Beiträge von Cattledogfan

    Ich an Deiner Stelle würde die Zeit im Schichtdienst nutzen und versuchen, Gassigängerin in einem Tierheim zu werden. Manche Tierheime verlangen vorher die Teilnahme an einer Einführungsveranstaltung oder an einem Seminar - was ja nicht schaden kann, man lernt als Hundeanfänger (und als solchen würde ich Dich einschätzen, denn Du hattest ja noch nie eigenverantwortlich einen Hund) eine Menge.

    Wie Du schriebst, hast Du relativ oft frei zu Zeiten, zu denen andere arbeiten, und diese würde ich nutzen, um meinen Wunsch nach Feld-, Wald- und Wiesenaktivitäten mit Vierbeiner zu verwirklichen.

    Das hat den Vorteil, dass Du nicht sofort die volle Verantwortung für ein Tier übernehmen musst und Dich erst einmal langsam an das Leben mit Hund herantasten kannst. Außerdem kannst Du unterschiedliche Hundetypen kennenlernen. Sich einlesen ist gut und schön, aber nichts ersetzt die Praxis, die eigene Wahrnehmung am lebenden Objekt, etwas, was Du durchaus aus Deinem Beruf kennen dürftest; Stichwort "Patientenbeobachtung".

    Wir leben in Zeiten von Landeshundeverordnungen, und je dichter das eigene Wohnumfeld besiedelt ist, desto besser muss ein Hund heutzutage "funktionieren", und gerade als Anfänger schätzt man mangels Erfahrung so manche Situation falsch ein.

    Du schreibst, Du suchst nach einem Hund, der für Rettungshundearbeit geeignet ist - Gegenfrage: Bist Du Dir sicher, dass Du für einen besonders arbeits- und lernwilligen Hund geeignet bist? Dass Du ihn entsprechend motivieren, anleiten und führen bzw. seine Leistungsgrenzen erkennen kannst? Lies Dich mal durch die Rubrik "Probleme mit Euren Hunden"; allein das Thema "Alleine bleiben" kommt gefühlt alle Woche einmal neu hoch.

    Ganz ehrlich, bevor ich in die Königsklasse der Hundebeschäftigung (in diese Kategorie würde ich Rettungshundearbeit stecken) aufsteige, würde ich mir erst mal Gedanken darum machen, wie man als Vollzeitarbeitender (bin ich übrigens auch) am besten den ganz normalen Alltag mit Hund meistert und den Hund alltagstauglich bekommt.

    Caterina

    Ich sehe die Nachtwachen als problematisch an, denn wenn der Hund in Deiner Abwesenheit - und sei es auch nur an 5 Nächten im Monat - in einem Mehrparteienhaus keine Ruhe hält, hast Du ganz schnell Riesenärger an der Backe - und zu Recht...

    Könntest Du den Hund während der Nachtwachen zu Deinen Eltern bringen?

    Ich würde mich an Deiner Stelle auch nicht auf (eine) bestimmte Rasse(n) festlegen, sondern vielmehr nach einem Individuum Ausschau halten, bei dem Du ein gutes Gefühl hast und mit dem Du zurecht kommst. Einen Tierschutzhund kannst Du fast immer vorher kennenlernen, die Tierheime freuen sich sogar, wenn jemand vorher erst einmal mit dem Hund Gassi geht.

    Einen Hovawart würde ich persönlich wegen des evtl. stark ausgeprägten Territorial- und Wachtriebes ausschließen.

    In einem Mehrparteienhaus sollte der Hund vor allem offen und menschenfreundlich und nicht zu groß sein, damit es keinen Ärger mit den Mitbewohnern gibt, da es immer sein kann, dass jemand keine Hunde mag oder sogar Angst hat, und glaube mir, in einem Treppenhaus ist es gar nicht so einfach, einen größeren Hund an anderen Menschen (evtl. mit Einkaufstasche, etc.) vorbeizumanövrieren, wenn der Hund aus irgendeinem Grund zu ihnen hin will.

    Auch große, langhaarige Hunde, die bei Mistwetter mit einem Schütteln den Hausflur neu dekorieren, kommen evtl. nicht so gut an, es sei denn, Du putzt immer bis zu Deiner Wohnungstür hinterher.

    Das wichtigste Entscheidungskriterium für oder gegen einen bestimmten Hund sollte m. E. immer sein, ob das Tier kompatibel mit dem eigenen Alltag (Zeit, Wohnverhältnisse) ist.

    Caterina

    Ich finde die Entscheidung zur Abgabe die einzig richtige, und ich finde es noch besser, dass sie so schnell fiel, denn sobald Kinder gefährdet werden könnten (da niemand im Haushalt lebt, der den Hund lesen und entsprechend managen kann), ist meiner Meinung nach das Wohl des Hundes zweitrangig.

    Ich wollte es nur nicht schreiben, weil mir schon die Überschrift so vorkam, dass dem Besitzer gar nicht bewusst war, was der Hund da - höchstwahrscheinlich - abzieht, und er auch den Hinweis von flying paws wohl nicht verstanden hat.

    Noch ist der Hund jung, er ist noch lange nicht fertig im Kopf, und falls der Besitzer noch mitliest, würde ich ihm ans Herz legen, bei der Vermittlung eine rassekundige Nothilfe zu Rate zu ziehen; es wurde ja schon auf den Schweizer Sennenhund-Verein hingewiesen.

    Auch ich hoffe, er kommt bald gut unter.

    Caterina

    Ich habe in diesem Forum mal einen sehr klugen Satz gelesen: "Die Genetik kann man nicht betrügen."

