hi,
das empfohlene Buch von Maria Hense kann ich auch wärmstens empfehlen, auch wenn vielleicht der Titel und was man mit selbigem verknüpft hat, erstmal etwas unpassend oder "sperrig" erscheinen.
Wie schon Vorschreiber, unter anderem Chris schon toll beschrieben haben: "Streß" hat meistens viele kleine Ursachen, die sich aber aufeinander türmen und irgendwas ist aus den vielen einzelenen Sachen, die man selber für unwichtig hält ein riesen Turm geworden und dann kommt ein kleiner Windhauch und das Teil polter zusammen.
Mach dir einfach aus den Punkten, die hier als "möglicher Stressor" genannt wurden und vielleicht weiteren, die dir beim drüber nachdenken selber noch einfallen, eine Liste (ja, schriftlich ;D) und klopf sie darauf ab, ob sich einzelne davon ganz eliminieren lassen, ob sich andere zumindest reduzieren lassen, und ob es einzelne gibt, die man eben im Auftreten zwar nicht verhindern kann, die man aber eventuell mit was für den Hund positivem verknüpft, sodass sie lernt, dass das ja eigentlich was feines ist (im Volksmund "schönfüttern" genannt, der Fachausdruck dafür ist klassische (Gegen)Konditionierung)
Die Liste kann Dir keiner schreiben, das mußt Du selber machen, und du brauchst die ja auch niemandem zu zeigen. Es ist nur wichtig, dass halt möglichst alle Punkte drauf sind, und alle darauf hin untersucht werden, ob sie irgendwie veränderbar sind.
Es geht auch nicht darum ALLES zu HUNDERTPROZENT weg zu bekommen, das geht erstens nicht, und lößt sofort eine Abwehrreaktion (bei Dir ;D) aus.
Es geht also nicht darum, dass Du z.b. Deine Hunde und Deine Tochter 24/7 voneinander trennst. Das kann niemand verlagen und dass kann auch niemand leisten.
Aber man kann dem Hund erstens "Kinderfreizeiten" geben, in denen der Hund sich ein wenig seine angesammelten Streßhormone wegschlafen kann. Das ist doch ach gar nicht soooo viel aufwand, denn selbst das Kind fliegt nicht 24/7 durch die Gegend. Hunde brauchen zwischen 16 bis 20 Stunden Ruhe um zu schlafen und davon möglichst viel "am Stück". Wenn man einen Hund hat, der zu Ängstlichkeit neigt, dann geht das vielleicht ehr Richtung 20, als Richtung 16 Stunden...
Das wäre ein Punkt auf den ich gucken würde: wie lange schläft der Hund am Tag, und wie oft wird er dabei unterbrochen/gestört.
Wenn man das also aus der "der Hund MUSS viel schlafen weil der Streßpegel sonst nie runtergeht"-Perspektive betrachtet, dann ist es nichts "böses", wenn Du in Phasen, in der Deine Tochter sehr aktiv ist, dem Hund die Möglichkeit gibst, in einem anderen Raum zu sein. Hol sie statt dessen dazu, wenn Deine Tochter ruhig und "kuschelig" ist, und versuch dann zu vermitteln, dass ruhiges beieinander liegen und snaft streicheln total schön ist.
Und noch aus einer anderen Perspektive betrachtet: Deine Tochter lernt grad sehr viel darüber, wie man mit Hunden umgeht: nicht nur mit Deinen, denn da sie in dem Alter noch nicht so gut differenzieren können, wird das "so geh ich mit unserem Hund um" ganz schnell auf andere Hunde übertragen. Eine Amerikanische Trainerin nennt das "Magnetisieren" - du Magnetisierst Dein Kind grad auf Hunde - es findet sie toll, und möchte gerne Anfassen und offenbar mit ziemlichen Körpereinsatz. Würde sie meinen Hund in diesem Magnetisierten Zustand treffen und wir beide passten einen Moment nicht auf, wäre das ein Problem, denn der Gandhi findet es nicht gar so toll, wenn Kinder ihn bedrängen, und sagt seine Meinung dazu vermutlich ziemlich eindeutig (ich habe ihm bisher keine Gelegenheit gegeben, das zeigen zu müssen).
