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Ich habe den Eindruck, du verstehst überhaupt nicht was gemeint ist und nimmst alles etwas bierernst, was wiederum der locker flockigen Einstellung widerspricht aber vielleicht betrifft das ja nur dieses Thema.
Doch, ich hatte genau verstanden, was gemeint ist.
Aber Wörter machen Bilder im Kopf und die beeinflussen, wie wir uns fühlen, und damit, wie wir uns Verhalten. Deshalb weise ich darauf hin, welche Eigentore man sich schießen kann, ohne dass man sich dessen bewußt ist.
Ich kenne das Buch nicht, und kann deshalb nichts darüber sagen, aber ich kenne andere "humoristisch" gemeinte Sachen, und die helfen niemandem. Falls das bei diesem Buch anders sein sollte, schön.
ZitatDas hat nix mit Einstellung A oder B zu tun. Jeder Mensch, denn du schreibst Hunde sind keine Maschinen ... Menschen auch nicht, hat mal einen schlechten Tag ... je nach Wohngegend, Hundefrequenz (nehmen wir die Leinenaggro), Zeitpotential, Straß, familiären Umständen, Dauer die man das ganze Thema schon am Hacken hat, etc. pp. ist es eben nicht so, dass man monatelang fröhlich pfeifend durch die Gegend rennt, da kann man noch so engagiert und positiv sein und man sieht eben nicht den 20ten Hund der einem auf dem Gassigang begegnet als tolle Chance zu trainieren (außer man hat vielleicht ein Kleinkaliber an der Leine und keinen 30-60 kg Hund), sondern man ist einfach genervt, dass sich nix tut. Dann gibt es noch die Situation, wo jemand tolle Fortschritte gemacht hat und dann plötzlich scheint alles wieder weg ... tja die Wellenproblematik ... Training läuft nunmal in Wellen, d.h. aber nicht, dass sich jeder freut, wenn er mal auf der Welle nach unten surft .
Natürlich hat es was mit der Einstellung zu tun. Wenn ich dir paar Seiten zu lesen gebe mit Begriffen, die mit hohem Alter, Krankheiten und körperlichen Beschwerden zu tun haben, wird deine Bewegungsschnelligkeit danach meßbar langsamer sein... ups!
Natürlich haben auch Menschen einen schlechten Tag, und natürlich ist es dann schwieriger mit der Einstellung, "hey, egal was kommt, ich weiß genau, was dann zu tun ist" heran zu gehen, und diese auch immer umzusetzen, aber jedenfalls ist es einfacher, wenn man sich mal grundsätzlich VERSUCHT, diese Einstellung zu haben.
Ausserdem ist es eine Sache der Gewohnheit und Übung. Hätte ich den Gandhi vor fünf Jahren bekommen, wäre ich kläglich gescheitert. Nicht nur, weil ich damals einfach das nötige Wissen noch nicht hatte - ich hatte auch weder die Erfahrung, noch die nötige Einstellung - und letztere hat sich als letzte eingestellt ![]()
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Ich finde bei allem "die Welt ist rosarot und das Training ist ja so toll" sollte man auch ein wenig realistisch das menschliche Wesen betrachten.
Wo habe ich geschrieben, dass die Welt rosarot ist?
Ja, das Training ist toll!
Unter anderem deshalb, weil ich die Welt realistisch sehe. Ich mach mir keinen Kopp mehr wegen der Blödheit anderer Menschen incl Hundehalter, die uns einfach überfahren, umrennen oder ihre "der tut nixe" in uns rein sausen lassen. Oder ob ich heute nun nur 2 Fahrräder/Autos treffen werde oder 200. Treffe ich andere Hundehalter mit freilaufenden oder an der Leine in meine Richtung schleifenden Hunden, sage ich EINMAL an, dass man bitte nicht näher kommen sollte, und wenn dies trotzdem tun, und mein anderes Leinenende dann grwawawa sagt, ist das eben deren Pech. Wer dann meint rumnörgeln zu müssen, bekommt ein freundlich gesagte: "Deshalb hatte ich darum gebeten, dass Sie nicht näherkommen/Ihren Hund abrufen..." Und sonst nur noch "Du bist so ein FEINER Hund" zu hören...
