Beiträge von Snaedis

    Und es ist immer wieder erstaunlich, was man mit Geduld auch mit einem ungünstig vorgeprägten Hund oder sogar bei Hunden mit mild ausgeprägten Deprivationsschäden erreichen kann. So gravierende Schäden, dass gar nichts mehr geht - oder so gravierende generalisierte Ängste, dass man mit Methoden wie Flooding arbeiten muss, weil sonst nichts geht - das ist gsd. unwahrscheinlich selten.

    Bei meiner Hündin funktioniert es mittlerweile bis zu einem gewissen Grad ausgezeichnet, dass sie nicht auf ihr „genetisches Grundprogramm“ (das eh auch ein Misch wäre) zurückgreift, sondern fragt, wenn sie nicht weiter weiß.

    Ohja!

    Es braucht zwar deutlich mehr Schweiß, aber es lohnt sich, wenn man sieht wie "normal" ein Hund werden kann und wie stressarm auch sein Leben dadurch wird.

    LG Anna

    Nun, ich hab hier den Vergleich eines inzwischen Fünfjährigen Rüden (Flip) , den ich mit 9 Wochen vom guten Züchter geholt habe, und einem inzwischen 2,5 Jährigen Rüden (Thorin) , der aus dem Tierschutz mit 15/16 Wochen zu mir kam.

    Als Flip mit 9 Wochen einzog, kannte er weder Leine und Halsband. Er hat "nur" Haushalt (samt ganz normalen Alltag), Lösen im Garten mit verschiedenen Untergründen, und ein paar Ausflüge in Gebiete, wo Leine nicht nötig war, und natürlich Tierarzt, kennen gelernt. Als ich mit ihm daheim ankam, sicherte ich ihn selbstverständlich mit Leine und Halsband zum ersten Gassi, bei dem er auch meinen Erst Hund Puck und den Hund meiner Schwester Jin kennen lernte. Er lief sofort mit, ohne sich an Halsband oder Leine zu stören. Auch das begrüßen der beiden Großen war jetzt nix auffälliges. Lösen draußen funktionierte problemlos. Stubenrein war er in einem angemessenen Zeitraum (ich weiß nicht mehr wie lange). Von Anfang an, verstand er problemlos die Körpersprache der Großen Hunde und reagierte adäquat (natürlich auch mal zu übermütig, wie Welpen halt so sind). Auch das menschliche Setzen von Grenzen nahm er schnell an und lernte problemlos einen verbalen Abbruch.

    Flip hat sich im Großen und Ganzen zu einem selbstsicher, gesunder Hund entwickelt - die Entwicklung verlief meiner Meinung nach ganz normal ohne Defizite. Er fand schon mit 9 Wochen fremde Menschen unnötig und teilt das auch mit, wenn er bedrängt wurde. Ich hab nie gefördert, dass er fremde Menschen "mögen" muss und finde das vollkommen in Ordnung. Das hat sich bis heute also nicht geändert. Ansonsten ist er ein ganz normaler Hund.

    Thorin ist in einem Hundemessihaushalt geboren worden und ist mit 7 Wochen mit seiner Mutter zu einem netten Ehepaar gezogen, welches Pflegestelle für den Tierschutz ist. Dort lebte er bis zur 12. Woche mit seinen 3 Geschwistern und Mutter (plus weitere Hunde, welche dem Ehepaar gehören). 2 Geschwister zogen dann aus und er und seine Schwester blieben bei der Mutterhündin, bis zur 15./16. Woche.

    Als er zu mir zog war er ein völlig überdrehter Zwerg. Er hatte, durch die Fehleinschätzung der Pflegefamilie, seine natürliche Fähigkeit zur Ruhe zu kommen verlernt (seine Mutter war gestresst und hat diesen Stress durch "Spiel" mit ihren Welpen kompensiert - heißt, wenn Thorin sich zurück zog um zu ruhen, hat die Mutterhündin ihn zu weiterem "Spiel" genötigt). Zusätzlich hatte Thorin generell Schwierigkeiten mit der Hundesprache. Gerade jegliches was in Richtung lass das/ich mag nicht/nein/... geht. Der einzig funktionierende Abbruch erfolgte durch Jin: eine massive körperliche Maßregelung mit nachsetzen, als er sich eigentlich schon ergeben hatte. Ohne nachsetzen hat er allerdings direkt nach dem Ablassen durch den Althund wieder weiter gemacht.

    Es verwundert nicht, dass er dementsprechend körperlich begrenzt, anfangs sogar fixiert werden musste, um zur Ruhe zu kommen. Und auch nicht, dass auch ein Abbruch durch den Menschen kaum bei ihm als ein solcher ankam. Das Auftrainieren eines verbalen Abbruchsignals war sehr mühsam und schlussendlich auch mit einer körperlichen Berührung (Abwurf mit Stoffleine - er wog damals keine 2kg!) notwendig, damit er es versteht. So heftig wollt ich nie! bei einem so jungen Hund werden müssen, für ein verbales Abbruchsignal zu trainieren.

    Schlussendlich musste ich ihn vor einem viertel Jahr kastrieren lassen, da er mit Eintritt der Pubertät eine Hypersexualität entwickelte.

