Siehst du, ich beziehe in so einem Fall gar nichts auf den Hund. Ich sage "Das ist meins." und wenn's was wirklich Tolles ist "Du, das ist wirklich meins, dein Anteil muß noch abkühlen, wart mal bitte so lang."
Und was machst du, wenn dem Hund das egal ist? Wenn mein Essen nicht so super-spannend ist, dann mach ich es wie du. Aber wenn das nicht klappt, kommt das Nein und ggf. körpersprachliche Verstärkung.
Ja, ich bin nicht perfekt. Sookie hat mir auch scho mal was vom Teller geklaut. Ja und? Freilich ist sie da manchmal hartnäckiger. Stört mich nicht. Und sie ganz offenbar auch nicht.
Und bevor abgeschnappt wird, waren da schon viel Kommunikation zuvor, ein Anheben der Augenbraue während der Welpe sich nähert, etc. Abschneppen, Schnauzerngriff o.ä. ist nie die erste Maßnahme.
Ja, in den meisten Fällen ist vor der Strafe Kommunikation. Aber das Nein ist keine Strafe, sondern die Kommunikation vor der Strafe - wie es beim Hund z.B. das Anspannen der Gesichtsmuskulatur oder das Knurren ist.
Aber es gibt auch Fälle, in denen ohne vorige Kommunikation gestraft wird - diese sind natürlich nicht die Regel.
Nein, ich meine, daß die Mutterhündin nicht denkt "Moment, der benimmt sich aber daneben, den muß ich mal bestrafen bzw. da muß mal eine "Korrektur" her". Sie schützt sich selbst und andere Welpen vor übergriffigem Verhalten, nicht mehr, nicht weniger. Und das rein situativ, nicht im "Training".
Freilich nicht. Sie trainiert ja nicht, sie erzieht. Genau das, was wir Menschen in vielen Teilen auch tun.
Nun sitzt da der 12wöchige Welpe, bekommt eine positive Strafe und soll verstehen, was das soll? Nein, glaube ich nicht dran, das ergibt einfach keinen Sinn. Der ist allenfalls geschockt und unterläßt deshalb ähnliches Verhalten in der Zukunft. Wenn man sich 2-3 Jahre kennt, amg das vielleicht funktionieren, aber nicht mit einem Hund, mit dem man erst wenige Monate zusammenlebt.
Das mag für einen schlecht sozialisierten Welpen aus dem TS gelten. Aber ein Welpe, der in einem intakten Sozialverband aus Mutterhündin, ggf. weitere Hunde des Zuchthaushalts sowie Menschen aufgewachsen ist, ist ja nicht komplett roh, wenn du ihn zu dir holst - weder mit 8 und schon gar nicht mit 12 Wochen. Alle Welpen haben schon die Grundzüge des respektvollen Miteinanders gelernt und natürlich schon Bekanntschaft mit positiver Strafe gemacht und natürlich auch positiver Bestärkung.
Jeder normale Mensch geht auch nicht hin und verprügelt einen Welpen, weil er nicht auf Nein reagiert. Da gibt es eine angepasste Verstärkung (je nach Welpe und Situation von einem Räuspern, über Körperspannung, Mimik, Block bis hin zu einem Stupser (kein Schlag!) an die Schulter). Der Welpe wird davon überrascht sein, vllt auch erschrocken, aber ganz sicher nicht geschockt.
Ich stimme mit dir überein, dass man einem Hund Tricks (Sitz, Platz, Pfote, Männchen...) grundsätzlich über positive Bestärkung beibringen sollte und hier die positive Bestärkung viel wirkungsvoller ist, als das Training über positive Strafe. Nur so schafft man es, dem Hund die intrinsische Motivation zu erhalten bzw. sie zu erschaffen, so dass der Hund mit Feuereifer dabei ist.
Aber in der Erziehung setze ich auf Kommunikation - inkl. hemmenden Elementen. Ich finde es fairer, dem Hund auch mal eine deutliche Grenze zu setzen, als um diese Grenze herum zu trainieren und dadurch weniger Kapazitäten für das ein oder andre (lustige) Training zu haben.
Und ja, die Grenzen zwischen Training und Erziehung können auch mal fließend sein.