Freunde? Bekannte? Nachbarn? Fremde?


    Meine Hündin Cara steht mir emotional näher als mein Neffe. Ich lebe mit ihr, ich sorge für sie, ich genieße ihre Zuneigung, ich denke jeden Tag viel an sie und wir erleben unser Leben gemeinsam.
    Meinen Neffen, der mir verwandtschaftlich natürlich sehr viel nähersteht, sehr ich ein, zweimal im Jahr und obwohl ich ihn mag, kreuzen sich unsere Lebensinteressen kaum. Heißt daß im Rückschluss, daß ich meinen Hund vermenschliche? Wohl kaum.

    Dagmar & Cara

    ZOS kann man auch drinnen betreiben, Dummy aber nicht. Mit Ausnahme der allerersten Anfangsübungen: Nehmen. Halten und Ausgeben des Dummys.

    Ansonsten ist Dummytraining ein Draußensport im Gelände. Das stets wechselnde Gelände mit vielfältigen Herausforderungen wie Übergänge, Wasser, Bewuchs, Wetter usw macht auch ganz wesentlich den Reiz der Dummyarbeit aus. Dummytraining auf einem Hundeplatz mit Parkrasen ist öde und sinnlos.

    Bei jeder Nasenarbeit gilt: Der Anfang ist ganz kurz und babyleicht! Die ersten Übungen sind nicht dazu da, den Hund nasentechnisch herauszufordern. Sie dienen vielmehr dazu, zunächst einmal gemeinsame Vokabeln zwischen Mensch und Hund zu etablieren. Was genau soll gesucht werden? (Gegenstände? Menschen? Zielgerüche?) Und wie soll gesucht werden? Stöbernd oder auf einer Spur? Was soll am Ende getan werden? Apportieren? Anzeigen?

    Über all das muß man sich mit dem Hund ja erstmal verständigen.

    Rituale werden etabliert, zB ein bestimmtes Geschirr und ein langer Riemen angelegt, was den Hund dann schon auf eine bestimmte Art der Suche einstimmt, sobald er das Ritual mit der Aufgabe verknüpft hat. Ein bestimmtes Wortsignal gibt ihn dann frei zur Suche und die ganze Situation ist so gestaltet, daß er von selbst das Richtige tut und rasch zum Erfolg kommt.

    Als Beispiel eine allererste Leberwurstschleppe:

    Ich bin ausgerüstet mit einer Tropfflasche, in der sich Wasser mit etwas Leberwurst drin befindet. Cara wird an einen Baum gebunden. Ich lasse sie an der Belohnung schnüffeln, einer Dose mit einigen Brocken Leberwurstbrot und stecke sie demonstrativ in meine Tasche. Sie weiß also schon jetzt, worum es geht und ist heiß drauf.

    Zwei Meter vor Cara markiere ich einen Fährtenabgang und gehe dann mit der bei jedem Schritt in meine Gehspur tropfenden Flasche einige Meter geradeaus. Dort plaziere ich die Dose so, daß Cara sie nicht direkt sieht, also zB hinter einem Maulwurfshügel.

    Nun stecke ich die Tropfflasche weg und gehe in einem weiten Bogen außenrum wieder zu Cara. Ich ziehe ihr das Suchgeschirr an oder ein breites Suchhalsband, lege den langen Riemen hinter ihr aus, löse sie von der Leine am Baum und führe sie an den Fährtenabgang. (Ritual) Dort weise ich sie mit der Hand zum Boden ein und gebe das Kommando "Schleppe" dazu, was sie zukünftig mit genau dieser Suchaufganbe verknüpfen soll. Dann lasse ich Cara den Riemen länger, sie wird sich selbstmotiviert auf die Suche machen, den lecker duftenden Tropfen nach. Erfolg, Futterbelohnung, großes Lob und Geschirr ausziehen - Übung beendet!