Ich versuche aber weder ungefragt irgendwelche Passanten zu belehren, bringt eh nix. Damit ist mein Kopf frei, sich damit zu beschäftigen, was ich in der Situation für meinen Hund tun kann und sollte, und dann tue ich das und nur das. Da denke ich weder über rosarot noch schwarz und weiß nach, das ist Zeit und Energieverschwendung. Noch hänge ich ewig solchen blöden Situation hinterher - gleich im nächsten Moment könnte es ja sein, dass der grad noch keifende Hund von alleine drauf kommt, sich zu setzen, oder paar Schritte weg zu gehen. Ich will bereit sein, das zu sehen, damit ich es bestärken kann.
Kann man das von jetzt auch beim nächsten Spaziergang? Vielleicht, falls es jemand hinbekommt, total geil ey, bei mir hat das Monate gedauert, unter anderem deshalb, weils mir keiner gesagt hat und ich alleine drauf kommen mußte...
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Ich brauche lange, um anderen wirklich diese Einstellung zu vermitteln "hey toll, da ist ein Hund wir können trainieren", weil sich einfach zu lange die Einstellung festgesetzt hat "oh Gott ein Hund rette sich wer kann".
Da gebe ich Dir absolut recht. Hunde können diese Einstellung sehr viel schneller wechseln und werden dann von ihren Menschen oftmals in ihr altes Verhalten "zurückgekippt", weil diese eben immer noch in ihrem alten Verhalten festhängen, oder mit "ich muß um diese Uhrzeit mit dem Hund raus, dass MUSS ja schiefgehen!" vor die Tür gehen. Klar - dann geht es garantiert schief!
ZitatDas ist aber absolut menschlich und jemand der einen durchdrehenden und keifenden Hund an der Leine hat (und keinen der nur mal wuff wuff macht) der wird - willkommen in der Realität- diverse Momente haben (denn dem realen Leben kann man nunmal nicht ständig aus dem Weg gehen, indem man extra in Ecken fährt wo weniger Konfrontationen mit dem Auslösereiz sind, denn man hat ja auch ein Leben neben dem Hund), wo man einfach nur genervt ist von seinem 4beinigen Begleiter.
Jep, das ist menschlich!
Und darauf wird in Hundeschulen nicht eingegangen, gell? Man bekommt gesagt, "Sie müssen einfach ganz entspannt bleiben".
Aha. Und WIE zum Geier macht man das? DAS sagt einem da keiner.
Dazu gehören VIELE Bestandteile. Einer davon ist, dass ich z.B. wenn ich Trainingssituationen stelle, die anfangs so piefig einfach sind, dass der Hund macht was er soll Jucheee!" und der Halter endlich mal spührt und erlebt, dass a. der Hund es kann und b. wie man sich dabei fühlt. Meistens kommt dann "Ja klar macht der nix, ist ja soweit weg, der andere..." Ja, genau das war Ziel der Übung. und ich kommtentier das mit Lob, damit der HuHa auch merkt, das es was besonders war, ich sag an, dass das ein bestärkenswertes Verhalten ist, clicken beohnen bitte!!! Denn ich möchte, wie beim Hund eine hohe Bestärkungsfrequenz b eim Menschen, damit sich sein Verhalten UND seine Emotion bei diesem Verhalten verändern.
Und dann mach ich es schrittweise schwieriger. Das Problem dabei ist, das Lerntempo des Menschen mit dem Lerntempo des Hundes auf einen Nenner zu bekommen.
Klar gibt es Rückschläge. Die gibts immer und überall. Wenn ich aber genügend "da und da und da hab ichs aber hinbekommen" "ausgesäht" habe, dann sind es eben nur Rückschläge und keine Niederschläge.
Ich versuche die Halter darauf zu pohlen, dreimillionen Verhalten zu entdecken, die der Hund in Situation XY gut macht, und diese auch tatsächlich zu bestärken. Und schon fällt ein einzelner Rückschlag gar nicht mehr so ins Gewicht. Ich finde es schon wichtig, dass man sich eine geistige Notiz macht, um dann später darüber nach zu denken, warum es denn vielleicht nicht geklappt hat. Aber IN der Situation muß ich eben in der Situation bleiben. Wenn man sich dann über sich selber, über die anderen HuHas, oder weiß der Hulk wen aufregt, gehts gleich im nächsten Moment wieder was schief, weil man in dem moment noch gar nicht angekommen ist.
Noch mal was anderes zur Einstellung gleich in zweifacher Hinsicht:
Interessanterweise berichten Leute, die sich auf das "exotische" Entspanungssignal mit Haut und Haaren eingelassen haben, manchmal folgendes: "Neulich passierte XY und ich dachte schon "das wird niemals was" und dann ist mir das Entspannungswort rausgerutscht, obwohl ich es doch eigentlich noch gar nicht anwenden wollte und da konnte er dann.... machen und wir sind dann entspannt weiter gegangen!"