    Inzwischen kommt er zu 90% selbst zur Ruhe. Selten muss er noch begrenzt werden. Ihm fällt es noch immer schwer ein "Nein" zu verstehen und nervt dadurch regelmäßig die anderen Hunde im Rudel - da muss dann der Mensch eingreifen. Wobei meine 3 anderen auch eher weich im Nein sind. Vor der Kastra war er draußen schnell geistig "durch" und nicht mehr aufnahmefähig, was den Alltagsgehorsam erschwerte. Das hat sich inzwischen deutlich gebessert. Aber noch immer nicht vergleichbar zum Rest.

    Mein Fazit daher: Bei einem guten Züchter, ist ein Welpe auch schon mit 8 Wochen weit genug, um ohne Defizite umziehen zu können.

    Kommt der Hund aus einer mangelhaften Quelle, bei der Defizite entstehen, hilft auch das zusammenleben bis zur Woche 12 oder noch länger nichts.

    LG Anna

    Als Kind gehört bei uns das besorgen und schmücken des Baumes zu den Aufgaben, bei denen wir mithelfen "mussten" (Baum holen und Aufstellen mit Papa, Schmücken mit Mama; als Jugendliche dann ohne Eltern). Auch das Aufstellen der Grippe.

    Will ich ähnlich handhaben, wenn der Kleine mal auf der Welt und alt genug ist.

    Die letzten Jahre hatten wir Aufgrund von Hund und Katz keinen Baum. Das müssen wir uns dann eher Gedanken machen... Also Hund ist leicht: einfach kleiner Baum aufm Tischchen. Die Kater werden sich nicht so leicht überzeugen lassen, dass es kein neues Spielzeug für sie ist...

    LG Anna

    Hm. Hab ich hier nicht ganz so. Thorin versucht zwar manchmal, aber er lässt sich gut eingrenzen... Ich glaube, wenn Hund E das bei und B1 stärker zeigt als bei Hund B2 liegt es an der unterschiedlichen Beziehung und/oder dem Respekt von Hund E zu B1 und E zu B2.

    Ist hier jedenfalls generell in der Interaktion zwischen den Hunden zu sehen, wie schnell oder wie stark sie auf die Kommunikation des anderen reagieren.

    LG Anna

    :barbar: da würd ich ja zur Furie... Bin froh, dass unser Dorf hier ein respektvolles Miteinander pflegt.

    Kann ich sehr gut nachvollziehen, dass du keine fremden Menschen an deinem Baby willst.

    Puck ist leider der Meinung, dass jeder Mensch eine potentielle Gefahr sein könnte. Auch, wenn die sich gar nicht auf uns zubewegen. Aber gut, wenn er mir die Kontrolle überlässt, dann bleibt er entspannt und beachtet sie nicht weiter. Vor Schwangerschaft ging sogar entspanntes vorbei laufen, ohne Leine, nur im Kommando... Trau ich mich jetzt nicht mehr. Außer ich werd überrumpelt, wie heute xD

    LG Anna

    Ich hab hier doch erzählt, dass gerade meine beiden Nackijungs mich beschützen wollen, seit ich schwanger bin. Nun heute schön entspannt auf gerader Strecke unterwegs. Nach gefühlten Wochen endlich mal wieder strahlend blauer Himmel und ich hab die Sonne genossen. Plötzlich meldet Flip lautstark hinter mir was. Um genau zu sein nicht was, sondern jemand. Ein Spaziergänger keine 10m hinter mir :ugly:. Hunde sofort zu mir beordert und bei Flip fürs Bescheid geben bedankt. Den Spaziergänger vorbei gelassen (dank Gebärmutterbänder, die sich spürbar dehnen, bewege ich mich mal wieder im Schneckentempo vorwärts) und nach kurzem warten hinterher. Einige Minuten später, der Mann schon außer Sicht, fällt mir auf, dass Puck, der vor ein paar Monaten, als ich noch recht fit war, beinahe eine Frau auf 20m Entfernung gestellt hätte, sich schon beim Bellen von Flip mir zugewendet hat und nichtmal mit der Flexi gesichert war (weil völlig gerade, übersichtliche Strecke):applaus: .

    Ich werde Puck weiter an unübersichtlichen Stellen sichern, aber ich bin doch etwas optimistischer, dass er auch mit Kind freilauffähig bleibt und versteht, dass ich ganz gut auf meine Meute aufpassen kann. :barbar:

    LG Anna

    ... Oder man wächst mit seiner Aufgabe und wird selbstsicher im Umgang und Auftreten...

    Man bekommt nicht immer den Hund, den man will, aber den, den man braucht. Oder so ähnlich.

    LG Anna

    Ja, das klingt gut und kann ein tolles Ziel sein.

    Sobald ein Hund aber darunter krank wird, finde ich, dass man sich das nicht an diesem Lebewesen erarbeiten sollte.

    Oder man schafft es zeitnah sein Verhalten so zu ändern, dass die Stressauslöser deutlich verringert werden. Dazu muss das eigene Verhalten deutlich reflektiert werden und welche Änderungen es Bedarf. Ggf auch mit Hilfe eines Trainers.


    Und vielleicht noch ein Gedankenanstoß an die TS: mir scheint, dass du mit deiner bisherigen Trainerin nichts erreicht habt, um Dixi den Stress zu nehmen. Ergo würde ich dafür einen anderen Trainer suchen - manchmal hilft ein Tapetenwechsel. Gerade, wenn man den bisherigen Trainer schon länger kennt. Auch dieser kann "betriebsblind" werden.


    LG Anna