    Die nächste Steigerung wäre dann, den Weg nicht ganz geradeaus, sondern im leichten Bogen bis hinter eine Deckung zu machen, so daß Cara das Ende der Spur nicht mehr sieht. Immer noch auf ganz kurze Distanz! Und dann allmählich immer weiter steigern. Nicht nur längere Strecken, sondern auch Winkel und sie sieht mir nicht mehr beim Spurenlegen zu. Nicht alles auf einmal erschweren, sondern immer nur ein Element pro Übung! Man kann auch die Zeit steigern, so daß der Hund wirklich nur auf die Tropfen angewiesen ist und nicht mehr meiner in der Luft hängenden Duftspur folgen kann.

    Das Prinzip der Schleppe oder Tropfspur entstammt dem Jagdhundetraining (Schweißfährte), dort findet du auch Genaueres zum richtigen Aufbau.

    Bei allen anderen Nasenarbeiten geht man aber nach dem selben Prinzip vor, daß man dem Hund zunächst eine Situation vorgibt, in der er 100%ig von selbst tun wird, was er tun soll und schnellen Erfolg hat. Dazu etabliert man ein Ritual und ein Hörzeichen. Die eigentlichen Herausforderungen werden erst dann eingebaut, wenn der Hund durch Ritual und Kommando schon weiß, was und wie er suchen soll.

    Cara ist nur Hobby-Spürhund, aber sie hat im Laufe ihres Lebens einige verschiedene Suchaufgaben gelernt und kann sie unterscheiden:

    Stöbersuche:

    Such Leckerli: nach einer Dose mit Käse,

    Such Dummy: nach Dummys: eigenen und fremden;

    Such Euro: nach Münzen;

    Such mein Zeug: nach Gegenständen, die nach mir riechen;

    Such fremd: nach Gegenständen, die nach anderen Menschen riechen (Geruchsprobe vor der Suche)

    Hölzchen: nach dem einzigen Hölzchen in einer Reihe von Hölzchen, das nach mir riecht (Geruchsunterscheidung im Obediencesport)

    Spurensuche:

    Wo isser: Mantrailing

    Schleppe: Leberwurst-Tropfenspur

    Verloren: Gegenstand auf meiner Rückfährte

    Sieht nach viel aus, aber im Laufe des Hundelebens kann schon was zusammenkommen, wenn der Mensch Freude an der Nasenarbeit entwickelt und sich etwas in dieses Thema einarbeitet. Der Hund hat sowieso Spaß dran! :smile:

    Dagmar & Cara

    Um meine Gedanken von vorhin noch einmal aufzugreifen:

    Eine sehr häufige Vermenschlichung, die aber nie mit diesem Wort bezeichnet und kritisiert wird, ist "Chef" und "Untergebener". Das ist eine rein menschliche Beziehung, die auf Tiere angewendet sachlich unzutreffend ist und ganz schnell zu Unverständnis und auch Leid fürs Tier führt. Tiere denken und handeln nicht in diesen Begriffen. Wenn der Hund sich dann in irgendeinerweise seiner Rolle als Befehlsempfänger entzieht, ist er "frech", "weiß es ganz genau", "will mich herausfordern" und muß gemaßregelt und bestraft werden.

    Das ist vielerorts, gerade auch im Hundetraining für Alltag, Sport, Dienst und Jagd nach wie vor gängig. Ob genau mit diesen Begriffen oder davon abgeleitet als Alpha oder Rudelführer versus Rangniederer, wobei den Begriffen wieder die menschliche Chef/Untergebenenrollerolle unterstellt wird, ist letztlich egal,

    Vermenschlichung des Hundes ist auch hier die Grundlage des Denkens. Obwohl gherade die Vertreter dieser Richtung das vehement abstreiten würden.

    Dagmar & Cara

    Mantrailing kann man tatsächlich nur zu mehreren ausüben, man braucht ja eine Zielperson, die gesucht werden muß. Auch eine gute Anleitung und Begleitung, rein per Buch läßt sich das nicht erlernen.

    Bei Dummyarbeit kann man mehr alleine machen, wenngleich eine gute Gruppe das Lernen ganz wesentlich erleichtert und auch viel mehr Spaß macht.

