Und noch einmal: Pusteblume
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Und noch einmal: Pusteblume
Eine weitere Wanderung. Die vorletzte Wanderung dieses Urlaubs startet in Kinlochleven. Ich parke auf dem Parkplatz in der Nähe des Grey Mare's Tail Wasserfalls und stelle fest, dass ich meine Wasserflasche nicht dabei habe. Kein Problem, nicht allzu weit entfernt ist ein Co-op. Dann kann es losgehen. Der Anstieg aus Kinlochleven heraus ist steil. Schließlich liegt das Dorf auf Meereshöhe, und die Berge sind, nun ja, deutlich höher. Der Pfad ist aber recht gut ausgebaut; sogar nach starkem Regen kann man ihn bedenkenlos gehen. Wenn es, so wie heute, trocken ist, dann sowieso. Aber beim bergauf gehen wird mir warm, und eine Kleidungsschicht nach der anderen wandert in oder auf den Rucksack. Dann bin ich oben, und ziehe die eine oder andere Schicht wieder an, denn hier weht ein ziemlich kalter Wind. Aber die Aussicht ist klasse.
Weiter geht es, jetzt eher gemütlich bergauf und bergab, zum Loch Eilde Mòr, meinem geplanten Ziel. Kurz bevor ich es erreiche, sehe ich am gegenüber liegenden Berg einen deutlich erkennbaren Pfad verlaufen. Karte raus - wohin führt der Pfad, und kann ich daraus etwas machen? Der Pfad führt ins Coire an Lochain, etwas über 800m hoch, und ein weiterer Pfad führt hinunter auf den Track am Ufer des Loch Eilde Mòr und dann wieder auf meinen geplanten Rückweg. Zeit habe ich genug. Nur das Wetter... Immer wieder gehen kurze Graupelschauer herunter, so wie dieser hier:
Weiter oben könnte das etwas ungemütlich werden. Andererseits ist es der Südhang des Berges, und von hier aus ist kein Schnee zu erkennen. Ach was, ich probiere es einfach aus.
Der Pfad führt mich zuerst an einem schönen Wasserfall vorbei. Ich gehe etwas am sumpfigen, nassen und rutschigen Ufer entlang, um eine Stelle zu finden, von der aus ich den Wasserfall fotografieren kann. Ich finde eine, aber es ist etwas ungemütlich: Das halbwegs trockene Fleckchen ist gerade mal groß genug für das Stativ; ich hocke oberhalb davon und hoffe, dass alles klappt und nicht das ganze Konstrukt ins Wasser fällt...
Danach suche ich mir in der Nähe des Weges einen schönen großen Pausenstein, setze mich drauf, und mache Pause. Dann geht es weiter bergauf. Der Pfad ist gut ausgebaut, allerdings mit Steinen von der Sorte "Drei Schritte vor, einen zurück". Ein recht langes Stück führt er direkt am Abhang entlang. Links steiler Hang bergauf, rechts steiler Hang bergab, beim Ausrutschen ist ein Direktflug in den See inklusive. Nicht unbedingt meine bevorzugte Art der Wegführung, aber immerhin: Er ist gut befestigt und gerade breit genug. Zwei felsige Stellen, an denen ich meine Hände zu Hilfe nehmen muss und froh bin, nicht den Trekkingrucksack auf dem Rücken zu haben, sorgen für einen kurzfristigen Anstieg von Pulsfrequenz und Blutdruck... Dann geht der Weg wieder weg vom Abhang, und ein Cairn (Steinhaufen) zeigt einen Abzweig an. Ein guter Platz für eine Pause, finde ich. Ich setze mich so hin, dass ich in Richtung Glen Nevis schaue, nicht zurück auf diesen Weg. Vor mir ist blauer Himmel zu sehen, die Seen, die Berge - es ist so schön hier! Ich schaue auf der Karte nach, wo ich genau bin, dann verzehre ich mein Mittagessen, und genieße den Ausblick. Dabei bemerke ich, dass es schneit. Na ja, dann schneit es eben. Ich habe ohnehin Regenhose, Regenjacke, Mütze und Handschuhe an, dann soll es halt schneien. Moment: Da liegt ja richtig viel Schnee auf meinen Jackenärmeln. Und das Heidekraut rund um mich herum war vorhin doch nicht so weiß, oder? Ich blicke in die Richtung, aus der ich gekommen bin und sehe - nichts. Die Sicht beträgt vielleicht 3m, oder 5m, jedenfalls erschreckend wenig, bevor ich eine hellgraue Wand anblicke. Berge, Seen, alles ist weg. Und jetzt setzt ein heftiger Schneefall ein. Mist, ich habe ein Problem. Hier bleiben halte ich für keine gute Idee; das weiße Zeug bleibt liegen, und der Weg gleicht sich jetzt schon seiner Umgebung an. Der geplante Weg ist zwar kürzer, führt aber laut Karte über einige Strecken sehr steil bergab. Und wenn der in dem Zustand ist, wie das erste Stück, das ich mir vorhin angeschaut habe, dann ist das kein Weg, sondern eine Mischung aus Matsch und Felsen, durch die man sich seinen Weg selbst suchen muss. Nicht gut. Also drehe ich herum und gehe zurück. Letztlich wird es einfacher als befürchtet. Bei der ersten felsigen Stelle finde ich einen guten Weg runter, und bei der zweiten hat das Schneetreiben schon deutlich nachgelassen. Trotzdem bin ich froh, den Entschluss zum Umkehren getroffen zu haben.
So sah es weiter unten, als das Schneetreiben schon deutlich nachgelassen hatte, aus. Vorher hatte ich die Kamera gut verpackt und zog es vor, mich auf den Weg zu konzentrieren:
Zur Belohnung werde ich von einem grandiosen Wolken-Sonne-Nebel-Berge-Mix belohnt. Jetzt komme ich aus dem Fotografieren nicht mehr heraus und brauche bergab fast so lange wie bergauf.
Am Wasserfall mache ich noch eine Pause und muss feststellen, dass mein "Stativparkplatz" von vorhin jetzt ein Teil des Baches ist. Der Rest des Weges ist unspektakulär. Irgendwo im Wald oberhalb von Kinlochleven biege ich falsch ab, lande aber auf einem Pfad, der auch bergab führt und letztlich auf den Pfad zum Parkplatz stößt. Schön war es trotz allem!
Und als ich zurück in meinem Wohnwagen bin, und mir die Wolkenbilder auf meinem Netbook ansehen will, muss ich feststellen, dass es die Mitarbeit verweigert. Ärger...
Dieser Blick! Sagenhaft!
Danke dir!
Ich frage mich auf jeder, wirklich auf jeder Tour mehrmals (manchmal mehrmals am Tag), warum ich so etwas überhaupt mache. Dann komme ich auf eine Passhöhe mit Aussicht und schönem Wetter. Oder an einen hübschen See mit Ideal-Zeltplatz. Oder ich wache nach einer nasskalten Wanderung und einer kalten Nacht morgens auf und sehe zu, wie sich der Bodennebel auflöst und die Sonne sich behauptet. Dann weiß ich wieder, warum ich das mache.
Oder ich stehe vor einer schwierigen Flussquerung. Oder vor einer ausgesetzten, steilen Stelle am Weg (oder am abgebrochenen Weg), was für mich nicht schwindelfreien und nicht sehr trittsicheren Menschen Stress bedeutet. Oder ein Aufstieg scheint sich endlos hinzuziehen. Und dann gehe ich das Problem an, und bewältige es. Das gibt ein richtig gutes Gefühl!
Gleich bei meiner ersten Tour fiel ich mit vollem Gepäck ins Wasser, weil ich die Trittsteine und die Strömung falsch einschätzte. Danach hatte ich lange Zeit einen riesigen Respekt von Bächen. Mir wurde schon mulmig, wenn ich von ferne einen Bergbach rauschen hörte, und ich wusste, dass ich irgendwie da durch muss. Ich habe mir dann angewöhnt, erst einmal hinzugehen. Dann die Lage einzuschätzen. Und dann das Problem anzugehen. Diese Einstellung habe ich mir auch in den Alltag, beruflich wie privat, mitgenommen. Sehr, sehr hilfreich! Nur so als Beispiel....
