Beiträge von Pebbles

    Der Erfolg mit der Rappeldose / Discs stellt sich IMMER sehr schnell ein - aber er wird nie dauerhaft sein. Es wird immer zu "Nachfragen" deines Hundes kommen, ob du die Dose noch greifbar hast. Du als Person mußt glaubwürdig für den Hund werden - nicht du als Person mit "Waffe" in der Hand, denn dann wirst du direkt wieder unglaubwürdig, sobald das Ding weg ist. Und dann befindest du dich ruckzuck in einer Spirale. Denn nach einiger Zeit wird die Dose keine Wirkung mehr zeigen oder das Sprühhalsband - und dann?

    Warum ist deine Trainerin gegen Handfütterung?

    Ich kann dir nur mal ein Beispiel erzählen. Anfang April d. J. kam Paco zu uns. Ein 4 Monate alter, völlig verzogener Border-Rüpel. Den ersten Abend füttere ich, komme in die Küche zurück und habe nur schnell die Tür hinter mir zugezogen, so ging der kleine Mann auf mich. Frag mich bitte nicht, wie viele Bisswunden ich in den ersten Tagen hatte. Altersgemäß litt er noch unter natürlicher KLeptomanie - liess sich aber NICHTS wegnehmen. Die kleine Saftsocke biss sich regelrecht fest und biss auch nach, wenn man ihn los hatte. Er lief weg, sobald er nur konnte. Menschen waren ihm sch... egal. er war der King, alles gehört ihm.

    Ich habe den Hund wochenlang nicht angeschaut. Er wurde kommentarlos angeleint an eine Schleppleine, dann gings Gassi mit zwischendurch Futterbelohnung, wenn er von sich aus Kontakt mit mir aufnahm. Weiterhin haben wir über Tauschspiele erarbeitet, daß er freiwillig Sachen abgegeben hat, die er geklaut hatte. Weiterhin bekam er keine Beachtung. Nach 2-3 Wochen bekam er Beachtung, wenn er sich ruhig und still vor mich setzte - mehr nicht.

    Glaub mir, mir ist es IRRE schwer gefallen, so einen kleinen Knopf so leiden zu sehen. Seine Welt brach ja zusammen. Er war nicht mehr King - im Gegenteil, er war Aussenseiter durch sein Verhalten. Langsam Schritt für Schritt erkämpfte er sich seinen Weg zurück ins Rudel.

    Happy End folgte gestern, er ist gestern in seine neue Familie umgezogen. Nach über 3 Monaten harter und konsequenter Arbeit - und das bei einem so jungen Hund.

    Nur mal wirklich als Beispiel, wie lange so etwas dauert. Und ich bin sicher, bei einem älteren Hund wird sich das noch länger hin ziehen, da er viel viel länger schon sein Ding durchziehen konnte.

    Ich bin sicher, daß du irgendwann darüber weg kommst und dann auch stolz auf dich selbst sein kann, daß deine Liebe für Nero ausgereicht hat, um auf ihn zu verzichten! Ich bin sicher, er wird es dir einfach nur danken.

    Hunde sind zum großen Teil stark opportunistisch veranlagt. Ich hatte Anfangas ja auch gedanklich "Probleme" damit, Pflegehunde aufzunehmen und sie dann wieder "abzuschieben". Ich dachte, die Hunde müssen dann doch völlig durch den Wind sein. Dem war in keinem Fall so. Hunde leben wohl nach dem Motto "wo mirs gut geht, da bin ich daheim". Alle Pflegehunde, die ich bisher wieder getroffen habe, haben sie gefreut mich zu sehen, mich freundlich begrüßt - keiner ist sauer, kaum einer hatte Eingewöhnungsprobleme, keiner hatte Probleme, die länger als 2 Tage anhielten, wo dann erstmal die Umstellung etwas zu viel war. Sogar eine super unsichere Hündin, mit der wir viel gearbeitet haben, hat sich sofort im neuen Heim wohl gefühlt.

    Huhu!

    Ich rate den Leuten immer, mindenstens 6 Monate keinen Kontakt zum Hund zu haben. Auch für den Hund. Klar erkennt der einen nach 6 Monaten auch noch wieder i.d.R. aber in dieser Zeit hat der Hund schon Bindung an die neue Familie geknüpft und sieht sie eher als sein neues Rudel an.

