Beiträge von dagmarjung

    Die Stichworte wurden schon genannt:

    - Gesundheit: Eine verborgene Schmerzproblematik (zB Zähne, Ohren, Rücken usw) kann sich in "schlechter Laune" gegenüber Artgenossen äußern, lange bevor andere Anzeichen erkennbar sind. Der Verdacht liegt besonders dann nahe, wenn der Hund sein Verhalten quasi von heute auf morgen ändert.

    Das kennen wir auch von uns selber, mit Zahnschmerzen sind wir nicht unbedingt die nettesten und geduldigsten Mitmenschen. Da ist also ein Tierarztcheck angesagt.

    - Lebensalter der Hündin: Wenn Hunde nicht nur körperlich, sondern auch in ihrem Wesen wirklich erwachsen werden, möchten sie in der Regel mehr Abstand und Respekt von Artgenossen haben. Gespielt wird dann, wenn überhaupt, nur noch mit wenigen, gut belkannten Freunden. Sie sind dann auch eher bereit, Dinge zu verteidigen, die sie für sich beanspruchen.

    - eine mögliche anstehende Läufigkeit: kann auch zu einem Ernsterwerden bei der Hündin führen, gerade in diesem Alter gibt das noch mal einen Entwicklungsschub.

    Es gehört zum normalen Hundeverhalten, Dinge deutlich für sich zu beanspruchen und gegebenenfalls zu verteidigen. Das betrifft zB Beute wie Dummys oder Bälle, Futter, Liegeplätze und überhaupt den Heimbereich. Es ist also völlig normal, daß deine Hündin keine Konkurrenz dulden will.

    Als Hundehalter muß man sich dessen bewußt sein und viele Situationen managen. ZB niemals Wurf- und Beutespiele machen oder Leckerchen verteilen, wenn mehrere Hunde frei laufend anwesend sind. Auch nicht einfach so einen fremden Hund in der Wohnung herumlaufen lassen, besser beide Hunde anleinen, kontrollieren und trennen.

    Junge Hunde lösen ihre Konflikte mit Artgenossen oft durch "Fiddeln", das heißt anbiedern und anspielen, oft recht hektisch: "tu mir nichts, ich bin nur ein harmloser Welpe!". Das führt die Halter dann oft zu dem Trugschluss, ihr Hund würde alle anderen Hunde lieben und bräuchte möglichst viele Hundekontakte. Das ist aber gar nicht der Fall. Oft ist der Hund einfach überfordert mit den vielen Hundebegegnungen, weiß aber keine andere Lösung. Wenn er dann erwachsener und selbstbewußter wird, grenzt er sich durch Agressionsverhalten deutlicher ab. Der Grundkonflikt ist aber derselbe geblieben.

    Der Hund sollte lernen: man kann an anderen Hunden auch einfach ohne Kontakt vorneigehen und muß sich gar nicht mit ihnen befassen. Das kann enorm entlasten. Es erfordert aber Konsequenz und Geduld, ihm das beizubringen, wenn der Hund bis dahin alles immer selber regeln mußte.

    Ich hatte das schon so verstanden, dass einige Leute gar nicht mitgehen, dass die Vibrissen bei den Hunden überhaupt eine Funktion haben oder dass die Funktion nicht "wichtig" wäre.

    Ich glaube, jeder, der schon mal Hunde einerseits und Katzen, Ratten oder Kaninchen andererseits im Vergleich beobachtet hat, kann bestätigen, daß die Tasthaare bei den letzteren eine viel, viel größere Rolle spielen als bei Hunden. Was nicht heißt, daß sie bei Hunden völlig funktionslos wären. Aber eben doch eher nachrangig.

    Bei Hunden wiederum gibt es nicht "den" Hund. Wieviel Funktion die Tasthaare haben , ist je nach Rasse und Behaarung und auch individuell unterschiedlich. Bei einem Hund mit wolfsähnlichen Fell wie Schäferhund oder Husky stehen die Vibrissen frei und sind normalerweise auch gut ausgeprägt.
    Bei anderen Rassen sind die Tasthaare verkümmert, verkrümmt, fehlen teilweise oder sind im dichten Bart versteckt.

