"Flüchtiges Glück" von Ulla Mothes
Was für ein Roman! Spannend wie ein Krimi.
Milla ist Anfang 20, ohne Vater aufgewachsen. Ihre Mutter verschweigt ihr vehement, wer der Vater ist; behauptet sogar, sie wisse selber gar nicht, wer der Vater sei.
Nun ist Milla selber schwanger. Ihr Freund Navid, ein afghanischer Flüchtling, möchte unbedingt, daß sie ihren Vater sucht; genauso wie er spürt, daß in der Familie irgendetwas geschehen sein mußte. Er meint, er heiratet sie erst, wenn alles aus der Welt geräumt ist, weil Negatives in der Familie von einer Generation zur nächsten gegeben wird.
Darüber ist aber ihre Familie nicht gerade begeistert.
Ihre Großeltern sind im Herbst 1989 mit ihrer damals 13jährigen Tochter aus der DDR geflohen. Zurück in ihrer Heimat sind sie bisher nie wieder auch nur kurz gewesen. Angeblich, weil es so wehtun würde.
Warum sie genau geflohen sind, haben sie auch nie erzählt.
Milla braucht für ihr Studium Wasserproben, die sie analysieren soll. Ihre Großeltern fahren mit ihr dann doch in ihre Heimat - Bitterfeld-Wolfen - damit sie da Proben nehmen kann. Denn da würde es mit Sicherheit noch vieles zu finden geben.
Bei der Probenentnahme wird Milla bewußtlos von den Dämpfen. Sie fahren mit ihr in ein Krankenhaus, wo ein alter Arzt meint, sie sähe wie eine ehemalige Kollegin aus. Das macht Milla neugierig. Könnte die Ärztin eine Verwandte sein?
Doch keiner will so recht reden.
Später schenken Milla und Navid ihrem Opa zum Geburtstag eine Reise in die Vergangenheit. Sie wollen mit ihm nach Bitterfeld-Wolfen fahren; zum ehemaligen Werk, wo er gearbeitet hat und in die Siedlung Steinfurth, wo sie gewohnt haben. Dabei kommen sie auch auf den Friedhof.
Auf dem Friedhof ist ein betrunkener Mann an einem Grab, der wütend auf sie zukommt. Er schimpft, daß sie sich davonmachen sollen; behauptet, daß die Frau von Millas Opa bei der Stasi gewesen ist und seine Frau auf dem Gewissen hat.
Nun hat Milla noch mehr Grund nachzuforschen, was damals passiert ist. Ihre Oma will nicht darüber reden, ihr Opa weiß von nichts. Ihre Mutter findet währenddessen auch noch etwas anderes heraus, das mit der Sache im gewissen Sinn etwas zu tun hat.
Was ist damals wirklich geschehen? Hat Millas Oma wirklich ihre Freundin umgebracht?
Es gibt viele Rückblicke in die Zeit von damals, die ganz langsam ein Bild ergeben. Zum Schluß wird dann alles aufgeklärt.
Besonders gut finde ich, daß die DDR-Zeit weder verherrlicht, noch verteufelt wird. Es wird sowohl Gutes als auch Schlimmes erwähnt.
Es wird auch von der Wende geschrieben, wie das damals da gewesen ist; daß Treuhand und andere sich alles unter den Nagel gerissen und dichtgemacht haben; vom darauf folgenden Frust der Menschen, der sich ja bis heute durchfrißt, was eine der Ursachen für die heutige Stimmung in den "neuen" Bundesländern ist.
Und persönlich finde ich es "lustig", daß der Roman teilweise in Bitterfeld-Wolfen, in der Siedlung Steinfurth, spielt - denn da kommt meine Hündin her.