Am Montag (3. Oktober) übernehme ich meinen Mietwagen. Am sinnvollsten wäre es, den direkt in Edi am Flughafen zu übernehmen - aber da ich alleine fahre, traue ich mir das Gesamtpaket aus Rechtslenker, Linksverkehr, ungewohntes Auto, Verkehrschaos rund um Edi, Baustellen, Verkehrsdichte, mehrspurige Kreisel, kaum lesbare Beschriftungen auf der Fahrbahn - nicht zu. Mit einem Beifahrer, der nach Schildern und anderen Verkehrsteilnehmern Ausschau hält und den Fahrer auf die richtige Spur lotst, ist das machbar, aber alleine ist mir das zu stressig. Ich übernehme mein Auto lieber in Inverness, das ist überschaubarer.
Früh am Morgen gehe ich also vom Hotel zum Busbahnhof und sitze bald darauf in einem vollen Citylinkbus, in dem die Lüftung bis zum Anschlag aufgedreht ist (mit dem entsprechenden Geräuschpegel) nach Inverness. Die vier Stunden ziehen sich hin. Am Busbahnhof erwische ich einen Bus, der in Richtung Flughafen fährt, und dort angekommen, suche ich den Europcar-Schalter. Dumm, dass im ersten Pandemiejahr der Schalter in der Innenstadt geschlossen wurde. Es war so bequem - morgens aus dem Hostel raus, im Shopping Centre den Schlüssel entgegennehmen, aus der Tiefgarage raus und ab in die Highlands. Jetzt muss ich den Umweg über den Flughafen nehmen.
Als Lohn für meine Strapazen (
) bekomme ich ein kostenloses Upgrade: Einen VW Golf anstelle eines ganz kleinen Autos. Als Fahrer eines nicht ganz neuen koreanischen Kleinstwagens, der ganz ohne die im Golf reichlich vorhandenen Assistenz- und was-weiß-ich-Systeme auskommt, brauche ich eine Weile, bis ich mich mit den Basics vertraut gemacht habe. Aber dann geht es los. Halt! Nicht in den Wanderstiefeln fahren! Nochmal Motor aus, Schuhe wechseln, und dann beginnt die Fahrt.
Sie endet nur ein paar Kilometer weiter bei Tesco (so ein riesiger 24/7-Supermarkt), wo ich mich mit Vorräten für die nächste Woche eindecke. Nächstes Ziel: Kylesku. Ein Fleck auf der Landkarte, der aus einem Hotel, einer Handvoll Häuser und ein paar Ferienhäuschen besteht. Eines dieser Häuschen habe ich mir gegönnt.
Das Wetter wird zunehmend schlechter, die Vorhersage hat also recht. Kurzer Stopp in Ullapool, und dann weiter nach Norden, meist im Regen. Das spart Zeit: Ich halte an keinem Aussichtspunkt an, um Fotos zu machen oder die Landschaft zu genießen. Und dann erreiche ich die "Kylesku Lodges". Kurz vor der Brücke links die kleine Straße, die ist es. Beinahe wäre ich dran vorbei gefahren. Ich klingele am Rezeptionsgebäude, und kurz darauf kommt Mike aus dem Wohnhaus ganz hinten auf dem Gelände angelaufen, zeigt mir mein kleines Chalet (praktisch: Ich habe direkt davor geparkt), geht mit mir rein und erklärt mir alles. Halt die Tricks mit dem Warmwasser, wie der Holzofen funktioniert usw. Und er bittet mich, auf den Energieverbrauch zu achten. Strom und Wasser sind zwar im Preis enthalten, aber auch in UK sind die Energiepreise explodiert. Kein Problem, versichere ich ihm, ich mache das.
Das Häuschen ist schön. Alles so schön sauber, die Elektroheizung macht schnell warm, und der Ausblick von der Terrasse auf den Loch a' Chàirn Bhàin und den Sàil Ghorm ist auch bei schlechtem Wetter beeindruckend. Nur der Wind! Der weht mich beinahe von der Terrasse runter.... Manchmal zittert die ganze Bude, wenn eine richtig heftige Böe auftrifft.
Ich räume schnell mein Gepäck und meine Einkäufe ins Häuschen, und während es draußen waagrecht regnet, packe ich aus und trinke danach eine Tasse Tee. Da weder Regen noch Sturm nachlassen, bleibe ich einfach drinne. Es ist warm, es gibt einen Internetzugang, ich habe was zum Lesen dabei, und bei einem Feuerchen im Ofen und einer Kuscheldecke über den Beinen lässt es sich gut aushalten.
Am nächsten Morgen ist das Wetter immer noch so schlecht. Mike sagte, dass das schon seit Wochen so geht. Ich plane in Gedanken um. Gipfeltouren bei Regen und Sturm, eingesumpfte Wege, ausgesetzte Foto-Locations, bei denen mich der Wind in einen Abgrund wehen kann - alles gestrichen. Dann werden es halt nur einfache, dafür sicherere Touren. Die Landschaft läuft ja nicht weg, und hier oben war ich nicht zum letzten Mal!
Hier die Aussichten am Morgen, aus dem Zimmer heraus fotografiert (es wurde später besser, aber dazu gibt es später mehr):