Liebe Sabrina,
ich habe jetzt den ganzen Thread gelesen und ich habe ein paar Tränen in den Augen gehabt.
Vor gut einem Jahr war ich genau an dem Punkt, an dem du jetzt bist, mit meiner Schwarzen. Diese letzten Tage, die letzten Momente, die Freude, wenn etwas gefressen wird, wenn man einen schönen Tag hatte, das kommt mir alles so verdammt vertraut vor. Genau deshalb möchte ich dir ein kleines Lächeln da lassen, ein bisschen Kraft.
Und die Geschichte von einem kämpferischen Langohr.
Ich bin nicht besonders vertraut mit Kaninchen. Als Kind "gehörte" mir einer der Stallhasen bei meiner Oma, so lange, bis er in der Kühltruhe landete und man mir erzählte, er sei ausgebrochen, um dem Osterhasen zu helfen. Da ich höchst allergisch gegen Kaninchen bin, hatte ich danach so gut wie gar keinen Kontakt mehr mit ihnen. Bis ich eine tolle Freundin kennen lernte, die einen ganzen Stall Langohren beherbergt. Lauter kleine Persönlichkeiten, keines über 2kg aber dermaßen frech und selbstbewusst, dass es eine Freude ist. Ich lernte sie kennen, merkte mir ihre Namen und diversen Spitznamen und schluckte bei jedem Besuch Allergietabletten, um nicht röchelnd auf der Wiese zu liegen, wenn ich half, die Kaninchen rauszusetzen.
Dann wurde eines der Kaninchen krank. Tanki hieß der Kleine, na ja, eigentlich hatte er einen anderen Namen, aber unter Tanki kannten ihn alle; er hatte Blasengrieß. Das war so schlimm, dass er fast daran gestorben wäre. Er wurde operiert und kämpfte sich zurück ins Leben, allerdings musste meine Freundin sich dann mühsam an eine wirksame Diät für ihn herantasten. Eine Weile ging das gut, dann jedoch wurde es wieder schlimmer, Tanki konnte kaum Urin absetzen, es ging ihm schlecht, ganz klar, der Blasengrieß war zurück. Die Tierärztin riet, ihn erlösen zu lassen, denn eine zweite Operation kein Jahr nach der ersten war ohnehin kritisch, dazu kam, dass man annehmen musste, der Grieß würde immer wiederkommen. Meine Freundin war sich jedoch nicht sicher, ob das eine Entscheidung im Sinne von Tanki wäre, und bat mich um Rat, weil ich selbst Tierkommunikation "für den Hausgebrauch" betreibe, d.h. ich kommuniziere mit den Tieren, die ich kenne und mit denen ich arbeite. Nun wollte sie, dass ich ihren kleinen Hoppler fragte, was er zum Thema zweite Operation zu sagen hatte.
Gesagt, getan, Tanki wurde aus dem Außengehege geholt und ins Schlafzimmer gesetzt, damit die anderen Langohren bloß nicht dazwischen quatschten, und durfte dann erst mal eine ganze Weile durch die Gegend hoppeln, während wir beide auf dem Boden lagen und ihm zusahen. Zunächst dachte er gar nicht daran, mit mir Kontakt aufzunehmen, man könnte auch sagen, er guckte mich mit seinem plüschigen Hintern nicht an. Nach einiger Zeit taute er auf, kam mich mal anschnuppern, ich erklärte ihm auch, warum ich heute da war, dass wir herausfinden wollten, wie er die ganze Sache sah. Als ich ihm die Frage stellte, ob er eine weitere OP über sich ergehen lassen und kämpfen wollte, mit allen Konsequenzen, Mühen und Schmerzen, da kam er zu mir, sah mich an - und biss mir mit voller Kraft in den Finger.
Meine Freundin war entsetzt, so etwas hatte ihr Tanki noch nie getan, er war doch immer der Sanfteste der ganzen Truppe gewesen. Ich dagegen konnte ihm überhaupt nicht böse sein, hatte er mir doch auf diese Art ziemlich deutlich gezeigt, wofür er sich entschieden hatte: Kämpfen.
Klar, er hätte mir das auch auf die "normale" Art sagen können, aber immerhin ging es in der Situation um seinen Pelz, da durfte er ruhig etwas deutlicher werden. Er hatte davor noch nie jemanden gebissen und hat es auch später nie wieder getan - auch mich nicht.
Nun, er wurde operiert, es fand sich endlich die perfekte Diät, die weitere Blasenprobleme vermied, und Tanki lebte noch weitere zwei Jahre.
Diese halbe Portion mit langen Löffeln und Stummelschwanz hat mich so beeindruckt, dass ich Kaninchen, zu denen ich dank meiner Allergie ja keinen wirklichen Bezug hatte, inzwischen mit ganz anderen Augen sehe.
Als er vor einigen Wochen über die Brücke gehoppelt ist, habe ich auch um ihn geweint. Er war ein Kämpfer bis zum Schluss, und irgendwie musste ich beim Lesen von Merlins Geschichte wieder an ihn denken. Ich bin sicher, auch Merlin hat einige Herzen berührt, er hinterlässt Spuren.
Und ich bin davon überzeugt, er wird dir Bescheid sagen, wenn es so weit ist. Ihr zwei werdet den passenden Moment zusammen finden, und bis dahin macht euch eine wunderschöne Zeit. Übrigens: Du musst nicht um seinetwillen die Tränen zurückhalten. Er weiß eh, dass du traurig bist. :solace: