So, sorry für die Verspätung - ich hab getz erstmal die neuen Beiträge ignoriert. Ich guck dann noch, ob ich da noch was beantworten sollte ;D
Also.
Erstmal möchte ich sagen, dass "zu eng" natürlich von Hund zu Hund verschieden sein kann, bzw. sehr vom Trainingsstand abhängt.
Beim Gandhi waren anfangs Autos in einen km Entfernung "zu dicht" - er fuhr hoch und kam dann eigentlich nicht mehr runter, oder jedenfalls nur minimal! Bei Hunden war "zu dicht" anfangs ebenfalls, sobald sie sichtbar waren. Aber vermutlich hing das mit dem Erregungsniveau seiner anderen Baustellen zusammen.
JETZT
Können Autos/Motorräder/Fahrräder direkt an uns vorbei fahren. Und wenn ich Zeit hatte, ihn darauf vor zu bereiten, dass da gleich eins kommt, dann kann er problemlos sitzen, stehen oder manchmal sogar einfach weiter gehen und Anzeigen, wo die fahrenden Dingers sind.
Hunde sind dann zu dicht, wenn sie ihm die Nase in den Po schieben müssen...
Wenn man also möglichst vermeiden möchte, dass der Hund negative Reaktionen zeigt, muß man erstens wissen, wie viel Platz er denn so braucht, und zweitens wenn möglich seine Strecken so wählen, dass man immer genügend Platz hat.
Das klappt verständlicherweise nie zu Hundert Prozent. Man kann bei der Streckenauswahl darauf achten, dass man genau weiß, wo sich "Notfallhaltebuchten" befinden - wie die Dinger in Autobahnbaustellen - in die man notfalls ausweichen kann.
Erfahrungsgemäß müssen die soooooooo groß gar nicht sein. Ich hab den Gandhi z.B. auf Gartenmäuerchen geschickt - und die gewonnene Distanz in Meter liegt dabei ungefähr bei 0,5 ;D
Allerdings ist der wahrgenommene Effekt auf den Hund wohl echt viel größer. Garageneinfahrten eignen sich hervorragend oder Hauseingangstreppen gehen auch gut.
Neulich habe ich für einen entgegenkommenden Hund den Hund eines Kunden hinter meiner geöffneten Autotür "versteckt". Der entgegenkommende Terrier war in zögernd-ängstlichen Stelzschritt übergegangen. Frauchen hat nix mitbekommen und die Flexileine neigte sich in der ausfahrbarkeit dem Ende entgegen. Nachdem sich der Joker hinter die Autotür gesetzt hat (Platzgewinn real wieder nur 50 cm) konnte das Terriertier wieder traben.... aha! Direkt auf unserer Höhe hat er dann etwas misstrauisch geguckt und ist dann schnell hinter Frauchen her gehoppelt...
Joker hat sich in diesem Fall überhaupt nicht für den anderen Hund interessiert. Aber ich finde, man kann gut sehen, wie sich das immer gegenseitig beeinflußt und eventuell wechselseitig zum hochfahren führen könnte.
Wenn reinweg NICHTS zum hinter verstecken da ist, und keine "Nothaltebucht" - dann versuche ich mich selber so zu stellen, dass ich zwischen meinem und dem anderen Hund stehe -mit dem Rücken zum anderen Hund. Wobei "stehen" dann auch mal "hin und her bewegen" bedeutet, wenn nämlich mein Hund versucht, um mich rum zu gucken.
Man kann auch üben, dass der Hund sich mit dem Rücken zum anderen Hund setzt und selber steht man mit dem Rücken zum eigenen Hund, sodass man selber den anderen Hund im blick behalten kann - das ist meiner Meniung nach schon ein ziemlich fortgeschrittener Trainingsstand.
Ist es so viel "zu eng", dass der Hund wahrscheinlich los poltern wird, verwende ich den angekündigten Geschirrgriff, halte den Hund fest, steige auf verbalen Marker um (oder bediene den clicker mit der "Geschirrhand") und sorge dafür, dass ich schnell und viel Futter anbieten kann, hab ich meinen Mund noch "frei", setze ich ausserdem das Entspannungssignal ein. Alles andere Gequatsche oder Rumkommadieren wird derweil eingestellt.
Gandhi hats mir da einerseits sehr leicht gemacht, der kann bestimmt noch vorne Futter reinschlingen, wenn er hinten plattgefahren ist...
Andererseites mußte ich ihn manchmal mit beiden Händen im Geschirr "ankern", weil er sonst gnadenlos davongeflogen wäre, nachdem er mich als Absprungbrett genutzt hätte...
Kann der Hund kein Futter mehr nehmen, kommt eben alles andere bisher genannte zum Einsatz.
Wenn man RICHTIG große Schwierigkeiten hat, genügend Distanz zu bekommen, sollte man sich
A. einen kompetenten Trainer suchen, der hilft, geeignete Situationen gezielt zu stellen
B. unbedingt untersuchen lassen, ob irgendwelche organische Ursachen dafür verantwortlich sind, dass der Hund einfach nicht kann, was er soll
C. sich über weitere Trainingshilfsmittel informieren. z.B. ist das Calming Cap da eine gute Sache, weil es die Optischen Reize mindert - man kann durch den Stoff zwas noch etwas sehen, aber nur noch undeutlich und verschwommen. Das kann helfen, einen Fuß in die Trainingstür zu bekommen. Weiterhin kann man durch Körperbandagen, T-Shirts oder Thundershirts die ausschüttung von Oxytozin fördern. Oxytozin ist DAS Entspannugnssignal, dass u.a. durch Streicheln und Massagen ausgeschüttet wird.
D. Unbeingt prüfen, ob es anderweitige Stressoren im Leben des Hundes gibt, und diese weitestgehend ausschalten.