Mit anderen Worten: Natürlich können die eigenen Hunde lernen, dass ein Familienmitglied körperlich sehr "robust" liebt, aber andere Hunde können das unter Umständen nicht, und dann gibts wieder eine typisch triefend rote Schlagzeile in der Blöd...
Nochmal: es geht mir nicht darum, zu behaupten, du machst alles falsch - kann ich doch von hier aus gar nicht beurteilen.
Jemand anders empfahl, zu lernen, was Calming Signals sind: das finde ich einen sehr guten rat, denn dann kannst du viel früher sehen, wenn es ihr stressig wird, und was genau die Ursache(n) adür ist(sind).
Das schreibst Du dann auf Deine Liste.
Sehr oft muß man ein wenig um die Ecke denken, und kann einen Punkt vielleicht nicht abstellen und sogar einwenig reduzieren erscheint unmöglich. Aber ein wenig kreatives denken hilft meistens, dann doch irgend einen machbaren Weg zu finden, der Besserung bringt.
Eine Hundebox wurde z.B. schon vorgeschlagen. finde ich auch ganz großartig. So eine Höhle ist nicht als Bestrafung für "du hast schon wieder gehechelt" zu betrachten, sondern als Feriendomiziel, als ruhenden pohl in einem manchmal hektischen Alltag. Als Rückzugsort. Was ist so schlimm daran?
In einer Box kann der Hund mit im Raum bleiben, hat aber die Sicherheit, da einfach mal drin in Ruhe liegen ud schlafen oder dösen zu können. Du machst es damit beiden "Lernenden" einfacher, denn die Grenze ist für beide sehr gut zu erkennen und damit auch zu akzeptieren.
Was sind die Stressoren draussen. Kann man die an Tagen meiden, an denen sie anderweitig schon Stress hat (es geht also gar nicht um "Immer" - nur um eine Alternative)
Ist es manchmal nicht besser, wenn der Hund nur kurz seine Geschäfte machen kann und dann direkt wieder rein gehten darf?
Ich hab ja auch so einen (Ex-)Streßkandidaten im Haus: wenn wir einen Tag sehr viel erlebt haben, dann hatte er am nächsten Tag nur "Ferien in Gartenien" - nix mit noch mehr aufregendes Zeug in der großen weiten gefährlichen Welt.
Findet der Hund in seinem umfeld irgendwas gruselig. Vielleicht Mülltonnen, Gelbe Säcke, oder irgndwelche Geräusche: Mülltonen/Gelbe Säcke werde oft "gefährlich" empfunden, weil sie eine plötzliche Veränderung der Umwelt darstellen: Sonst sind die nicht da, nur wenn der Müllwagen kommt stehen die auf der Straße... Sogar mein ober cooler Sockerich guckt sich Teile, die da noch nie waren ganz genau an, und behält das dann im Auge, obs ihn vielleicht überraschend anspringt. DAS ist z.B. eine Sache, die man unter Umständen recht einfach völlig vermeiden kann, denn die Dinger stehen ja eh nur ich sach mal einmal die Woche draussen rum - dann ist eben einmal die Woche "Gartenfreizeit".
Wenn es irgendwelche Haushaltsgeräusche gibt, die ein Hund schrecklich findet, kann man die schönfüttern. Füttern muß man den Hund eh, kann man prima mit Zusatznutzen versehen, die Kalorien.
Ich sags nochmal: es geht ja nicht drum, dich irgendwie als Raben(hundeundkinder)Mama hin zu stellen. Leute haben die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht, und beschreiben, was ihnen geholfen hat, oder sie ganz und gar anders gemacht haben. Versuch das möglichst wertfrei zu lesen und zu gucken, ob Du das irgendwie auf Deine Umstände umstricken kannst. Und wenn es nur einzelne Punkte sind: auch kleinere Veränderungen können das Gesamtbefinden verbessern. Und vielleicht ergeben sich aus den Anfängen dann weitere Möglichkeiten. Man muß sich in Veränderungen immer erst selber einfriemeln und daran gewöhnen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier ;D