ZitatHallo!
Aber was mache ich, wenn ich kein Entspannumgssignal habe? Ich bekomme das einfach nicht geregelt. Mit dem Geschirrgriff ist das ähnlich, ich weiß nicht, wie ich das 40 mal (eigentlich 80 mal, bei 2 Hunden) am Tag schaffen soll.
Man baut es auf. Wie alle anderen Signale, die der Hund befolgen soll auch. Ich bin ziemlich sicher, dass es keinen hund auf der Welt gibt, der auf die Welt gekommen sind, und schon wußte, dass er den Poppes zu Boden senken sollten, wenn Mensch das Geräusch "Sitz" von sich gibt.
Vierzig Mal Geischirgriff dauert ca. 40 mal 10 Sekunden.
2 Mal beim/nach dem Geschirr anziehen, 2 Mal vor dem Raus gehen, 2 Mal direkt vor der Haustür. Ca. alle 150 Meter einmal auf dem Spaziergang, bei einem Gang von 1,5 Kilometer sind das zehn Mal.
2 Mal vor der Haustür beim Reingehen, 2 Mal direkt hinter der Haustür beim Reingehen, nochmal vor dem Geschirr ausziehen. das sind für einen Spaziergang 26 Mal und es kostet wieviele Sekunden mehr Zeit? 11 mal zehn Sekunden machen bei mir nicht mal 2 Minuten. Der Rest ist eh "Gassi-Zeit"
Das Ganze Multipliziert mit den Gassigängen pro Tag.
Der Aufbau des Entspannungssignals "kostet" doch auch gar keine Zeit. Wenn man faul ist, braucht man einfach nur zu beobachten, in welchen Situationen sich die Hunde vorhersehbar von alleine entspannen werden. Man sage das zu konditionierende Wort davor, und ein paar Mal während die Hunde entspannt sind, fertig.
Baut man es etwas gezielter auf, wie in den Links beschrieben, kann man Zeit verwenden, in denen man sich eh, vielleicht anders, mit den Hunden beschäftigt hätte.
Zitat
Was mach ich, wenn die Lieblingsfeindin um die Ecke kommt, so wie heute, und ich zwar ein bischen ausweichen kann, die Mädels aber gar nicht ausweichen wollen, die wollten lieber tösen? Soll ich dann einfach weiter klicken, bis eine Reaktion kommt?
Die Hunde "wollen" nicht lostöseln - die wissen einfach nicht, wie es anderes geht, und KÖNNEN gar nicht ausweichen. Sie haben noch gar nicht die Lernerfahrung gemacht, dass es ihnen ohne Losbrüllen emotional viel besser ginge.
Dazu sind die in diesem Faden beschriebenen Übungen da: dass sie kleinschrittig = machbar, lernen können, dass Kooperation mit ihren Menschen und entspannt bleiben sich einfach besser anfühlt als rumkreischen und durchknallen.
Wenn sie schon losgetöselt haben, warst Du schon viel zu dicht dran. Versuch viel frühzeitiger auszuweichen, die Hunde "aufzuwärmen" mit Dir an dem "wo sind die Hunde"-Trick zu arbeiten, und vielleicht zu sitzen, oder ein paar Schritte weiter zu gehen.
Was genau zu machen ist, ist wirklich schwierig zu beschreiben: Du hast gewisse Situationen im Kopf, mit Ort und bestimmten Gegebenheiten, und Informationen über Deine und die Anderen Hunde, die ich nicht habe. Ich habe eigene Vorstellungen über meine Erfahrungen zu dem Thema, und muß dann "raten" wie eure Situation ausgesehen haben.
Wichtig ist, dass man weiß wie Lernen funktioniert, und wie Verhalten entsteht. Verhalten entsteht aus einer Emotion, die durch einen Reiz ausgelöst ist.
Im Beispiel:
Dein Hund hat "anblick fremdhund" mit "emotional sehr aufwühlend" (z.b. Angst, oder Frust) verknüpft. Also gerät er beim Anblick von "fremdhund" in eine höhere Erregungslage und Stress und zeigt dann das für ihn typische Verhalten, was individuell von Hund zu Hund sehr unterschiedlich sein kann. Manche fliegen wie kreischende Flipperkugeln durch die Gegend und sind nicht mehr ansprechbar, andere frieren ein - und sind nicht mehr ansprechbar. Andere fliegen/kreischen, lassen sich aber relativ leicht da mit einem Umorientierungssignal rausholen, andere erstarren und reagieren gut auf ein UOS. und natürlich gibt es alle Schattierungen dazischen.
Die wichtige Aussage dadrinn ist: als erstes wird die verknüpfte Emotion ausgelöst, dann bekommen wir das dazugehörige Verhalten zu sehen.
Durch egal was wir mit dem Hund machen, nehmen wir, ob wir das nun bewußt machen, oder nicht, oder ob wir sogar behaupten, wir machen das auf keinen Fall, weil es nicht in unser Weltbild passt (in mein Weltbild passt die Schwerkraft nicht, aber verdammt noch mal, ich kann trotzdem nicht schweben oder fliegen, blödes Naturgesetz...) GLEICHZEITIG Einfluß auf die Emotionen und das Verhalten des Hundes in Bezug auf alle möglichen anderen gerade für den Hund anwesenden Reize.
Wenn ich Fifi anbrülle, wenn er grad ein Kind gesichtet hat, und er Angst vor Angebrüllt werden hat, dann wird er ziemlich wahrscheinlich die empfundene Angst mit dem Kind verknüpfen.