YESSSSSSSS!!! WIR sind entspannt weiter gegangen, denn natürlich verknüpft sich das Signal beim Menschen auch mit Entspannung ![]()
Klassische Konditionierung ist geil. Wenn man Sie denn FÜR sich einsetzt, und es nicht zuläßt, dass sie unbewußt gegen einen arbeitet.
z.B: Man kann eine Schwächung des Immunsystems klassisch konditionieren. Man gebe Ratten Wasser mit einer bestimmten Geschmacksrichtung, das unwissentlich mit etwas verseucht ist, dass das Immunsystem beeinträchtig, wiederhole diese in ausreichender Anzahl, und das Wasser mit dieser Geschmacksrichtung wird eine Schwächung des Immunsystems hervorrufen auch wenn das Zeugs gar nicht mehr im Wasser ist... Cool, oder?
Also, nicht dass man Ratten krank machen kann, sondern WIE STARK klassische Konditionierung wirkt.
Also sollte man eben sehr wohl darauf achten, mit welchen Sachen man sich denn da grad selber konditioniert.
Und im Fall von Leinenpöblern muß man zwei Lebewesen gegenkonditionieren.
Daher ist die Einstellung sowas von wichtig...
Seh ich grad bei einem Kunden, der sagt zu allem jaja, setzt aber alles gerade mal alibimäßig um. Und der Hat durchaus die Einstellung, dass er seinen Pflegehund gerne als eigenen übernehmen möchte.
Wenigstens reicht das bisher aus, dass das Verhalten nicht schlimmer wird. ![]()
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...wo sie sich einfach wünschen nicht bei jedem Gassigang sich über jede Trainingssituation zu freuen, sondern wo sie sich wünschen einfach mal ganz entspannt mit ihrem Hund überall hin zu können.
Und wieso widerspricht sich "auf etwas freuen" und "entspannt mit dem Hund überall hin zu können"?
DAS ist doch genau der Punkt!!
Wenn ich in meinem Kopf den Schalter umlege und mich auf evtl auftretende Situationen gut vorbereitet fühle, weil ich einen Plan hab, und weiß was zu tun hab, so gut, dass ich mich sogar freue, dann BIN ich doch entspannt! Denn dann hab ich gar keinen Grund mehr, mich aufzuregen.
Klar - in einer Situation geht auch das Erregungsniveau des Zweibeiners rauf. Meine auch - aber es ist doch ein Unterscheid ob das Niveau bei "achdugroßeSch**e-ichwilleigentlichgarnichtraus" startet oder bei grade mal knapp über "Entspannt-Froi!!"
Wenn ich alle paar Meter denke, "och NEIN, schon wieder DIE doofe Kuh mit dem ihrem keifenden Wasauchimmer-Hund", oder "MUSS denn jetzt der Mayer mit seinem fetten XY-Rasse kommen???", ist meine Erregungskurve mal mindestens so steil wie die von meinem Hund und ich starte schon viel höher. Wenn ich zuvor darüber nach gedacht habe:
- wo ich den Leuten begegnen könnte, und mir für diese Orte zurechtgedacht hab, was ich wann wie mache, und zwar alles rechtzeitig, wenn der Hund noch kann" - dann kann ich viel lockerer ran gehen, denn ich hab einen Plan.
Warum denkst Du das irgendwelche Elite-Einheiten ständig den Ernstfall trainieren, oder sportler immer wieder bestimmte Bewegungen trainieren? Die bereiten sich so gut wie möglich vor. Und es gibt Studien darüber dass es fast genauso gut ist, sich genau vorzustellen, wie man ein bestimmtes Verhalten richtig ausführt, als es tatsächlich direkt selber zu tun. Ein Hoch (oder drei) auf die Spiegelneuronen!!
JA, es MACHT einen Unterschied, mit welcher Einstellung ich in eine Sache hineingehe!
JA, vermutlich wird man auch das erst üben müssen!
ZitatIch finde man sollte ein wenig realistisch bleiben und das bei aller Motivation, denn man muss ja auch die Belastung für den einzelnen Menschen begreifen und ernst nehmen, sonst kann man diese Negativmotivation auch nicht ändern oder verbessern. Ich kann nicht immer von mir ausgehen .. ich trainiere unheimlich gerne mit Hunden die wie auch immer geartete Probleme haben und es gibt mir einen unendlichen Kick, wenn ich positive Veränderungen für Mensch und Hund sehe und wie sie zusammenwachsen ... trotzdem gibt es unzählige Menschen, die im Grunde ihres Herzens nur mit ihrem Hund entspannt durch die Gegend laufen wollen und für die das eben alles belastender ist, was nicht gleichbedeutend damit ist, dass sie kein Erfolg im Training haben werden.
