Beiträge von l'eau

    Leider gibt es viele Züchter, denen nur Showergebnisse (und/oder ihr bevorzugter Typ) wichtig sind und sich dabei keine Gedanken um die Gesamtheit der Rasse machen.

    Jins Züchterin hat zur Zeit einen Deckrüden im Auge, der mir optisch (was andres kann ich nicht beurteilen, da ich weder den Rüden noch seine Besitzer kenne) überhaupt nicht gefällt, für mich weg geht vom Whippettyp; meine erste Reaktion war entsetzen, als sie mir den Rüden zeigte. Aber man darf den Rüden ja nicht für sich alleine sehen. Dazu kommt ja das Gebäude der Mutterhündin. Der Rüde hat Punkte im Gebäude, die Jins Züchterin gut findet (wenn auch dort übertrieben) und damit dann die "Schwächen" im Gebäude der Mutterhündin verbessern würde. Und charakterlich ist er wohl ein ganz toller.

    Also hier wird langfristiger geplant - die direkten Nachkommen aus dem Wurf mögen optisch dann vielleicht noch nicht ganz das sein, was man möchte, aber wenn man mit diesen dann weiter züchtet...

    So hält man einen Genpool weiter gefächert als wenn man immer nur die "schönsten" Hunde miteinander verpaart.

    Bei einigen Showzüchtern ist so ein Vorgehen natürlich unbeliebter - immerhin möchte man möglichst viele Champions züchten und das geht nicht, wenn man Hunde mit "mangelhaftem" Gebäude züchtet (ganz abgesehen davon, dass rein objektiv beurteilt eher reine Showhunde ein mangelhaftes Gebäude haben, denn solche Hunde die (auch) Leistung erbringen können).


    Wenn ich mir die ZO verschiedener Vereine anschaue, dann geht es doch hauptsächlich um Showergebnisse.

    Und im Windhundsport wurde dieses Jahr von der FCI eine Veränderung verabschiedet, die den Sport so extrem an Ausstellungsergebnisse knüpft, dass Deutschland (und evtl. noch ein paar mehr Länder) im kommenden Jahr keine internationalen Sportveranstaltungen mehr ausrichten wird - denn dadurch wird es zu einer extremen Ungleichverteilung im Sport kommen und außerdem reine Leistungshunde auch noch stark benachteiligen (weil es für diese nur sehr schwer ist, die nötigen Showergebnisse zu erzielen, um Sporttitel gewinnen zu können).

    Einfach nur zum Kotzen.

    Langhaarhunde sind per Foto immer schwierig zu beurteilen. Rein von den Fotos her würde ich sagen, dass sein Gewicht ok ist.

    Besser beurteilt man aber per anfassen: leg deine flache Hand seitlich auf den Brustkorb: kannst du die Rippen spüren? Dann ist der Hund schonmal nicht zu dick. Staken die Rippen raus? rutschen die Finger zwischen die Rippen? Dann ist der Hund zu dünn.

    Ich fände sinnvolles Einkreuzen von Fremdrassen gar nicht so verkehrt. Allerdings immer unter der Voraussetzung, dass (gerade der fremdrassige Hund) vollumfänglich nach dem aktuellen medizinischen Stand durchleuchtet wird.

    Es ist nicht sinnvoll eine Rasse durch eine Fremdrasse genetisch bessern zu wollen und dadurch dann Krankheiten in diese Rasse zu züchten.

    Bei den langhaarigen Whippetähnlichen hat man das damals versäumt (bzw. gab es für die ein oder andre Krankheit damals noch keine Testverfahren), so dass diese Rassen nun allesamt mit (Erb-)Krankheiten deutlich mehr belastet sind als der Whippet (allerdings mWn auch nicht schlimmer dastehen als der Sheltie - also zumindest aus Sicht der andren hauptsächlich beteiligten Rasse hat sich keine (gesundheitliche) Verschlechterung ergeben).


    was machen mit den Kreuzungsprodukten? Wenn ich sie nicht irgendwie über Phänotypisierung doch in Zuchtbücher schleusen kann, bleiben sie bedeutungslos. Im Windhundsport bleiben sie etwa komplett irrelevant, weil sie ohne Papiere eh nirgendwo offiziell mitmachen können.

    Das würde ich pragmatisch lösen: Hunde die +/- aussehen und sich +/- verhalten wie die gewünschte Endrasse laufen bei Ausstellung und Sport unter dieser Rasse. Alle andren bleiben dann halt reine Familienhunde - was hierzulande bei allen Rassen ohnehin den größeren Teil ausmacht.

    Die Nachkommen sollten ohnehin sehr genau nach vorher definierten Zielen beurteilt werden. Und auch die Weiterzucht mit ihnen sollte gut durchdacht sein. Sonst hat man ganz schnell das Pech, dass man die wertvollen Fremdgene wieder verliert (s. diese ganzen "Mopsrückzüchtungen", deren Schnauzen oft genauso schlimm aussehen wie bei den reinrassigen Exemplaren).

    Jedenfalls die Nachkommen aus solchen Kreuzungsprojekten, die in die Zucht gehen, sollten auch zwingend in rassetypischen Einsatzgebieten laufen (sei es Sport, Jagd, Hüten, Therapiebereich oder was auch immer) - nur so kann man sich ein komplettes Bild vom Gelingen der Fremdkreuzung machen. Bzw. erkennen, welche Eigenschaften der (rassereine) Deckpartner mitbringen muss, um den "Mischling" (im Sinn der Rasse) zu verbessern.