Anderes Beispiel: wenn ich Fifi immer bestärke, wenn er ein Kind sieht, wird er Kinder ziemlich toll finden, denn die sorgen offenbar dafür, das Shoppy Bestärker zur Verfügung stellt.
So. Nun kommt in den beiden Beispielen gar kein Verhalten vor, gell? Habe nicht beschrieben, WAS der Hund tut. Ist auch gar nicht so wichtig, weil das Verhalten der Emotion "folgt".
Wenn der Hund Angst hat, wird er Angstverhalten ausführen - die Angstverhalten, die in seinem Naturell liegen und die in seinem bisherigen Leben funktioniert haben.
Angstverhalten sind reflexiv - der Hund denkt nicht darüber erst nach, ob es sinnvoll ist, jetzt vielleicht weg zu laufen, oder hmmmm, vielleicht doch nicht. Das macht evolutionär keinen Sinn. Wenn das Gehirn einen Reiz als lebensbedrohlich eingestuft hat, dann muß es sofortiges Handeln auslösen. Allerdings ist eine Strategie "einfrieren" - aber auch da wird nicht "gedacht".
Wenn der Hund Kinder toll findet, wird er anfangen, welche zu suchen und seinen Menschen darauf aufmerksam zu machen, denn der Mensch muß ja schließlich bemerken, dass der Hund die Kinder bemerkt hat, um die Bestärker zu zücken. "Menschenkinder finden und anzeigen" ist ein gelerntes Verhalten und kein unbedingter Reflex - hier wird tatsächlich das Vorderhirn, der denkende Teil benutzt. Der Hund ist also in einem glücklichen, denkenden Zustand, und wenn er das ist, dann ist er auch in der Lage, mit seinem Menschen zusammen zu arbeiten.
Im "Angst"-Beispiel ist er das nicht oder jedenfalls nur sehr eingeschränkt.
Daraus wird ersichtlich, hoffe ich, dass es dem Hund sehr viel leichter fällt, zu lernen was Menschen von ihm wollen, wie er sich bei Anblick Fremdhund verhalten soll, wenn sein Gehirn noch nicht den Angstemotions-Schalter gedrückt hat. In dem Zustand kann direkt Verhalten gelernt werden, weil die Emotion es schon zuläßt. Der Fachausdruck für diese Art zu lernen ist "Operant".
Ist der Hund im Emotionalen Zustand "Angst" kann aber auch immer noch was gelernt werden, allerdings meistens nichts operantes, was Mensch sich wünschen würde. Natürlich lernt der Hund operantes Verhalten: ANGSTVERHALTEN nämlich.
Aber noch wichtiger, er lernt in diesem Zustand über klassische Konditionierung:
Alles was er in diesem Zustand registriert, wird wahrscheinlich mit der Angst verknüpft. Deshalb hat man so viele Hunde, die Geräuschangst, z.B. generalisieren: Sie haben Angst vor Gewitter, und nun hat einmal direkt vor so einem Donnerschlag das Händy gepiept, bumms, hat man Angst vor Händypiepen. Angst wird oftmal durch ein einziges Erlebnis gelernt (das ist der Grund dafür, warum "gut" gemachtes Training über aversive Reize schneller funktioniert, als das über positive Bestärkung, das nur mal so am Rande
). Dann macht der Kühlschrank ein komisches Geräusch bevor die Mirkowelle, die so ähnlich piept, wie das Händy.... Draussen piepen Müllwagen, wenn sie rückwärts fahren und schon ist die ganze Welt eine Geisterbahn.
Wenn ich jetzt aber konsequent etwas, dass der Hund sehr positiv findet, einem Reiz folgen lasse, den der Hund beängstigend findet, dann wird dieser beängstigende Reiz zur Ankündigung für: gleich kommt was tolles für mich.
Und das ist im Prinzip schon alles, was man zum Thema Hundetraining verstehen muß:
Verhalten, dass ich will, muß ich bestärken.
Dazu muß ich wissen, was der Hund bestärkend findet.
Verhalten, dass ich nicht möchte, muß ich möglichst im Auftreten vermeiden.
Und alles was ich tu (und ws die umwelt tut natürlich auch) hat einfluß darauf, wie der Hund das findet, was er da lernt.
Ich bin ein äußerst neugieriger Mensch, wenn mich ein Thema fesselt, arbeite ich nächtelang durch, um dem anf den Grund zu gehen.
In der Schule war ich ehr schlecht.
Woran liegt das? Lehrer und Schule sind dummerweise bei mir offenbar aversiv klassisch verknüpft worden. Zum Glück habe ich das aber nicht auf das Lernen an sich generalisiert - das passiert aber eben leider sehr häufig. Ausserdem habe ich nach der und ausserhalb der Schule offenbar genügend positive Verknüpfung mit dem Verhalten "Lernen" herstellen können. Aber offenbar nicht zu jedem Thema...hm...
Aufdas Hundetraining übertragen:
Gerne wird empfohlen, wenn ein Jogger kommt, soll der Hund abgelegt werden.
Schöne Idee an sich. WENN man nun aber das Abliegen z.B. über positive bestrafung/negative Bestärkung aufgebaut hat = mit einer negativen Emotion verknüpft hat, dann wird der Hund den Jogger irgendwann wie finden? Denn der Jogger kündigt an, das man gleich welches Gefühl bekommt, wenn der Platzbefehl kommt?