    Aber es gibt viele Möglichkeiten für Nasenarbeit, die man ganz alleine ausüben und nach Buch zumindest just for fun erlernen kann, zB Schleppfährten oder Stöbersuche nach Gegenständen.

    Es gibt so viele Bücher dazu, daß ich hier keine Spezielles herausgreifen kann und will. Zumal ich auch nicht weiß, ob meine Bücher, die ich vor 13 Hahren oder so angeschafft habe, jetzt noch erhältlich sind.

    Googlesuche hilft dir da weiter, die Stichworte sind Nasenarbeit, Schnüffeln, Dummytrainig, Fährtenarbeit, Apportieren, Jagdhundeausbildung usw. Das Stichwort "Anfänger" darf natürlich für den leichteren Einstieg auch mit dabei sein.

    ZOS ist da noch lange nicht das Ende der Fahnenstange!

    Dagmar & Cara

    Der Artikel an sich ist nicht diskussionswürdig, da er lediglich eine Aneinanderreihung von veralteten Klischees ist: "Praktikant, wir müssen noch ein bißchen Platz füllen, schreib mal was Brisantes über Hunde!" - Praktikant surft 10 Minuten durchs Internet und schreibt Obiges.

    Davon abgesehen, wird der Begriff "Vermenschlichung" interessanterweise immer nur auf eine von vielen kritisch zu sehenden Rollen des Hundes im Verhältnis zum Menschen angewendet, nämlich der Hund als Kindersatz. Es gibt aber auch andere kritikwürdige Rollen, die der Hund für Menschen ausfüllt, zB der Sklave, das Sexobjekt (ein Tabuthema) das Sportgerät, das Statusobjekt u.A..

    Bemerkenswert ist daran, daß die Vermenschlichung in der Kinderrolle weitgehend der Frau zugeordnet wird und von Männern bzw einer traditionell männlichen Sichtweise negativ kommentiert wird. Das verwöhnte, von Männern verachtete Schoßhündchen der Frauen schimmert da durch. Das hat eine lange Tradition schon seit mehr als hundert Jahren.

    Umgekehrt werden die überwiegend von Männern bevorzugten Rollenzuweisungern als Diener, Sklave usw traditionell als normaler, angemessener, sachlicher Umgang mit dem Hund angesehen, sieht man mal vom verschwiegenen Tabuthema Sex ab.

    Ältere Hundebücher spiegeln das gut wieder. Ich habe zB ein Buch "Alles über Hunde" aus den Sechziger Jahren, in dem ganz selbstverständlich Stachelhalsband, Würger und Gerte als selbstverständliche Erziehungsmittel für jeden Hund bis hin zu kleinen Begleithunden vorausgesetzt werden. Alles andere wäre Verwöhnen und Vermenschlichen.

    Dagmar & Cara

    Im Gegensatz zu anderen Leistungen in Gehorsam oder Sport kann man mit Nasenarbeit schon früh im Hundeleben anfangen, ohne den Hund dadurch zu überfordern.

    Ich kann mir einfach keinen echten Dackel vorstellen, der wirklich und wahrhaftig nicht fähig wäre, sich auf Gerüche zu konzentrieren. Gesundheitsprobleme oder schwere Defizite in der Aufzucht mal ausgenommen, aber das ist hier ja wohl nicht der Fall.

    Meine Vermutung ist, daß die Leckerchensuche ihn wenig reizt, weil sie zum einen viel zu leicht ist und zum anderen ständig stattfindet.

    Auch daß er, wie du sagst, sich erstmal mit Feuereifer auf die Suche macht, spricht nicht gegen meine Vermutung. Denn es gibt ja Leckerchen, das ist immer attraktiv. Meine Hündin frißt mir mit Feuereifer Leckerchen aus der Hand, das heißt aber nicht, daß sie das als anspruchsvolle Tätigkeit ansieht.