    Obendrein wird auch bei dir in der Zeit Gras drüber gewachsen sein. Auch wenn man es nicht glaubt, in dieser Zeit läuft eine Menge an Verarbeitung und in 6 Monaten wirst du dich dann einfach nur noch freuen, wenn du ihn siehst und ihm gehts wirklich gut.

    Kontakt zur Familie kannst du ja weiter halten. Vielleicht schicken sie dir ab und an mal Fotos und Berichte, daß du siehst, alles ist ok.

    Ich bin kein Fachmann - das würde ich mir nie anmaßen, ich habe nur viele verkorkste Hunde in meinem Leben kennen gelernt und auch hier wohnen geahbt.

    Ich würde das ganze Leben des Hundes umstellen. Futter gibts nur noch aus der Hand und nur noch, wenn der Hund vernünftig mitarbeitet, ansonsten hungert er eben. Box würde an einen Platz platziert, wo am Tag Ruhe herrscht und nicht ständig jemand vorbei muß, von mir aus in die hinterletzte Ecke der Wohnung, wo sonst der welke Gummibaum steht, damit überhaupt was da ist. Den Hund an sich würde ich mit gnadenloser Ignoranz behandeln. Er bekommt nur dann Beachtung, wenn ich das meine. Daher würde ich auch draußen viel mit Schleppleine arbeiten, um ihn möglichst wenig ansprechen zu müssen. Sofa und andere prädestinierte Liegeplätze wären absolutes Tabu. Der Hund hat zu lernen auf Kommando auf seinem Platz liegen zu bleiben und den nicht zu verteidigen, das würde ich über positive Verknüpfungen erarbeiten, ebenfalls über Arbeit mit dem Futter. Usw. usw.

    Nicht in wenigen Tagen erfolgbringend, aber damit habe ich schon ganz andere Hunde wieder hingebracht.

    Rappeldose ist Gewalt gegen den Hund - egal wie laut oder sonstwas sie ist oder nicht. Es ist Arbeit mit negativen Reizen und die wird dich NIE endgültig ans Ziel bringen.

    Cindys Ausreißphase damals hat uns bis nach Bremen (!!) in ein TH geführt, sie wieder einsammeln und das binnen von 2 1/2 verschwundenen Tag. Also daran sieht man denke ich das Laufbedürfnis.

    Übrigens haben wir sie nicht ganz abgegeben. Für Gassigehen, Hundeplatz usw. ist sie weiterhin immer mit mir mitgekommen und wir wohnten auch nur wenige Häuser entfernt, so daß sie quasi nur ihren "Zwinger" ein paar Häuser weiter hatte.

    Ich kenne hier auch 2 Huskies, die aber am Tag locker flockig 30 bis 40 km mit Frauchen am Rad laufen oder joggen usw. Extrem bewegungsfreudige Familie. Aber ganz ehrlich - wer kann das wirklich täglich bieten? Und am WE sieht man die Leute gar nicht, nur oft spät abends mitsamt der Hunde aus dem Wald kommen.

    Ich muß mich Wakan mal anschließen.

    Wir haben selbst, als ich 19 war, einen Husky aus dem Tierheim geholt. Wir haben zunächst einige Jahre versucht, einen Haushund aus ihr zu machen. Ja, sie war ein toller Hund, gehorchte, hatte ebenfalls die BH - aber: sie war unglücklich, riss häufig aus, zeigte trotz viel Mühen immer weiter Aggressivität gegen Artgenossen. Nach 3-4 Jahren entschlossen wir uns, aus ihr das zu machen was sie war. Ein Rudelhund und ein Hund für draußen. Sie kam zu zwei weiteren Huskymixen, die einer Freundin von mir gehörten auf Probe einfach mit in den Gartenauslauf - und veränderte sich völlig. Sie war mir gegenüber immer noch sehr loyal, aber sie hat nie wieder anstalten gemacht, abzuhauen. Sie ist NIE wieder auf einen anderen Hund losgegangen und war viel ausgeglichener.

    Ich glaube, die Gefahr bei Huskies ist einfach, daß man ihnen das Unglück auch nciht ansieht. Huskies haben so einen neutralen Gesichtsausdruck, daß Veränderungen kaum sichtbar sind, sie tragen immer die Rute "freudig" nach oben (für den Menschen, der es so denkt), sie freuen sich natürlich immer über Bewegung usw. Aber tief im inneren leiden sie in engen Wohnungen und als Einzelhunde glaube ich Höllenqualen.