Fertig. Leider.
Was für eine Geschichte, was für ein Ende...
So schön und so traurig zugleich.
Einer der besten Romane, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.
"Das kleine Haus in den Dünen" von Julia Rogasch
Wie schon angedeutet, lassen Titel und Klappentext auf eine 08/15-Story schließen. Dem ist aber nicht so. Es ist alles anders, als man denkt, und das ist gut so.
Es geht um Clara und Max. Mal ist die Geschichte aus Claras Sicht (Ich-Form) geschrieben, mal aus Max´ Sicht (Ich-Form). So kann man gut deren Seelenleben nachvollziehen und mitbekommen, wie sie auf ein und dieselbe Situation reagieren.
Clara ist Mitte / Ende 30, hat Familie. Ihr neunjähriger Sohn ist an Asthma erkrankt; eine schwere Form mit Erstickungsanfällen. Wegen der Arzttermine und weil sie ihren Jungen nicht alleine lassen will, arbeitet sie nur noch ein paar Stunden die Woche. Das merken sie natürlich finanziell. Wegen der finanziellen Probleme und der gesamten Situation gibt es inzwischen ständig Streit.
Max ist Sohn eines erfolgreichen Unternehmers, so alt wie Clara. Claras Eltern haben so lange er denken kann, in diesem Unternehmen gearbeitet und haben sich von Anfang an mit seinen Eltern angefreundet. Deshalb kennt er Clara von klein auf. Sie sind zu allerbesten Freunden geworden, bis er sie vor über zehn Jahren bitter enttäuscht hat. Seitdem sind sie sich spinnefeind. Aber auch die Jahre vorher haben sie sich ein wenig voneinander entfernt, weil er das Luxusleben, das ihm bis dahin egal war, nun voll ausgekostet hat, dank neuer, reicher Freunde. Dadurch hat er sich total verändert, was Clara überhaupt nicht gut fand.
Für ihn zählten nur noch Parties, Autos, Uhren und andere Luxusartikel. Ebenso hat er Frauen nur für One-night-Stands gebraucht, und sie danach fallen lassen und ignoriert.
Nun, am Anfang des Romans, bekommt Max die Diagnose COPD. Und zwar in einem sehr fortgeschrittenen Stadium, wo ihm vielleicht noch ein, zwei Jahre bleiben.
Er beschließ, niemandem davon zu erzählen, auch seinen Eltern nicht. Ebenso beschließt er, wenn es immer schlimmer wird und er auf andere angewiesen sein wird, seinem Leben ein Ende zu setzen.
Und plötzlich erscheint ihm sein Luxusleben sinnlos. Er erkennt, daß all die Dinge überflüssig und wertlos sind. So zieht er sich zurück.
Das fällt seinen Eltern auf. Sie machen sich Gedanken. Und so beschließen seine und Claras Eltern, zusammen Kaffee zu trinken, und ihre Kinder dazu einzuladen.
Man kann sich vorstellen, daß die beiden nicht sehr erfreut über ihr Wiedersehen sind.
Claras Sohn Lennart und ihr Mann Paul sind von ihm und seinem Auto begeistert. Und der kleine Lennart löst etwas in ihm aus. Eigentlich hat er nie Kinder gewollt und auch so nichts für Kinder übriggehabt, aber Lennart hat er von Anfang an gemocht.
Dann haben Claras und Max´ Eltern die Idee, wieder Ferien auf Sylt zu machen. Max´ Eltern haben da schon immer ein Haus, wo sie als Kinder schon zusammen Urlaub gemacht haben. Da es aber ein anderes ist als früher, wo nicht alle zusammen reinpassen, wollen sie Max fragen, ob er sie in seinem Gästehaus wohnen läßt (er hat das "alte" Haus, nebst Gästehaus der Eltern).
Zu aller Verwunderung stimmt er zu. Und so fahren Clara, ihre Mutter und Sohn Lennart nach Sylt (ihr Mann muß arbeiten).
Clara fällt sofort auf, daß Max sich verändert hat. Daß er wieder so ist wie ganz früher, und fragt sich, warum er auf einmal wieder so ist.
Sie unternehmen viel zusammen. Aber Max unternimmt auch viel mit Lennart alleine.
Clara findet das alles mehr als merkwürdig, will herausfinden, was los ist. Und nach und nach kommt sie hinter sein Geheimnis.
Max bekommt durch den kleinen Lennart neuen Lebensmut. Und er fängt an, so vieles zu bereuen. Seine Gedanken sind so voller Bedauern und Traurigkeit, weil ihm keine Zeit mehr zum Wiedergutmachen bleibt, daß einen das ganz schön nahgeht.
Und gerade, als er beschlossen hat, um sein Leben zu kämpfen und nicht aufzugeben, schlägt das Schicksal erneut zu...