Ach, das kann schon passieren. Nicht dass ich romantische Vorstellungen vom Trekken hatte - ich bin der unromantischste Mensch den ich kenne. Aber ich hatte anfangs auch andere Vorstellungen. Vorstellungen von meiner Leistungsfähigkeit musste ich erst nach unten, dann nach oben, und seit meiner Knie-OP wieder nach unten korrigieren. Die Vorstellung, dass ein mit 15kg oder mehr bepackter Rucksack auf Dauer bequem ist, habe ich schnell aufgegeben. Wie ich jemals zu der Ansicht kam, dass das Wetter immer auf meiner Seite ist, weiß ich gar nicht mehr. Warum ich jemals der Ansicht war, dass es wichtig sei, in Schottland immer mit trockenen Füßen zu laufen, kann ich heute auch nicht mehr nachvollziehen. (beliebig und individuell fortsetzbar...)
Seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst. Wir laufen den ganzen Tag durch die Gegend, über Stock und Stein, bergauf, bergab. Wir schleppen unseren Hausstand, und möglicherweise auch den der Hunde, auf unserem Rücken. Wir sind dem Wetter ausgesetzt. Wir schwitzen oder frieren, wir werden nass, wir bekommen womöglich Blasen an die Füße. Abends müssen wir unser Heim erst einmal aufbauen, unser Bett richten usw. Dann müssen wir wenige Zentimeter über dem Erdboden schlafen. Zwischen unserem "Bett" und der nächsten Toilette (sofern vorhanden) liegt die Natur. Und um uns zu belohnen, hocken wir nach all dem auf dem Boden und bereiten irgendeinen Fertigmampf zu.
Das trifft für viele Menschen nicht die Idealvorstellung eines schönen Urlaubs.
Aber: Wenn ich nach einem Wandertag, vor allem wenn er schwierige Abschnitte hatte, gesättigt, warm und trocken im Schlafsack liege, macht sich fast immer so ein zufriedenes Grinsen in meinem Gesicht breit. Die Frage "Warum tue ich mir das an?" wird durch den Gedanken" War das klasse!" ersetzt. ![]()
Ich möchte die Erfahrungen von mehrtägigen Wanderungen nicht missen. Dabei habe ich viel über mich selbst gelernt.
Hach. Schön. Seufz.... ![]()
Danke! Ich möchte auch am liebsten sofort wieder hin.
Heute in 6 Wochen sitze ich im Bus irgendwo zwischen Glasgow und dem Cluanie Inn, und dann wird für eine Woche gewandert. ![]()
Am Tag nach dieser eiskalten Wanderung war die Wettervorhersage nicht besser: Kalter Wind, Graupelschauer, Schneeschauer, noch mehr kalter Wind. Ich hatte keine Lust zum Wandern. Aber wozu hatte ich einen Mietwagen und war in einer Gegend mit tollen Fotomotiven? Ich beschloss genau das zu machen, was ich eigentlich gerne vermeide: "Totfotografierte" Motive ablichten. Also Bilder machen, die man zigtausendmal im Netz sieht, die jeder (Hobby-)Landschaftsfotograf haben "muss", und für die ich jetzt Zeit hatte. Schließlich waren die Alternativen "Im Wohnwagen rumhängen" und "In der Kälte rumlaufen" auch nicht so prickelnd.
Los ging die Fahrt, von Fort William am Loch Linnhe entlang (langweilig) ins Glen Coe. Die Three Sisters waren im Gegenlicht, und auf dem großen Parkplatz standen zwei Reisebusse. Deren Fahrgäste waren weiter unten im Gelände unterwegs; ich hob mir dies für den Rückweg auf. Nächster Stopp: Glen Etive, ganz am Anfang der Straße auf einem kleinen Parkplatz. Von dort aus kommt man mit ein paar Schritten zu einem Motiv, das man auf vielen Schottland-Fotokalendern findet: Der River Coupall mit einem kleinen Wasserfall im Vordergrund, und Stob Dearg dahinter. Ich war schon mehrmals dort, immer im Regen, immer alleine. Der Regen ist nicht so außergewöhnlich, aber den Platz für sich alleine zu haben schon. Das sagte mir jedenfalls ein Fotograf, dem es dort immer zu voll war. Was soll ich sagen: Es regnete nicht, ab und zu kam sogar die Sonne durch, und ich hatte den Platz wieder für mich alleine. Zwei Besucher kamen später, blieben aber nur kurz. Und der Boden war trocken, auch sehr ungewöhnlich hier. Nachteil: Es gab nicht viel Wasser im Fluss, und der normalerweise ansehnliche Wasserfall war nur so ein Alibi-Wasserfällchen. Egal, man kann nicht alles haben, sagte ich mir, und legte los. Ein Hochkant-Panorama (hier waren 24mm doch etwas zu wenig), eine Langzeitbelichtung, und dann spazierte ich auf der Suche nach neuen Motiven und potentiellen Zeltplätzen ein wenig flussaufwärts. Ich wurde in beiden Punkten fündig.