    Ein Unterschied in der Lebensqualität läßt sich aber nicht erkennen. Ich habe einen deutschen Schäferhund, einen Sheltie und einen Pudel gehabt und kann das somit durchaus vergleichen. (Am wenigsten Lebensqualität hatte übrigens der Sheltie ganz unabhängig von seinen vorhandenen Tasthaaren, und zwar aufgrund seiner ausgeprägten Unsicherheit. )

    Konsequent im Sinne von Zurimor weitergedacht, dürften eigentlich überhaupt nur noch Hunde mit möglichst wolfsähnlichem Aussehen gezüchtet werden, denn alle anderen, die von diesem Muster abweichen, sind ja in der einen oder anderen Weise eingeschränkt: Hängeohren sind Stehohren unterlegen, kurze Beine sind weniger effektiv als lange, kurzes oder weiches Fell wärmt nicht ausreichend, Ringelschwänze sind weniger präzise in der Kommunikation als eine voll bewegliche Rute usw usf.

    Hunde bestehen aber nicht nur aus Tasthaaren, sondern bringen viele weitere Eigenschaften mit, die zu den Haltern und ihren Lebensumständen passen sollten. Die Vielfalt der Rassen sah kein Geringerer als Eberhard Trumler als eine große Kulturleistung des Menschen an, vergleichbar mit der Mondlandung. Und das war ein Forscher, der sich so intensiv wie nur wenige andere mit Hunden und ihren wilden Verwandten befaßt hat.

    Die Konsequenzen der Schur der Vibrissen für die Tiere, so das Gutachten, sind gravierend und können von Fehlverhalten bis hin zu psychischen Defekten führen."

    Ich wußte nicht, was für einen verhaltensgestörten, kommunikationsbehinderten, psychisch defekten Hund ich die letzten 14 Jahre hatte. :emoticons_look:  :no:

    Irgendwie hat Cara das immer sehr gut versteckt...

    Noch kurz am Rande: gäbe es den Pudel mit kurzbehaarter Schnauze wie z.B. Curly coated Retriever, würde ich das, unabhängig von der aktuellen Diskussion, klar bevorzugen. Wäre es möglich das beim Pudel züchterisch zu erreichen?

    Nein, Das ist ein ganz anderer Erbfaktor beim Curly. Das Fell ist ein ganz normales Hundefell, dessen Haare nur bis zu einer bestimmten Länge wachsen und dann ausfallen. Der Curly haart also auch ganz normal und muß nicht geschoren werden. Nur sind die Haare eben gelockt.

    Beim Pudel und auch einigen anderen Rassen wächst das Haar überall am Körper so wie Menschenhaar und muß daher zwingend gekürzt werden, soll der Hund nicht irgendwann im eigenen Filz zugrundegehen.

    Ich hatte ja geschrieben, daß meist der Mensch Suchtverhalten beim Hund provoziert, typischerweise durch ständiges Bällchenwerfen. Aber davon abgesehen gibt es durchaus Hunde, die von sich aus zu Suchtverhalten neigen und sich auch ohne direktes Zutun des Menschen in Dinge hineinsteigern können. Auch das jugendliche Alter deiner Hündin wäre dafür typisch, auch beim Menschen sind bekanntlich Jugendliche besonders anfällig dafür, Süchte zu entwickeln, was mit der Entwicklungsphase zusammenhängt.

    Du hast also ganz recht, wenn du das Verhalten deiner Hündin wachsam beobachtest.

    PS: ich habe bewußt nicht von 3 Stunden draußen gesprochen, sondern von 3 Stunden Zeit für den Hund, also inclusive aller Versorgungstätigkeiten und sonstiger Beschäftigung. Das ist, wenn man es wirklich mal über den Tag zusammenrechnet, schon realistisch, auch wenn man es als erfahrener Hundehalter nicht so empfindet, weil man es als Routine in den Alltagsablauf integirert hat.

