oh, ich wurde gerufen.
Im Windhundesport gibt es (auf dem europäischen Festland*) zwei Disziplinen: Rennen und (Lure-)Coursing.
Beim Rennen geht es im Oval auf einer Sand- oder Rasenbahn im Feld von bis zu 6 Hunden hinter dem "Hasen" her. Der schnellste Hund gewinnt.
Coursing findet auf Naturgelände (von der Sportplatzwiese bis zum Hügelgelände ist da alles dabei) statt. Der Parcours wird über Umlenkrollen gesteckt und ist mehr oder weniger ein Zick-Zack-Kurs (wobei sich Start und Kill (das Ende) meistens in der Nähe voneinander befinden, damit die Besitzer ihr Hunde zügig einfangen können). Beim Coursing laufen höchstens zwei Hunde pro Lauf. Auf dem Parcours befinden sich zwei bis vier (?) Richter, die das Laufverhalten der Hunde bewerten (Schnelligkeit, Kondition, Intelligenz/Hasentreue, Wendigkeit, (und noch zwei Punkte, die mir grad nicht einfallen)). Der Hund mit der besten Punktzahl gewinnt.
Bewertet wird nach Rassen getrennt, es laufen auch nur rassegleiche Hunde zusammen. Außerdem wird bei einer ausreichenden Anzahl an Hunden nach Geschlechtern getrennt gelaufen. Bei Whippets und Windspielen gibt es noch die sog. "internationale Klasse" für Hunde, der standardgroß sind und die "Sprinterklasse" für zu große Hunde (wobei diese auch nach oben gedeckelt ist).
Im Windhundsport dürfen alle vom DWZRV betreuten Rassen und Basenjis laufen.
Wenn man im Windhundesport einen "Gewinner"-Hund haben möchte, reicht es also nicht sich einen Hund der Rasse x zu kaufen, sondern man muss innerhalb der einzelnen Rassen schauen, welche Linien im Sport erfolgreich sind.
Kauft man sich einen Hund nur des Sports wegen, so ist es am einfachsten, sich einen Whippet oder Greyhound (letzterer v.a. Rennen) zu kaufen - diese Rassen laufen sehr zuverlässig. Windspiele z.B. neigen dazu abzubrechen, wenn ihnen was nicht passt (z.B. gestolpert oder (versehentlich) vom Laufpartner angerempelt). Orientalische Windhunde haben z.T. kein besonderes Interesse am künstlichen Hasen oder laufen (beim Coursing) direkt zum Kill - dort kommt der Hase ja am Ende eh an.
Bei seltenen Rassen sind andererseits oft nur wenige Hunde am Start, so dass man recht sicher platziert wird - oder mit Pech der Hund alleine läuft und man daher gar nichts gewinnt. Ich hab mit Jin als Sprinterhündin oft das "Glück" von wenig gemeldeten Hunden - meist sind aber zumindest noch Sprinter-Rüden da und dann laufen sie eben gemischt.
Aber z.B. Podencos, Pharaohhounds oder Deerhounds sind häufig sehr unterrepräsentiert, so dass hier gar kein Starterfeld zustande kommt - übrigens gilt das bei Coursings auch oft für Greyhounds, die trifft man eher auf der Bahn.
Bei Coursings können u.U. auch Hunde aus Showlinien gute Punktzahlen erreichen, bei Rennen haben Showhunde oft keine großen Chancen (wobei es hier auch unterschiedlich schnelle Klassen gibt, da bin ich aber nicht so informiert), da sind Hunde aus Rennlinien meist im Vorteil. Beim Coursing hingegen sind (manche) Rennlinienhunde im Nachteil, weil ihnen (teils) die Wendigkeit fehlt.
Bei Rassen, die nicht in Show- und Rennlinien unterscheiden, hat man diese Problematik natürlich nicht.
Man muss aber ganz klar sagen: der Windhundsport ist prinzipiell für den Greyhound entwickelt worden und der Whippet wurde neben der (Schwarz-)Jagd für den Sport gezüchtet.
Andere Rassen tun sich daher manchmal etwas schwerer (z.B. sind für Langstreckenläufer die Kurse (egal ob Bahn oder Coursing) eigentlich zu kurz) bzw. sind die Bewertungskriterien (beim Coursing) hier schwieriger anzusetzen - wobei die Coursingrichter rassetypisch bewerten (sollen).
Sofern der Hund den "Hasen" annimmt, so hat er aber in jedem Fall Spaß am Sport - ob es nachher aus menschlicher Sicht eine gute Leistung oder nicht ist, ist zweitrangig.
Und zum Glück sehen das im Windhundesport des europäischen Festlands auch die meisten Besitzer so.
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*In Großbritannien, Irland, USA ist der Windhundesport kommerziell. Hier ist der Hund hin und wieder doch eher Nutztier mit auch mehr schwarzen Schafen als im Hobbysport des europäischen Festlands. Dafür werden die Hunde im kommerziellen Sport oft professioneller vorbereitet. Außerdem finden hier Coursings (meist) mit lebenden Feldhasen statt.