(Wind ist so was von lästig bei Langzeitbelichtungen. Das Stativ kann man ja beschweren, aber das Wackeln der Bäume lässt sich nicht aufhalten...)
Zwei Aufnahmen von weiter oben am Fluss:
Der blaue Himmel hielt nicht lange vor; als ich wieder am Auto war, graupelte es schon. Weiter ging die Fahrt ins Rannoch Moor. Im Februar war ich mit meinem Mann dort, der nicht so arg viel Verständnis und Geduld für lange Fotospaziergänge auf der Suche nach dem richtigen Motiv hat. Dieses Mal konnte ich mir mehr Zeit lassen und beschloss, zum Lochan na h-Achlaise zu gehen. Von der Straße aus hatte ich es schon fotografiert; dieses Mal ging ich weglos durchs Moor. Was heißt weglos - unzählige Fotografen-Füße haben zahlreiche Pfade im Gelände hinterlassen. Denen musste ich nur folgen. Es war nicht sumpfig, sondern trocken. Der Lochan na h-Achlaise hatte sogar einen schönen Sandstrand...
Gerade noch rechtzeitig blickte ich nach Norden, um die nächste graue Graupelfront zu sehen. Einpacken, schnell zurück zur Straße, und schon legte das Wetter los. Die Schuhe wechselte ich dieses Mal im Auto; draußen war es etwas zu wild dafür.
Nächster und letzter Stopp auf meiner Liste: Kilchurn Castle am Loch Awe. Also nicht das Schloss selbst, sondern der Blick über den Loch Awe dorthin. Auch hier war ich im Februar schon einmal, im Sumpf mit nassen Schuhen - aber mit dem besseren Licht, wie ich feststellen musste. Dieses Mal kam ich zwar trockenen Fußes runter ans Ufer, aber irgendwie gab das Licht nicht viel her. Das war im Februar schöner. Fotos gab es trotzdem.
Das halbwegs gute Wetter verabschiedete sich auf dem Weg zurück durchs Rannoch Moor. Um so mehr Respekt hatte ich vor einer Gruppe Radfahrern, die mit ihren Rennrädern unterwegs waren und auf dem langen Anstieg von Bridge of Orchy ins Rannoch Moor mit Gegenwind und Schneeregen quer konfrontiert wurden.
Mein Zelt wird nach jeder Tour ausgiebig getrocknet und dann wieder ordentlich im Packsack zusammengepackt.
Meines auch. Entweder baue ich es direkt nach der Tour im heimischen Sonnenschein auf, damit die letzte schottische Restfeuchte raus ist, oder ich hänge es für ein paar Tage über das Wäschegestell. Dann wandert es wieder in den Original-Packsack und der in die Truhe mit den Trekkingsachen. Allerdings ist es da nicht so eng verschnürt wie in der Zeit, die es unterwegs im Rucksack verbringen muss. Wichtig ist: trocken und sauber.
Rannoch Moor, Lochan na h-Achlaise. Es war zwar kalt und windig und immer wieder gingen Graupelschauer runter, aber das Moor war so trocken, dass ich quermoorein laufen konnte, ohne dass ich schmutzige Schuhe bekam. Statt des üblichen "Schmatzens" vom Sumpf am Schuh raschelte das trockene Heidekraut. Der See hatte so wenig Wasser, wie ich es vorher noch nicht gesehen habe. Da war sogar ein Sandstrand...