Nochmal zum Spiegeltest:
Man muss sich bewusst sein, dass Hunde nicht so sehen wie wir. Hunde sehen unscharf, ihr Sehsinn ist auf das Sehen von Bewegungen ausgelegt. Daher ist der Spiegeltest für den Hund schwieriger als für den Menschen.
Als Kind war ich mal in einem Spiegellabyrinth. Dort ist das Licht schlecht, die Spiegel sind teils verbogen, so dass das Spiegelbild verzerrt wird. Und als zusätzliches Handicap war meine Zwillingsschwester mit dabei - zwar waren wir unterschiedlich angezogen, aber als auf Gesichter fixierter Mensch, wird das in so einer Situation vom Gehirn nicht direkt registriert.
Kurz: es war für mich nicht immer eindeutig, ob ich gerade auf ein Spiegelbild zu lief oder meine Schwester auf mich zu lief - je nach Verzerrungsgrad des Spiegels sogar, ob mein Bruder oder gar ein ganz fremder Mensch auf mich zu lief.
Der Spiegeltest dürfte für das Sehen eines Hundes ähnlich sein, wie für mich damals das Sehen im Spiegellabyrinth. Daher ist es absolut nicht verwunderlich, wenn ein Hund auf ein plötzlich auftauchendes Spiegelbild (z.B. in einer Schaufensterscheibe) erstmal mit Nicht-Erkennen seiner selbst reagiert.
Bei Jin kann ich aber durchaus beobachten, dass sie sich im Spiegel selber erkennt - und sie erkennt auch mich im Spiegel. Wir könne über den Spiegel miteinander mit Gesten kommunizieren.
Diese Beobachtungen kenne ich auch von anderen Hundehaltern.
Ein weiteres Problem des Spiegeltests ist, dass er darauf basiert, dass es dem Probanden etwas ausmachen muss, ob er da nun einen Fleck auf der Stirn hat oder nicht - was ist, wenn Hunden solche Äußerlichkeiten einfach absolut egal sind?
Allerdings gibt es Studien, die sich der Selbstwahrnehmung von Hunden anders genähert haben - nämlich über den Geruch. Hunde leben - was unbestritten sein dürfte - deutlich mehr in einer Geruchswelt als wir. Und so ist das Ergebnis der Studie ansich nicht sehr überraschend: die Hunde haben signifikant anders auf ihren eigenen Urin reagiert, als auf Urin von Fremdhunden.
Das ist eine Beobachtung, die ich bei Jin auch machen kann. Ihr Urin und auch der von "Familienmitgliedern" (also der Hunde meiner Schwester, mit der wir in einer WG leben), wird von ihr idR intensiver untersucht als der Urin fremder Hunde.
Zum Thema Denken:
Natürlich können Hunde - wie die meisten Tiere (dazu zählen auch Menschen) - denken. Sie werden halt nicht in Worten denken. Aber man spricht ja auch (heutzutage!) gehörlosen und/oder stummen Menschen nicht das Denken ab.
Auch meine Vögel denken, obwohl es sich um verhältnismäßig "dumme" Prachtfinken handelt.