Wem hätte ich denn Bescheid sagen sollen? Der Besitzer weiß es, in welchem Gebiet der Bulle gesichtet wird, alle anderen Bauern wissen es, die Jäger auch (denn er ist offiziell zum Abschuss freigegeben, da er seit Juni 2012 unterwegs ist - der Bulle, nicht der Besitzer
), die wenigen Anwohner ebenfalls.
Selbst wenn ich dieTelefon-Nr. des Besitzers im Handy gespeichert gehabt hätte, wäre das Tier über alle Berge gewesen, bis er die ca. 10 km zum Ort der Sichtung gefahren wäre, und machen hätte er alleine ohnehin nichts können.
Die beiden weiblichen Tiere wurden übrigens gestern in einem Trichter neben der Koppel ihrer Herde eingefangen, der Bulle kam erst gar nicht so dicht ran.
Er ist mittlerweile scheu wie ein Wildtier, und das Naturschutzgebiet hier mit seinen Moor- und Heideflächen bietet so viele Rückzugsmöglichkeiten, dass ihn kaum einer zu Gesicht bekommt, wenn keine brünstigen Weiber mehr draußen weiden. Dort, wo ich ihn gesehen habe, war er eindeutig auf dem Weg zu einer Koppel mit Färsen.
Natürlich kann er gefährlich werden, genau so, als wenn man plötzlich auf eine Rotte Wildschweine trifft - aber die Wahrscheinlichkeit, dass man ihm a) vor die Füße läuft und b) keine Rückzugsmöglichkeit hat, ist halt sehr gering.
Ich bin mal gespannt, ob er einen weiteren Winter überlebt und ob sich irgendwann mal ein Milchviehhalter über besonders langhaarige Kälber ärgert. Bisher ist mir noch nichts zu Ohren gekommen.
Ich meine, es wäre 2008 gewesen, als ich noch nicht hier wohnte, dass eine Highlandkuh mit Kalb bei Fuß einen ganzen Sommer lang in einem Areal von ca. 20 Quadratkilometern unterwegs war. Gegen Herbst muss sie dann wohl im Moor ersoffen sein, ein Pilzsammler fand den angefressenen Schädel, sinnigerweise noch mit Ohrmarke, und das Kalb versteckte sich ein paar Wochen in einem Maisacker neben einer Herde HF-Färsen, mit denen zusammen es dann eingefangen werden konnte.
Tja, das ist der wilde Norden!
Caterina