    Ich würde mich jetzt nicht als Rasseexperten für "Schnappenzeller" bezeichnen, aber trotzdem mal in den Ring werfen, dass die Rasse als Haus- und Hofwächter sowie als Rindertreibehund auch mental sehr starke, durchsetzungsfähige Hunde hervorbringt und dass es durchaus sein kann, dass der Hund jetzt an der Schwelle zum Erwachsenwerden zeigt, dass er gezüchtet wurde, um eigenständige Entscheidungen zu treffen, wer was zu tun und zu lassen hat; es schrieb ja jemand mit Rasseerfahrung, dass die Hunde z. T. auch Familienmitglieder begrenzen.

    Irgendwie erinnert mich der Thread hier an PrinzessinMollys Beitrag "Hilfe Diesel hat mich gebissen", wo sich ein junger ACD-Rüde beim Spaziergang quasi einen Sparringpartner hinter einem blickdichten Zaun suchte. Diesem Hund hier bieten sich die Familienmitglieder ja geradezu auf dem Präsentierteller als Trainingsobjekte dafür an, wie man sich Unliebsames kurz, prägnant und unmissverständlich vom Leib hält.

    Sicherlich ist auch ein Appenzeller irgendwo "nur" ein Hund wie andere auch, aber ich habe den Eindruck beim Lesen, dass sich die Besitzer überhaupt nicht bewusst sind, was sie sich da ins Haus geholt haben.

    Und ohne dieses Verständnis für die über viele, viele Generationen angewölften Eigenschaften und die bewusste Entscheidung für einen solchen Hund (mit dem man unglaublich viel Spaß haben kann) kann man allenfalls Management betreiben.

    Caterina

    Hallo Lucy-Lou,

    selbst wenn Dich ein redseliger Hund nicht stört - Du hast Aussies, nicht wahr? -, so kann daraus ganz schnell ein handfestes Problem werden, wenn Du z. B. in einem Mehrparteienhaus wohnst, in dem die Stimmung relativ hundeintolerant ist und selbst gelegentliche Lautäußerungen eines Hundes zum "Dauerbellen" oder "Verbellen" der Mitbewohner hochkochen.

    Caterina

    Dass Mensch & Hund zueinander passen müssen - ich möchte z. B. nie & nimmer einen Windhund und wäre sicherlich mit einem Herdenschutzhund gnadenlos überfordert -, ist sicherlich ein Faktor, aber ich würde auch die allgemeinen Lebensumstände dazurechnen, wenn es darum geht, ob man den eigenen Hund als unkompliziert empfindet oder nicht.

    Meiner Meinung nach passt nämlich nicht in jedes Leben, wo wenig räumlicher und zeitlicher Puffer für einen Plan B ist, ein Hund... bzw. nicht unbedingt der Hund, der den Interessenten vorschwebt... und dann zieht ein Problem das nächste nach sich, wenn Verhaltensweisen des Hundes, die durchaus im Normbereich sind, einfach nicht in das Zeitfenster passen oder sich nicht mit der Erwartungshaltung des Menschen decken.

    Ich denke, "kompliziert" wird ein Hund dann, wenn der Aufwand, den man mit ihm betreibt bzw. betreiben muss, überwiegend kopfgesteuert ist und sich aus der Beschäftigung mit dem Tier kein Gefühl der Freude entwickelt.

    Caterina

    Meiner bescheidenen Ansicht nach sind bei reiner Wohnungshaltung 4 Stunden draußen ein gutes Mittelmaß, wenn man einen umweltsicheren, ausgeglichenen Hund haben will, der möglichst viele Umweltreize kennt und mit vielen unterschiedlichen Situationen umgehen kann, und wenn Du die Zeit hast, so lange mit dem Hund draußen zu sein, ist das doch toll!

    Ich persönlich hatte zwar noch nie große, sondern nur kleine und mittelgroße Hunde, aber ich habe keinen Unterschied von der Zeit her gemacht.

    Caterina

    Also ich würde einem Hund, der auch zufasst und evtl. tötet, in wildreichen Gebieten unbedingt einen Maulkorb zum Schutz der Jungtiere aufziehen, weil die oft halt nicht wegrennen, und zwar einen maßangefertigten aus Draht. Ich hatte mal eine Katzenkillerin (= der Abgabegrund, der mir verschwiegen worden war), die griff so schnell zu bei einer jungen Katze im hohen Gras (angeleint, wohlgemerkt!), dass meine nächste Amtshandlung die Anschaffung eines Maulkorbes war.

    Selbst an einer 2m-Leine kann sich ein guter Jäger noch einen jungen Hasen oder ein ganz kleines Kitz greifen, und wenn die erst mal - im wahrsten Sinne des Wortes - Blut geleckt haben, kannst Du meist einpacken mit Antijagdtraining & Co., die wollen dann echte Beute.

    Caterina

    Der Hund ist gerade mal 5 Wochen bei Euch, der ist doch noch gar nicht angekommen, und Ihr könnt ihn doch noch gar nicht richtig einschätzen.

    Ich würde solche Experimente tunlichst sein lassen und erst mal eine vernünftige Beziehung zu dem Hund aufbauen. Du schreibst, wenn er "abgelenkt" ist, kommt er nicht... DAS finde ich viel wichtiger, als am KOntakt mit anderen Hunden rumzuexperimentieren. Lasst einfach erst mal keinen Kontakt zu und lernt Euren neuen Hund lesen, damit Ihr abschätzen könnt, in welchen Situationen er wie auf andere Hunde reagiert.

    Caterina