Kleiner Berg mit großer Aussicht
Als ich vor 6 Jahren in den North Harris Hills wanderte, hinderte mich das dauerhaft schlechte Wetter daran, meine Tour wie geplant zu gehen. An einem der letzten Wandertage machte ich nur eine Tagestour zum sehenswerten Felsüberhang des Sròn Uladail ("Nase des Uladal", wörtlich übersetzt). Auf dem letzten Abschnitt überraschte mich ein richtig heftiger Hagelsturm.
Im aktuellen Urlaub waren wir wieder in der Gegend. Sonnenschein, leichter Wind, angenehme Temperaturen und eine stabile Wetterlage - das verlangte geradezu danach, diese Tour nochmal zu gehen, mit dem Schlenker auf einen kleinen Gipfel, den ich damals nicht machen konnte.
Morgens setzte mich mein Mann in Amhuinnsuidhe ab, und wir vereinbarten eine Abholzeit. Ich schätzte meinen Zeitbedarf großzügig; bei schönem Wetter mache ich gerne Pausen und meine Fitness ist sozusagen nicht existent. Ich lief los, am Gleann Leòsaid vorbei, wo ich vor sechs Jahren zwei schlaflose Nächte im sturmgebeutelten Zelt verbrachte, und weiter zum Staudamm am Loch Chliostair. Dort geht der Landrovertrack in einen gut ausgebauten Pfad über.
Der Pfad folgt der Uferlinie des Sees, und steigt danach an bis zum nächsten See, dem Loch Aiseabhat. Am anderen Ende des Loch Aiseabhat hat man den höchsten Punkt des Weges erreicht. Vor 6 Jahren stand ich dort, sah nach rechts zum Gipfel des kleinen Hügels Muladal, und dachte "Warum nicht, ich bin ja sowieso so gut wie oben". Viele Höhenmeter fehlten nicht mehr, Pfade werden ohnehin überbewertet, und ich wollte los. Da sah ich kurz in die Richtung, aus der ich kam, und der Horizont war schwarz. Der schon erwähnte Hagelsturm war im Anmarsch. Also kein Gipfel...
Sechs Jahre später, am gleichen Ort: Warme Temperaturen, leichter Wind, Sonne satt. Nichts hinderte mich daran, bergauf zu gehen, also tat ich es.
Gut, es dauerte länger als ich dachte - ich sollte doch mehr Sport treiben, glaube ich.
Aber als ich oben war, war es einfach nur "wow". Aber ich suchte vergeblich einen Summit Cairn. Vermutlich ist der Hügel nicht hoch genug dafür.
Ulabhal, ein etwas höherer Hügel:
Und die Aussichten, nach Norden, nach Lewis. Ich konnte mich gar nicht satt sehen.
Nach einer ausgiebigen sonnigen Pause lief ich weiter nach Norden, zum etwas felsigeren Gipfel des Sròn Uladail. Gut, dieser Hügel macht von unten betrachtet mehr her, aber auch hier waren die Aussichten grandios.
Noch eine Pause später stellte ich fest, dass ich mir Ulabhal auf einen späteren Urlaub verschieben muss; wenn ich mir den noch von oben anschauen wollte, würde mein Mann lange auf mich warten müssen. Nicht so nett von mir, also ließ ich es sein. Die Berge sind so alt, die stehen in ein paar Jahren auch noch.
Auf dem Rückweg, Gleann Uladail:
Und fast am Ende des Weges, Loch Leòsaid:
Ausbeute des Tages: Ein paar Fotos, ein Sonnenbrand, und zwei Mini-Gipfelchen. Hunger hatte ich außerdem, also machten wir uns auf den Rückweg zum Ferienhaus, wo wir uns aufopferungsvoll um einen Schokoladenkuchen kümmerten. Lecker.