Beiträge von Sunti

    ... wenn dir folgende Situation öfter passiert und dir nicht mal mehr schräg vorkommt:

    Ich saß am hellen Nachmittag mit der blonden Katastrophe an einem kleinen Provinzbahnhof, Leute gucken, entspannen lernen etc., als eine Bahn einfuhr. Die Züge werden auch gern ins Trainingsprogramm mit einbezogen, denn da steigen schließlich Menschen aus. Auf einmal ging das Fenster im Führerhaus auf, heraus streckten sich die Köpfe eines mir flüchtig bekannten Schaffners und eines Fahrers, den ich vielleicht zweimal oder so gesehen habe. Beide riefen mir etwas zu, was ich vorm Hintergrundgeräusch des Zuges nicht verstand, und näher ran ging mit dem Blondling nicht, ohne einen Ausraster zu provozieren.

    Auf dem Rückweg vom Tierhof begegnete ich dann zufällig der zweiten Schaffnerin, die auch noch dabei gewesen war, und sie erzählte mir, die Kerle hätten wissen wollen, wo ich den Spuk hätte - denn der Blonde wäre ja mit absoluter Sicherheit nicht mein Hund. :headbash:
    Sie meinte dann noch ganz stolz: "Ich hab denen dann erklärt, dass das einer von deinen Pflegehunden ist, die du trainierst."
    Echt, ich werde immer mehr zum Accessoire meines Hundes. *seufz*

    Ich bin stolz, dass Spuk und ich innerhalb eines Jahres das Hinterherrennen hinter Tieren ziemlich gut im Griff haben. Er stoppt auf Kommando sogar beim Hasen, Kaninchen werden inzwischen weitestgehend ignoriert, nur im Dunklen geht er mal hin und guckt, was die da machen, aber ganz locker, nicht mal schnell, wenn sie dann weg sind, schnuppert er nur die Stellen ab, wo sie gesessen haben, und geht weiter markieren. Montag waren wir unterwegs, und weil an der Stelle nichts ist als ein abgemähtes Erdbeerfeld, habe ich ihn vorauslaufen lassen. Als ich dann am Maisfeld vorbei war und das Erdbeerfeld überblicken konnte, stand der Hund am anderen Ende des Feldes am Zaun neben einem Reh, das gerade über den Zaun zu springen versuchte. Er stand nur da und schaute es an, und als ich rief, kam er sofort zu mir, während das Reh über den Zaun sprang. Ich wusste es eigentlich schon immer, dass er nicht packen will, sondern einfach die Bewegung, das Rennen genießt, nun hab ich den Beweis. Das Reh hätte er locker kriegen können, wenn er gewollt hätte. Aber nö, er stand nur daneben und hat es angeguckt. :fondof:

    Ganz besonders stolz bin ich derzeit allerdings auf die blonde Katastrophe. Der Hund mit der kürzesten Lunte der Welt, null Frustrationstoleranz und keinerlei Impulskontrolle hat es am Montag zum allerallerersten Mal geschafft, nicht auszurasten, als ein anderer Hund in Sicht kam. Besagte Hündin streunt den halben Tag rund um den Hof ihrer Besitzer durch die Felder, stellt gern mal Hunde, die sie nicht leiden kann, spielt mit denen, die sie mag, und ist glücklicherweise viel zu fett, um zu rennen. :hust:
    Nun war sie Montag das erste Mal draußen, während der Blonde und ich diese Strecke gingen, und natürlich war weit und breit kein Besitzer in Sicht. Madame Labbi ist leider so... unschlau, dass sie dem explodierenden blonden Atompilz (danke wieder mal an SanSu für den Ausdruck :D) auch direkt ins Maul gelatscht wäre. Ich seh also die Hündin auf dem Feld, mach mich schon mal vorsorglich groß und nehme eine abwehrende Haltung an, was auch gewirkt hat, mehr als ein paar Schritte kam sie nicht auf uns zu, und währenddessen hab ich den zwar angespannten, aber nicht explodierenden Blondling weiter geführt, immer schön Leckerchen jagen lassen, gelobt, abgelenkt, Leckerchen geschmissen... Es ist wirklich ein Riesending, dass er nicht ausgetickt ist, denn normalerweise genügt der Anblick der Schwanzspitze eines anderen Hundes in 500m Entfernung, um ihn hochgehen zu lassen. Ich hab langsam das Gefühl, die monatelange schweißtreibende Arbeit, die blauen Flecken und von der Leine verbrannten Arme lohnen sich doch. :rollsmile:

