Am nächsten Tag war das Knie immer noch angeschwollen und schmerzte; mir wurde klar, dass ich diese Tour nicht durchziehen kann. Ein Plan B musste her, möglichst auch ein Plan C.
In nur ca. 8km (glaube ich, vielleicht waren es auch weniger) hatte ich die Möglichkeit, an eine Straße zu gelangen. Dort gab es dann zwei Möglichkeiten: Plan B saht vor, per Anhalter nach Corriehallie zu fahren, von dort auf einem bequemen Landrovertrack zur Shenevall Bothy zu laufen, und dann in zwei gemütlichen Tagen nach Poolewe zu gehen. Sollte machbar sein, dachte ich. Plan C sah vor, noch knapp 4km in die Gegenrichtung zu laufen, und von der Bushaltestelle an der Braemore Junction den abendlichen Bus nach Poolewe zu nehmen.
Der Pfad von meiner Campsite zur Straße war fast durchweg gut zu gehen. Für die Querung eines breiten, aber flachen Flüsschens musste ich die Schuhe wechseln, aber auch das war unproblematisch und außerdem in einer Regenpause.
Als ich an der A832 ankam, lachte mein Anhalterherzchen. Nur wenige Meter vom Weg entfernt war ein größeres Layby, eine Anhalte(r)bucht. Ich platzierte mich und meinen Rucksack dort und hielt jedem Auto, das in Richtung Corriehallie fuhr, den Daumen entgegen. Zwei Stunden lang. Keiner hielt an! Das war mir noch nie passiert. Alle fünf Minuten kamen ein oder zwei Autos, viele davon nicht offensichtlich vollgepackt, und keiner hielt an. Mist. Nach zwei Stunden hatte ich die Faxen satt und lief trotzig und schmollend zur Bushaltestelle. Unterwegs gab es noch die eine oder andere Pause abseits der Straße und bei Nicht-Regen, und dann wartete ich auf den Bus. Der kam dann auch tatsächlich - wäre mein Fahrplan nicht zutreffend gewesen, hätte das diesem Tag noch die Krone aufgesetzt.
Aber so kam ich gegen Abend im beschaulichen Dörfchen Poolewe an und wurde vom freundlichen Busfahrer direkt an der Campsite rausgelassen. Der Betreiber der Campsite sah den Bus, sah mich mit meinem Rucksack, und öffnete die bereits geschlossene Rezeption wieder. Ich checkte für drei Übernachtungen ein und kaufte mir einen Frust-Schokoriegel.
Am nächsten Tag besuchte die die Inverewe Gardens, eine große Gartenanlage direkt an der Küste. Unglaublich, dass dort oben im Nordwesten Schottlands Pflanzen u.a. aus Brasilien wachsen. Ich fotografierte Blümchen um Blümchen und stellte dann im Coffee Shop fest, dass die schon erwähnten Einstellungen an meiner Kamera nicht so waren wie sie sein sollten. Mmpf. Meine Laune hob sich nicht gerade dadurch.
Tags darauf, es war zur Abwechslung Regen und Wind angekündigt (der Wind hatte in den beiden letzten Tagen gefehlt), lief ich von Poolewe zum Fionn Loch und wieder zurück, nur mit Tagesgepäck. Das waren zwar mehr als 30km, aber auf einem guten Weg und nur mit dem nötigsten Kleinkram im Daypack und der Kamera in der Gürteltasche. Auf den ersten paar km war der Weg noch ein Landrovertrack, und dort kam ein alter Mann in einem alten Pickup gefahren und fragte mich, ob er mich ein Stück mitnehmen könne. Na also, geht doch noch mit der Anhalterei, auch ungefragt.
Nach der Kernsary Farm hörte der Track auf und wurde zu einem sumpfigen Waldweg. Auch der hörte irgendwann auf, und dann stand ich vor dem "Tor nach Letterewe". Immer wieder schön.
Kurz danach fing es an zu regnen, stundenlang. Danach blieb es - oh Wunder - für ein paar Stunden trocken, wenn auch trübe.
Wasser, Felsen, Sumpf, Einsamkeit:
Fionn Loch und Dubh Loch (Weißer See und Schwarzer See):
Der Weg zum Gipfel des A' Mhaidghen, ein Berg, den ich mir bei besserem Wetter von oben anschauen möchte:
Auf dem Rückweg regnete es wieder, und hörte erst kurz vor Poolewe auf.
Am nächsten Morgen stand ich um 8.00 Uhr an der Bushaltestelle - im Nieselregen. Zwei Stunden später kam ich in Inverness an, und dort war schon Sommer. Schwitz! Meinen geplanten Pausentag nutzte ich, wie geplant, zum Sachen trocknen, Wäsche waschen, und Lebensmittel einkaufen. Und um einfach auf einer der Inseln im River Ness in der Sonne zu sitzen.