Schottland, Rannoch Moor, morgens nach dem Aufstehen. Bis kurz nach dem "hell" werden prasselte noch der Regen auf die Zeltplane, und als er aufhörte, krabbelte ich heraus. Nur um gleich wieder in den Schlafsack zu tauchen und die Kamera zu holen (sie hat ihren Schlafplatz im Fußteil des Schlafsacks). Weiße Wolken, dunkle Wolken, von irgendwo ein Sonnenstrahl, Herbstfarben und ein Regenbogen.
Oh, ein Geheimtipp-Wasserfall! Wenn du deine Schwiemu ärgern willst, poste das Bild in einschlägigen Foren und gib eine genaue Ortsbeschreibung mit. Dann wird die "Tripod-Brigade" schon dort einfallen....
Ja, das ist schon schön. Tasse in den Fluss halten, füllen, trinken. Lecker. Unter Wassermangel musste ich in Schottland noch nie leiden - eher unter einem Überfluss an Wasser...
Meist nehme ich das Wasser direkt aus dem Bach oder dem Fluss. Ich schaue halt immer, wo der Bach herkommt. Kommt er direkt vom Berg runter, ist es bedenkenlos trinkbar (dass ein paar Meter weiter oben ein toter Hirsch im Bach liegen kann, läuft unter Restrisiko). Ist das Wasser nicht schnellfließend, ober habe ich irgendwelche Bedenken, oder sind viele Schafe in der Nähe, verwende ich "Aquaventure"-Tropfen. Die kriegen so ziemlich alle Erreger klein. In Gebieten, die stark landwirtschaftlich genutzt werden, wie z.B. im südlichen Bereich des West Highland Way, nehme ich gar kein Wasser aus Bächen oder so. Dort ist es aber auch nicht nötig, weil man sich jeden Tag in der Unterkunft oder im Shop mit frischem Wasser versorgen kann. Manchmal hat das Wasser eine leicht bräunliche Färbung, aber das kommt einfach durch das Moor und schadet nicht. Und wenn irgendwelche Teile von Vegetation drin sind - macht nichts, ich esse ja auch Salat...
Bisher hatte ich noch nie gesundheitliche Probleme, die durch Wasser aus Bächen oder Flüssen verursacht wurden.
Wenn du bisher nur Irland kennst, ist das gut. Irland ist nämlich sehr, sehr schön. Schottland ist irgendwie anders: weiter, rauer, dünner besiedelt, herausfordernder (zumindest beim Wandern). Ich war zuerst in Schottland, und brauchte drei Urlaube, um Irland schätzen zu lernen. Andersherum geht es einfacher. Fahre einfach mal hin - es lohnt sich.
Es geht weiter. Vom ersten Tag habe ich keine Bilder, zumindest keine, bei denen sich eine Bearbeitung lohnt. Es war trübes, drizzeliges Einheitsgrau, der Wanderweg verlief parallel zur A82, den ganzen Weg von Tyndrum nach Bridge of Orchy, und irgendwie kam bei mir keine richtige Stimmung auf. Doch, eines habe ich. Kurz bevor ich den Bahnhof von Bridge of Orchy erreichte, sah ich unten in der Nähe der Gleise eine blau gekleidete Gestalt regungslos auf einem kleinen Hügel stehen. Ich wunderte mich nur kurz und ging weiter. It takes all sorts, dachte ich mir. Auf dem nächsten Hügelchen stand die nächste Gestalt. Und dann hörte ich schon, warum die dort standen: Mit viel Lärm, Qualm und Gestank fuhr der Jacobite Steam Train durch Bridge of Orchy. Den Sommer über fährt der auf der Strecke Fort William - Mallaig Besucher hin und her; viele stürzen sich auf Aussichtspunkte entlang des Glenfinnan Viadukts um Fotos von dem Zug zu machen. Wer einen Harry Potter Film daheim hat, kann sich das einfacher machen: Der Hogwarts Express ist genau dieser Zug, und fährt über das Glenfinnan Viadukt. Wie auch immer, freitags hatte er seine letzte Fahrt, und samstags fuhr er gen Süden, in sein Winterquartier, oder wo auch immer Dampflokomotiven und plüschige alte Waggons ihren Winter verbringen.
Das Wetter sieht nicht eben gut aus, oder? Hinter Bridge of Orchy entschied ich mich dafür, nicht über den Hügel bis zum Loch Tulla zu gehen, sondern einfach der kleinen Single Track Road zu folgen. Und schon regte ich mich über Roadside-Camper auf, die ihren Müll einfach so im Gelände liegen lassen. Da lagen sogar kaputte Zeltstangen herum. Bei so etwas schwillt mir der Kamm - verantwortungslose Camper wie diese sind es, die es irgendwann schaffen, dass Wildcamping generell verboten wird dort drüben.
Hinter dem Inveroran Hotel ist eine quasi-offizielle Campsite. Keine Facilities oder so, aber dort wird das Zelten geduldet. Es steht sogar eine Mülltonne dort - und wird genutzt. Drei Jungs aus Frankreich und ich waren die einzigen Wanderer, die übrigen Zelt-Übernachter waren mit Autos angereist. Morgens standen dort jede Menge Zelte und Wohnmobile. Man sollte meinen, dass es in Schottland keine festen Unterkünfte für Touristen gibt. Hätte ich von diesem Andrang gewusst, hätte ich im Bunkhouse des Bridge of Orchy Hotels übernachtet...
Am nächsten Tag machten sich erst die Jungs auf den Weg, und ich ließ mir Zeit. Ich zockelte dann gemütlich auf dem West Highland Way in Richtung Norden. Ab und zu schien die Sonne, und brachte die Herbstfarben zum leuchten. Irgendwo unterwegs beschloss ich, alle Pläne gut sein zu lassen und einfach den Tag zu genießen. In der Nähe der Bà Bridge fand ich einen tollen Platz zum Zelten. Ich lief eine Weile am Fluss entlang, bis ich eine Stelle fand, von der aus ich Wasser holen kann. Dann kochte ich einen Kaffee und genoss die Aussicht. Später lief ich noch ein wenig am Fluss entlang, und so gegen Sonnenuntergang baute ich mein Zelt auf. Vorher sammelte ich noch Müll ein - zwei Ziplock-Beutel voll.