    Entspanntheit. Spooks hat heute in der Abenddämmerung mal eben 20 Minuten mit einem jungen deutschen Pinscher gespielt, die Zwei sind über den gemähten Acker gerast, haben sich gegenseitig umgebombt und angekaut, geknurrt, gefiept, getobt wie irre, waren manchmal außer Sicht, weil da eine Kurve war, sie hatten Riesenspaß. Ich weiß, dass Spooky wiederkommt, dass er nicht zu weit weggeht, deshalb hat er da maximale Freiheit, und der andere Hund wohnte da auf dem Pferdehof und hatte Heimvorteil. Egal, wie furchtbar es sich anhörte, der andere Halter fand es ebenso klasse wie ich. Den Hund sollten wir öfter treffen, meiner ist nun angesabbert, aber müde.

    Die Dämme brechen, und das ist gut so. Denn zu langes Stauen tut dir nicht gut. Ich glaube dir, dass es jetzt gerade furchtbar ist, mir kommen beim Gedanken an meine Schwarze auch nach über einem Jahr noch die Tränen, und ich sage lieber nicht, wie lange mein erster Hund schon vorausgelaufen ist, denn auch er fehlt noch so sehr. Aber wie du schon sagst, es ist nur die Hülle, im Herzen sind sie alle da. Im Herzen gehe ich mit einem Rudel spazieren, die Anderen sehen aber nur einen Hund. So wird es im Kaninchenhaus auch sein. Ein Schatten, eine Bewegung, ein gutes Gefühl, dann ist er da.

    Lass dir ruhig die Zeit, die du brauchst, und lass sie auch Linus, bis die neue Freundin einziehen darf. Ihr werdet den Moment finden, in dem es passt, und dann auch die perfekte Dame. Es geht gar nicht anders, Merlin wird da ein Auge drauf haben. Wenn es so weit ist, dann kannst du auch die Vermittler anschreiben. Solange das noch nicht geht - gib dir Zeit.

    Nö. Ich hab hier wochenlang mitgelesen, bevor ich mich angemeldet habe, einfach so aus Interesse, weil ich außer den Tierheimhunden zu der Zeit keinen Hund in meinem Leben hatte. Dann hat mich die Beschränkung genervt, dass man ohne Anmeldung nur eine Stunde im Forum lesen konnte und dann wieder warten musste, also hab ich mich halt angemeldet. Leseratte lässt grüßen.

    Ich lasse mich sicherlich in vielen Bereichen meines Lebens verunsichern, aber niemals im Umgang mit (meinen) Tieren. Denn das ist die eine Sache, bei der ich absolut weiß, was ich tue, solange ich auf mein Bauchgefühl höre. Mein Instinkt für Tiere, besonders Hunde, war schon von klein auf sehr ausgeprägt, viele gute Bücher zu den unterschiedlichsten Hundethemen haben auch nicht geschadet. Für meine erste Pflegehündin im Tierheim habe ich TTouch und Massage gelernt, als der erste Welpe mein Pflegling wurde, kam Literatur über Welpen hinzu (einiges hab ich allerdings 1:1 aus dem Psychologiestudium übernommen - danke an die Lerntheorie), ansonsten viel Instinkt.

    Ich picke mir das raus, was interessant und plausibel klingt, frage, wenn ich mal darüber hinaus gehende Hilfe brauche und ignoriere den Rest. Manchmal ärgere ich mich, besonders, wenn irgendwelche Missionare, die weder mich noch die mir anvertrauten Hunde kennen, mir unterstellen, ich sei eine Tierquälerin, nur weil mein Hund am Halsband statt am Geschirr geht, aber verunsichern lass ich mich nicht. Im Laufe der Jahre haben meine Viecher und ich unseren Weg gefunden, und den gehen wir ziemlich zufrieden. ;)