    Und die von dagmarjung anvisierten 3 Stunden Zeit pro Tag extra nur für den Hund, kann ich nicht bestätigen. Der Hund ist eh häufig bei allem dabei, was man macht, gerade mit Kindern ist man ja viel draußen, da kann man einen Teil gemeinsam gestalten, das deckt schon mal viel 'Beschäftigung' ab (wenn man eben keinen Spezialisten mit besonderen Bedürfnissen hat).

    Und ich mache sogar Hundesport, recht ambitioniert, also das geht auch ohne die drei Stunden 'extra'. Hundesport okkupiert eher mal ganze Tage (Turniere, Hilfe als Vereinsmitglied, Seminare ....)

    Ich glaube nicht, daß wir mit unseren Vorstellungen weit auseinander liegen. Wenn du Hundeport machtst, verwendest du ja offenssichtlich allein an diesen Tagen schon weit mehr als drei Stunden Zeit für den Hund. Hinweg, Gassi, Aufwärmen, Training, Rückweg... das ist ja das mindeste, wenn man in einem Verein trainiert.

    Wenn man Hunde zu Aktivitäten mit Kindern mitnehmen kann wo der Hund mehr davon hat als nur an kurzer Leine am Kinderwagen mitzugehen, zähle ich das selbstverständlich auch zu den drei Stunden.

    Die drei Stunden sind auch nicht in Stein gemeißelt als tägliches Pensum gemeint. Eher als Durchschnitt, mal mehr, mal weniger.

    Ich schreibe nun ausnahmsweise auch mal den Satz, für den es im Forum oft Haue gibt: ich habe nur die ersten Beiträge gelesen. :smile:

    Für mich gibt es eine wichtige Frage, die ich mir stelle: Habe ich im normalen Alltag drei Stunden am Tag nur für den Hund zur Verfügung? So im Schnitt und ohne Stress? Das umschließt nicht nur die Spaziergänge, sondern auch Fütterung, Erziehung, Pflege, Wegezeiten, allgemeine Beschäftigung mit dem Tier. Und damit meine ich nicht Kuscheln auf dem Sofa beim Fernsehen. Sondern Zeit, in dem der Hund im Mittelpunkt steht und nicht nur dabei ist.

    (Diese Zeit kann natürlich in einer Familie auch unter mehreren Personen aufgeteilt werden.)

    Klar müssen auch Platz und Geld da sein. Aber wenn es am Faktor Zeit mangelt, wird die Freude zum Stress, zum schlechten Gewissen und schlimmstenfalls führt der Hund ein Leben am Rande und kommt nicht zu seinem Recht. Ein Problem, das gerade auch Eltern mit kleineren Kindern haben, da diese nun mal vorgehen und Hunde bei vielen Aktivitäten der Kinder nicht gut eingebunden werden können bzw nicht erlaubt sind.

    Natürlich wird es je nach den Umständen auch mal zeitweise zu Einschränkungen kommen, das ist auch nicht schlimm, damit kommen Hunde klar. Und hoffentlich geht es oft, zB am Wochenende auch mal darüber hinaus. Natürlich kann man Hunde auch in viele Alltagstätigkeiten einbinden, zB erst eine Hunderunde im Grünen, dann auf dem Weg noch was erledigen, Freunde besuchen usw.

    Aber grundsätzlich halte ich diese drei Stunden Hundezeit am Tag für ein gutes Richtmaß.

    Hunde machen es uns insofern leicht, als daß sie viel mehr ruhen und schlafen als Menschen und man muß sie wirklich nicht 24/7 bespaßen, das schadet ihnen nur. Verhaltensforscher kamen in Studien an verwilderten Hunden auf durchschnittlich etwa 17 Stunden Ruhezeit am Tag.

    Wenn neben den anderen Voraussetzungen die nötige Zeit da ist, dann macht ein Hund viel Freude und bereichert das Leben sehr. :smile: