Am Tag nach dem Besuch im Fairy Glen, es ist ein Samstag, sitze ich schon morgens um 7 Uhr im Bus. Ich will zum Storr, aber samstags ist der einzige Bus, der vormittags dorthin fährt, der Bus, der um sieben in Portree startet und einmal rund um die Trotternish-Halbinsel fährt. Mit dem Tagesticket kein Problem, und so komme ich zu einer Rundfahrt im schönsten Morgenlicht. Der Quiraing wird von der noch tief stehenden Sonne angestrahlt, am Himmel ist keine Wolke zu sehen - perfekt! Dann kommt uns ein Streufahrzeug entgegen. Hä? Was macht ein Streufahrzeug hier? Die Trotternish Ridge südlich des Quiraing hat eine frische Schneedecke, muss ich feststellen. Schnee auf dem Storr - das hätte ich nicht gebraucht. Insgeheim hatte ich sogar daran gedacht, bis zum Gipfel zu gehen, nicht nur bis zum Aussichtspunkt. Aber mal abwarten, noch bin ich nicht dort.
Einige Zeit später hält der Bus an der Haltestelle "Old Man of Storr Car Park". Oha. Hier hat sich einiges verändert. 2011 war hier eine Fichtenplantage, 2012 wurde begonnen, diese abzuholzen, 2013 standen nur noch ein paar vereinzelte Bäume davon, und seitdem war ich nicht mehr hier. Aber es ist nicht nur der fehlende Wald. Der kleine holprige und immer überfüllte Parkplatz liegt jetzt ein Stück weiter nördlich und ist auf drei Ebenen aufgebaut. Mit Parkscheinautomaten und einem Kontrolleur. Dazu eine Rangerstation, Fahrradständer und ein großes Toilettenhaus. Ich gehe etwas verloren auf dem riesigen Parkplatz herum und suche den Zugang zum Wanderweg. Kein Schild zu sehen, aber der Kontrolleur ist gerade dabei, ein paar Autos aufzuschreiben. Er erklärt mir, dass ich durch das Tor am Ende des Parkplatzes muss. Dann plaudern wir über die Veränderungen der letzten Jahre, und er sagt, dass der Weg im Sommer aussieht wie eine Ameisenstraße: Ein Besucher hinter dem anderen, bergauf wie bergab. Wie gut, dass ich im Februar hier bin!
Der Weg ist neu angelegt und gut befestigt. Der alte Trampelpfad könnte die vielen Besucher gar nicht verkraften. Ein gutes Stück weiter oben liegt Schnee auf den Felsplatten, mit denen der Weg befestigt ist. Noch ist er matschig und kein Problem; in der Sonne wird er sich nicht lange halten. Anders ist es hinter dem Old Man, im Sanctuary. Dort liegt ordentlich Schnee, und darunter ist Eis. Im Schatten bleibt das auch noch eine Weile liegen. Nachdem ich zweimal ausgerutscht bin und mich nur mit Hilfe meiner Trekkingstöcke (an sich sind die auf diesem Weg überflüssig) halten konnte, drehe ich um und gehe zurück. Die beiden letzten Stürze auf Eis brachten mir einen gebrochenen Ellbogen und geprellte Rippen ein - nichts davon brauche ich nochmal. Der Storr wird noch ein paar Jahre länger hier sein, und ich komme wieder. Anders als im Fairy Glen gibt es hier schöne Motive und vor allem eine Herausforderung: den Gipfel. Der ist noch fällig, irgendwann.
Hier die Bilder der Wanderung, die kürzer ausfiel als geplant:
Wieder unten angekommen, beschließe ich, dem Bridal Veil Wasserfall noch einen Besuch abzustatten. Anders als zwei Tage zuvor habe ich heute perfekte Bedingungen: Kaum Wind, viel Wasser, blauen Himmel, und den verschneiten Storr im Hintergrund.
Zu meiner Überraschung habe ich den Wasserfall ganz für mich alleine. Damit hätte ich nicht gerechnet. Um so mehr freue ich mich darüber, im Sonnenschein zu fotografieren und anschließend die Ruhe zu genießen. Zum gemütlichen Sitzen in der Sonne ist es allerdings zu kalt und zu matschig, also mache ich ich auf den Rückweg zur Bushaltestelle. Ein wenig muss ich noch warten, bis der Bus nach Portree kommt, und beobachte dabei die Teilnehmer an einer Rabbie's Tour: In wenigen Tagen kreuz und quer durch Schottland in einer kleinen Gruppe, die "Been there - done that"-Liste abhaken.
Das schöne Wetter hält nicht lange: Noch während ich auf den Bus warte, ziehen Wolken auf, und abends schüttet es wie aus Eimern.
Vorhergesagt sind zwei Tage Dauerregen und Sturm, überall an der Westküste. Ich habe zwei Nächte in einem Hotel mitten in der Landschaft gebucht, will wandern und fotografieren. Aber ehrlich: Bei Sturm und Regen oder Graupel quer bis über die Knöchel im Matsch rumlaufen, die Kamera vor lauter Regen nicht auspacken können - habe ich dazu Lust? Nein. Ich nehme Kontakt mit dem Hotel auf und frage, ob es möglich ist zu stornieren. Die Anzahlung behalten sie, der Rest geht in Ordnung. Dann buche ich ein Hotel in Inverness und ein Busticket dorthin. Dort drüben ist das Wetter nicht ganz so grottig. Fotos folgen!