    Auch ein Hund in der Pubertät kann sich konzentrieren, wenn eine Sache ihn wirklich reizt. Denk nur mal an Hündinnenpipi... :roll:

    Eine Tätigkeit ist dann reizvoll, wenn das Gleichgewicht zwischen Leistung und Erfolg stimmt. Wenn man sich also einerseits Mühe geben muß und einem der Erfolg nicht ohne weiteres in den Schoß fällt, man aber andererseits für Anstrengung auch belohnt wird. Zu leicht ist reizlos, zu schwer ist demotivierend. Dasselbe Prinzip gilt für Menschen wie für Hunde.

    Vielleicht kannst du dir mal überlegen, ob du mit deinem Dackel nicht anspruchsvollere Nasenaufgaben angehen willst. Pubertät hin oder her, wildlebende Caniden werden in diesem Alter zu Jagdgenossen im Rudel. Es ist also eine gute Lehrzeit für jagdähnliche Aufgaben, die wir unseren Hunden als Nasenarbeit bieten können.

    Mantrailing, Dummyarbeit, Fährtensuche, Stöbersuche sind alles Stichworte dazu. Gerade für einen Dackel findest du auch Anregungen in der Jagdhundeausbildung, zB wie man eine Tropffährte anlegt. Man muß ja als Nichtjäger kein Wildblut verwenden, Wurstwasser tut's auch. Aufgaben wie Rückwärtssuche nach einem Gegenstand auf der Führerfährte, Stöbersuche nach einem "verlorenen" Gegenstand usw lassen sich gut auf einem Spaziergang einbinden. Alles das wird natürlich in kleinen Schritten aufgebaut, aber dann eben gesteigert, dh Langeweile kommt nicht auf, das ist anders als bei der ewig gleichen Leckerlisuche.

    Solche Aufgaben zu stellen und zu lehren, macht dich in den Augen deines Hundes interessant. Denn du bietest dann abwechslungsreiche, herausfordernde Betätigung an. Das aber bitte nicht ständig und auf jedem Spaziergang.

    Dagmar & Cara

    Ein junger Hund von 15 Wochen braucht keine 20 Stunden Schlaf. So um die 17 Stunden Ruhe (Dösen, Schlafen) sind realistisch.

    Junge Hunde verbringen normalerweise wesentliche Teile ihrer wachen Zeit mit der spielerischen Erkundung ihrer Umwelt.

    Ich vermisse das in deiner Tagesbeschreibung. Ihr habt ihn ja nun schon zwei Wochen, also die allerersten Tage der Gewöhnung an die neue Umgebung sind vorbei.

    Neben den kurzen Gassirunden zum Lösen sollten auch längere Ausflüge geboten werden, in denen er mal was Neues erkunden darf. Damit ist auf keinen Fall ein "draußen auspowern, damit er müde wird" gemeint! Sondern man bringt den Hund an einen Ort, wo er sich gefahrlos nach eigenem Ermessen bewegen kann und zB ein Bachufer erforschen, oder eine Wiese, oder oder... oder man geht mit dem Kleinen mal in belebte Gegenden wie eine Fußgängerzone, und läßt ihn in Ruhe das Getriebe beobachten. Stichwort Umweltgewöhnung.

    Das muß nicht jeden Tag sein, neue Erfahrungen müssen ja auch verarbeitet werden.

    Sogar meine wirklich pflegeleichte Pudelhündin wäre mir wohl die Wände hochgegangen, wenn ich sie im selben Alter auf die Wohnung und kurze Lösegänge draußen beschränkt hätte.

    Hier war es so, daß vormittags und nachmittags jeweils auch ein längerer Aufenthalt im Freien eingeplant war - nicht zu Verwechseln mit strammen Spazierengehen- das kann ein so junger Hund noch nicht leisten!

    Sondern es gab eine paar ruhige Ecken in meiner Umgebung, wo ein junger Hund ohne Leine schnüffeln, spielen und die Welt erforschen konnte. Auch mal Spielkontakt mit Gleichaltrigen.

    Kommandotraining würde ich bis auf das Allernötigste (Heranrufen und Abbruchsignal) erst mal beiseitelassen.

    Dagmar & Cara