Ich find ja, dass man Julia89 keinen Vorwurf machen kann, was die Anschaffung des Hundes angeht. Sie wollte einen ruhigen, gemütlichen, netten, Anfängerhund ohne Problemstellung. Keinen Welpen, sondern einen erwachsenen Hund, den man schon einschätzen kann. Laut ihrer Erzählung, genau das, was die Orga über den Hund erzählt hat/ wie sie diesen Hund dargestellt hat. Einem Menschen ohne große Hundeerfahrung wird kaum auffallen, dass die Beschreibung und die Optik nicht ganz zusammen passen. Leonberger sind auch groß und haben ne schwarze Maske.
Ganz wichtig ist aber jetzt wirklich einen guten (wenn auch teuren) Trainer ins Boot zu holen uns einschätzen zu lassen, welches Potential der Hund hat und im zweiten Schritt zu lernen, wie dieser Hund geführt werden muss, damit es niemals mehr zu einem Beißvorfall kommt.
Schau mal in den Thread von McChris. (dazu musst du dich im persönlichen Bereich bei den Benutzergruppen frei schalten lassen.) da bekommst du einen tolle Einblick, wie diese Art Hund arbeitet/lebt/ was ihr Wesen ausmacht.
Ich durfte Chris 1x besuchen. Und durfte in ihrer Begleitung auch mit auf die Weide mit den Kühen und Hunden. Damals waren es "nur" ihre 2 Jungs und es war ein eindrückliches Erlebnis. Die beiden wirkten keine Sekunde mir gegenüber feindselig, aggressiv, gefährlich. Sondern wie große Kuschelbären
. So wie sie sich angeschmiegt haben, hatte ich gar keine andere Chance, als sie zu kuscheln... Oder mir zu überlegen, ob ich näher an die Kühe möchte. Ergo: Ziel der Hunde erfüllt: Schutz der Kühe vor Fremden.
Da ich nun nicht ganz unerfahren bin, war mir durchaus bewusst, dass ich diese Weide niemals nie nicht betreten werde, wenn Chris nicht dabei ist. Ich bin mir 100% sicher, dass die 2 (inzwischen 3) mich niemals auf ihrer Fläche dulden würden. Gut, sie würden es, solange ich friedlich bin, nett durchsetzen, aber kompromisslos. Ohne Kuschelkurs. Diese Präsenz ist unglaublich.
Und das erklärt, warum diese Hundeart ganz anders geführt werden müssen, als man es gewohnt ist.
Und noch eine weniger schöne Begegnung. Ich bin eine zeitlang zu Sozialisierungszwecken regelmäßig auf eine (nicht umzäunte) Hundewiese. Dort hab ich mich mit einer mir vorher schon bekannten, größeren Hundegruppe getroffen. So konnte ich bei Fremdhunden direkten Kontakt vermeiden, weil der Fremdhund mit der Gruppe beschäftigt war und ich ausweichen konnte. Tja. Und dann gabs da diesen Kangal. Der wohl seit Welpe an, täglich auf die Wiese kam. Er war ca ein Jahr alt, als er zur selben Zeit wie ich auf der Wiese unterwegs war. Mir war gleich klar, dass Ausweichen keine Option bei ihm sein wird. Er hatte diesen Blick, diese Präsenz: es war klar, dass er meinte alles gehört ihm und er bestimmt, wie Hund sich zu verhalten hat. Ich hab Puck auf den Arm genommen und ihm so versucht die Angriffsfläche zu nehmen. Der Kangal sah das aber anders. Ich bin mir sicher, er wollte mir Puck vom Arm pflücken. Zum Glück war er erst ein Jahr alt und ein anderer Hundehalter nahm ihm am Halsband weg und ging mit Frauchen und Hund von der Gruppe weg. Frauchen hatte 0(!) Einflussmöglichkeit auf den Hund. Das hätte sowas von schief gehen können. Das nächste, was ich von dem Hund hörte, war, dass Frauchen nur noch nachts, wenn nichts los ist, Gassi geht.
LG Anna