Das ganze ist nur belastend und unrealistisch, wenn das das einzige wäre, was ich zu ändern versuche und zwar von Null auf Hundert, ohne Zwischenschritte.
Aber diese Abhandlung steht in DIESEM Thread und wenn man sich anguckt, was nebenbei noch alles für unterstützende Maßnahmen angesprochen, verlinkt und erklärt worden, ist es das eben NICHT. Weder ist es das einzige, noch wird bei irgend einem anderen Bestandteil erwartet, dass es sofort und zu hundert Prozent richtig und vollständig einsetzt. Ich erwarte anfangs nicht mal das Umwenden nach dem Click, und habe beschreiben, wie ich mich dann verhalte! Schön wenn es klappt, auch nicht schlimm, wenn nicht, für diese Situation gibt es einen Plan...
Es ist EIN weiteres kleines Puzzleteilchen.
Und wenn man weiß, dass es das Puzzleteilchen gibt, kann man sich gedanklich damit auseinander setzen, und sich überlegen, wie und wo es hin passt, ob man dafür schon genügend Vorarbeit an anderer Stelle hat. Oder nicht.
Wie gesagt: Bei mir ist dieser Bestandteil erst ziemlich spät angekommen (also im Vergleich mit anderen Puzzelteilen) - aber wenn ich mich früher damit befasst hätte, dann hätte ich es vielleicht früher für mich nutzen können - vielleicht auch nicht, keine Ahnung.
Jetzt jedenfalls gehört es für mich zum Gesamtbild dazu. Und es ist etwas was ich an mir selber verändern kann - andere Sachen, wir z.b. das Verhalten von Auto-, Motorrad-, Fahrradfahrern, Passanten oder anderen Hundehaltern kann ich nicht verändern - meine Einstellung denen gegenüber aber sehr wohl. Nicht von heute auf morgen - aber in kleinen Schritten über einen mehr oder weniger langen Zeitraum - auf jeden Fall!
ZitatNun gut aber das hat ja nun langsam wenig mit dem Thread ansich zu tun. Ich wollte nur zur Erheiterung des leidgeprüften (Achtung Humor/Ironie .. ich schreibe es lieber mal dazu) Hundehalters die Buchempfehlung einstreuen. Ist aber für jeden Hundehalter sehr amüsant :) .
Ich finde es gut, dass Du das Buch genannt hast, denn es hat mich daran erinnert, diesen Sermon, den ich für sehr wichtig halte, hier mal abzulassen ;D
Das Ding ist, dass solche Sachen immer erstmal Stellen im Hirn haben müssen, wo sie "andocken" können.
Wenn es nichts gibt, wo das dran passt, dann sagt man "jaja" (oder gar "was für ein Schmarrn, totaler Blösinn, klappt nie, alles rosarote Wattebäusche..."), und es wird ausgesiebt, futsch, weg ist es.
Liest oder hört man später was anderes zum Thema, meldet sich aber vielleicht irgendeine Stelle im Hirnchen, die sagt, ey, davon hab ich schon irgendwann irgendwo mal irgendwas gehört, in welchem Zusammenhang war das noch gleich, und schon fängt es an zu rattern. Vielleicht kommt Hirnchen dann wieder zu dem Ergebnis,, ach nee, der Blödsinn!" und siebt es wieder aus - aber je öfter man drüber stolpert, und aus verschiedenen Richtungen und in verschiedenen zusammenhängen, deso klarer wird möglicherweise das Bild, desto besser versteht man es und Plötzlich macht es CLICK Ach soooooooooooooo ist das gemeint.... und dann kann man es ohne weiteres rumgrübeln sogar gleich anwenden.
(Fällt wem auf, welche Bestandteile des Puzzelteilchens ich vielleicht schon hatte, bevor ich merkte, dass es da offenbar ein Puzzleteilichen gibt, dass ich im Zusammenleben mit meiner Knallnase und im Training mit Kunden nutzen kann?? )
Und manchmal hilft alles eben auch nicht.
Ich glaub, mir könnte man jahrelang was zur Quantenphysik erzählen... Aber ich will ja auch nicht auf Quantenpysiker umschulen und siebe deshalb aus. Meine Einstellung hat was damit zu tun, glaub ich...