Naja, diese Wortwahl erzeugt bei mir nicht so den Eindruck, als ob ernsthaftes Interesse an einem respektvollen Austausch vorliegt.
Aber gut, selbstverständlich kann ich eine Alternative "liefern", ich bezweifeel nur ob sich meine Mühe da überhaupt lohnt, die Meinungen scheinen ja recht fest gefahren.
Dennoch gebe ich mir mal die Mühe das aufzudröseln:
Es handelt sich hier um einen 9 Monate alten Jungspund. Korrigiert mich wenn ich falsch liege, aber Boxer sind doch eher die "Quatschköpfe" unter den Hunden die auch gerne und viel auf Reize reagieren und dabei gut aufdrehen, richtig?
So, dann stelle man sich vor, dieser junge Hund hat mit der Wiese Remmidemmi verknüpft und hat jedes Mal eine riesige Erwartungshaltung wenn es zu diesem Ort geht. Hinzu kommt wohl auch das Hormonchaos im Hundehirn. Ich ziehe an dieser Stelle doch gerne mal den Vergleich zu Menschen -> Welcher Teenie der sich mitten in der Pubertät befindet, hat sich denn immer voll im Griff? Richtig, eher wenige.
Hin zu kommt anscheinend eine recht niedrige Impulskontrolle/Frustrationstoleranz. Auch eher typisch für Boxer, oder?
Dann kommt man also an diesen Ort und im Hundehirn geht eine wilde Party los. Dass es eben zum Erziehungsprozess dazu gehört einen Hund auch in solchen Situationen ansprechbar/"gehorsam" zu machen, steht denke ich ausser Frage. Doch da kommen wir zum entscheidenden Punkt: das WIE.
Was passiert nun wenn ich einfach unangekündigte Richtungswechsel mache? Richtig, der Hund bekommt jedes Mal einen ziemlich unsanften Ruck und versteht nicht warum. Im aller "besten" Fall versteht er es irgendwann als Folge von Zug auf der Leine. Da dieser Ruck unangenehm ist, merkt man recht deutlich an der Reaktion. Diese zeigt sich eben meistens dadurch, dass der Hund den Halter nicht mehr aus den Augen lässt. Im Prinzip schön und gut, aber nur wenn man mit den Begleiterscheinungen leben mag. Der Hund hat dabei nämlich Stress. Sieht man doch prima an der Reaktion des planlosen durch die Gegend schnappen. Kann man häufig bei Hunderassen beobachten, die eben zum Hochdrehen neigen (->Boxer). Anspannung muss irgendwo hin und das hat wenig mit Respektlosigkeit zu tun, oder respektiert der Hund dann z.B die Leine einfach nicht als Rudelführer?
(oder Stöckchen, Geschirr, anderer Hund oder was auch immer gerade als Ventil herhalten muss)
Wenn man das so will ist das ja ok, mein Weg wäre es eben nicht.
Ich hatte auch mal so einen Hund. Unser erster Schritt war allgemeines runter fahren. Es gab zwar auch Action, aber es wurde eben auch gelernt entspannt zu sein. So haben wir z.B Pausen auf der Kaninchenwiese gemacht. Hätte ich damals schon ein Entspannungssignal gehabt, hätte ich es da wohl auch gut gebrauchen können, ging aber auch ohne.
Das Leinenende oder umdrehen wurde immer angekündigt. Wird diese Hilfe nicht angenommen, sanft (!) aber bestimmt umsetzen, eventuell auch mit Umorientierungssignal.
Auch muss der Hund eben lernen, dass sich Kooperation lohnt. Ich kann dem Hund mit noch so vielen Kekse vollstopfen, wenn der Hund das nicht als Belohnung wahrnimmt (auch wenn er sie frisst), dann ist es schlicht keine. Das ist recht wichtig sich vor Augen zu führen, der Hund entscheidet was eine Belohnung ist und was nicht.
Es gibt nicht wenige Hunde, die ausserhalb der eigenen 4 Wände Futter und Spielis doof bis unnötig finden.
Da muss man halt Alternativen finden. Ich weiss, viele "anti-wattebauschler" amüsieren sich sicher gleich wieder köstlich, aber das ist ein absolut ernst gemeinter Rat: schreibe Dir auf, was Dein Hund gerne macht. Alle diese Dinge, kannst du als Belohnungen nutzen! Das können ganz doofe Dinge sein wie buddeln, Bäume anspringen, ein Stück rennen, Entfernung zum Auslöser verringern/vergrößern, Verlorensuche, Kekse suchen, Mensch anspringen (den eigenen :D), einfach nur glotzen, wälzen und was euch sonst noch einfällt.
Wenn du dann noch erkennst was wann passend ist (bei Hitze wird der Hund eine Pfütze wohl dem Trockenfutter vorziehen, z.B), wirst du in der Regel recht schnell spannend und Kooperation macht dem Hund Spaß.
An der Impulskontrolle kannst du z.B ganz toll mit Hundekumpels üben, da du diese ganz toll als Belohnungen einsetzen kannst. Zum Beispiel als Belohnung für sich zurück nehmen und ein Signal ausführen, darf Dein Hund zu den anderen flitzen (Signale und Freigabe nicht vergessen!). das kann man dann immer weiter ausbauen.
Dann sollten die Trainingsbedingungen eben fair sein, also nur das verlangen, was der Hund auch leisten kann.