Hi,
ich habe meinen Kleinen vor einigen Wochen an Lymphdrüsenkrebs verloren. Er war zwei als er die Diagnose bekam und wir hatten noch 13 Monate.
Wenn ich es so "arrogant" sagen darf... ich finde ich habe alles richtig gemacht.
Wir bekamen die Diagnose, ich war am Ende. Ich hab geweint, geheult, geschrieen, getobt, geweint, geweint, geweint...
... und es irgendwann akzeptiert. Okay. Nun ist es so. Ich kann es nicht ändern.
Die Frage nach einer Chemo stand im Raum - hätte wohl einen Aufschub von einigen Wochen gebracht und er hätte 1-2 mal pro Woche in die Klinik gemusst. Ich habe mich dagegen entschieden. Er fand es immer schrecklich beim Tierarzt, er hat es gehasst von fremden Leuten angefasst zu werden, er hatte Angst. Das wollte ich nicht für ihn.
Also bekam er nur Cortison, welches wir langsam ausschlichen.
So gut ich konnte habe ich die Diagnose tatsächlich versucht zu ignorieren oder, besser, sie in einen sehr weit hinteren Winkel in meinem Kopf zu verdrängen. Ich holte einen Zweithund. Jeder sagte mir wie selbstsüchtig ich wäre, wie könnte ich nur, andere Hunde wären doch eh nicht sein Ding, die Hunde hatten sich vorher nicht mal kennengelernt.
Aber ich kannte doch mein Baby
es war das Beste, was ich für ihn tun konnte. Das erste Mal im Leben hatte er eine Freundin, eine kleine Schwester. Nie hat er mit anderen Hunden gespielt, nun tobte er mit ihr wie verrückt umher.
Niemand, der diesen Hund kennenlernte, glaubte mir, dass er krank wäre. Niemand. Irgendwann zweifelte sogar ich selbst dran.
Andererseits habe ich mir gesagt - ach, weißt du was? Ob er es hat oder nicht.. wer weiß das schon. Wer weiß schon überhaupt irgendwas? Theoretisch kann er morgen vom Auto platt gefahren werden. Oder meine Hündin. Oder ich! Das Leben ist nun mal nur geliehen, irgendwann ist es einfach vorbei. Wann das ist, ach, das weiß man doch sowieso nie.
Im März diesen Jahres ging es dann plötzlich bergab, es war verhältnismäßig schnell. 3 Wochen und dann habe ich entschieden, dass es Ende war. Und so war es das dann auch.
Krebs ist eine kack Krankheit. Man muss weinen und hassen und wütend sein und treten und strampeln und weinen ... und irgendwann ganz tief Luft holen und sagen: "okay. Whatever. Life sucks - get over it." Krönchen richten, weitermachen, Leben genießen. Jeden Tag. So wie er es ist.
Mach dir keine Vorwürfe, denke nicht an "was wäre gewesen, wenn..." - ist es nicht. Es ist so, wie es jetzt ist. Für mich war es wichtig mir einen Plan zu machen. Ich wollte nicht ins tiefe Loch fallen, so völlig unvorbereitet. Sehr klaren Kopfes und überhaupt nicht nur aus Trotz oder sonstwas habe ich mir meine Hündin geholt.
Ich habe mir eine Liste mit guter Musik angelegt, die ich hätte hören können, wenn ich gewollt hätte.
Ich habe mir ein Buch beiseite gelegt, das ich NICHT gelesen habe, weil ich wusste es würde mich fesseln und ich könnte ein paar Minuten in eine andere Welt eintauchen und alles vergessen.
Ich habe mir einen Tierarzt ausgesucht, der es tun sollte.
Ich habe mir überlegt wie der Tag sein soll, wer dabei sein soll, was ich danach mit dem kleinen Körper mache.
Dieser große, unheimliche, schwarze Tag... den wollte ich nicht haben. Ich hab ihn nicht dunkel und undurchsichtig sein lassen, ich habe ihn genau bestückt, sodass er von seiner Unheimlichkeit verlor. Der hatte nicht mich im Griff, sondern ich ihn.
Ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass wenn dein Hundemädchen wirklich in den Himmel gehen muss, dass da ein ganz, ganz toller kleiner Kerl auf sie wartet, ein supercooler Pirat, der ihr alles zeigen kann und sie somit nicht alleine sein muss.
Ich drück dich.
Krebs ist kacke.
Wenn du weinen musst, wein. Laut und lange und frustriert.
Und irgendwann hol ganz tief Luft und sag "okay."
Und dann ist es zwar immer noch kacke, aber... es ist okay.