Nun, ich hab hier den Vergleich eines inzwischen Fünfjährigen Rüden (Flip) , den ich mit 9 Wochen vom guten Züchter geholt habe, und einem inzwischen 2,5 Jährigen Rüden (Thorin) , der aus dem Tierschutz mit 15/16 Wochen zu mir kam.
Als Flip mit 9 Wochen einzog, kannte er weder Leine und Halsband. Er hat "nur" Haushalt (samt ganz normalen Alltag), Lösen im Garten mit verschiedenen Untergründen, und ein paar Ausflüge in Gebiete, wo Leine nicht nötig war, und natürlich Tierarzt, kennen gelernt. Als ich mit ihm daheim ankam, sicherte ich ihn selbstverständlich mit Leine und Halsband zum ersten Gassi, bei dem er auch meinen Erst Hund Puck und den Hund meiner Schwester Jin kennen lernte. Er lief sofort mit, ohne sich an Halsband oder Leine zu stören. Auch das begrüßen der beiden Großen war jetzt nix auffälliges. Lösen draußen funktionierte problemlos. Stubenrein war er in einem angemessenen Zeitraum (ich weiß nicht mehr wie lange). Von Anfang an, verstand er problemlos die Körpersprache der Großen Hunde und reagierte adäquat (natürlich auch mal zu übermütig, wie Welpen halt so sind). Auch das menschliche Setzen von Grenzen nahm er schnell an und lernte problemlos einen verbalen Abbruch.
Flip hat sich im Großen und Ganzen zu einem selbstsicher, gesunder Hund entwickelt - die Entwicklung verlief meiner Meinung nach ganz normal ohne Defizite. Er fand schon mit 9 Wochen fremde Menschen unnötig und teilt das auch mit, wenn er bedrängt wurde. Ich hab nie gefördert, dass er fremde Menschen "mögen" muss und finde das vollkommen in Ordnung. Das hat sich bis heute also nicht geändert. Ansonsten ist er ein ganz normaler Hund.
Thorin ist in einem Hundemessihaushalt geboren worden und ist mit 7 Wochen mit seiner Mutter zu einem netten Ehepaar gezogen, welches Pflegestelle für den Tierschutz ist. Dort lebte er bis zur 12. Woche mit seinen 3 Geschwistern und Mutter (plus weitere Hunde, welche dem Ehepaar gehören). 2 Geschwister zogen dann aus und er und seine Schwester blieben bei der Mutterhündin, bis zur 15./16. Woche.
Als er zu mir zog war er ein völlig überdrehter Zwerg. Er hatte, durch die Fehleinschätzung der Pflegefamilie, seine natürliche Fähigkeit zur Ruhe zu kommen verlernt (seine Mutter war gestresst und hat diesen Stress durch "Spiel" mit ihren Welpen kompensiert - heißt, wenn Thorin sich zurück zog um zu ruhen, hat die Mutterhündin ihn zu weiterem "Spiel" genötigt). Zusätzlich hatte Thorin generell Schwierigkeiten mit der Hundesprache. Gerade jegliches was in Richtung lass das/ich mag nicht/nein/... geht. Der einzig funktionierende Abbruch erfolgte durch Jin: eine massive körperliche Maßregelung mit nachsetzen, als er sich eigentlich schon ergeben hatte. Ohne nachsetzen hat er allerdings direkt nach dem Ablassen durch den Althund wieder weiter gemacht.
Es verwundert nicht, dass er dementsprechend körperlich begrenzt, anfangs sogar fixiert werden musste, um zur Ruhe zu kommen. Und auch nicht, dass auch ein Abbruch durch den Menschen kaum bei ihm als ein solcher ankam. Das Auftrainieren eines verbalen Abbruchsignals war sehr mühsam und schlussendlich auch mit einer körperlichen Berührung (Abwurf mit Stoffleine - er wog damals keine 2kg!) notwendig, damit er es versteht. So heftig wollt ich nie! bei einem so jungen Hund werden müssen, für ein verbales Abbruchsignal zu trainieren.
Schlussendlich musste ich ihn vor einem viertel Jahr kastrieren lassen, da er mit Eintritt der Pubertät eine Hypersexualität entwickelte.
Inzwischen kommt er zu 90% selbst zur Ruhe. Selten muss er noch begrenzt werden. Ihm fällt es noch immer schwer ein "Nein" zu verstehen und nervt dadurch regelmäßig die anderen Hunde im Rudel - da muss dann der Mensch eingreifen. Wobei meine 3 anderen auch eher weich im Nein sind. Vor der Kastra war er draußen schnell geistig "durch" und nicht mehr aufnahmefähig, was den Alltagsgehorsam erschwerte. Das hat sich inzwischen deutlich gebessert. Aber noch immer nicht vergleichbar zum Rest.
Mein Fazit daher: Bei einem guten Züchter, ist ein Welpe auch schon mit 8 Wochen weit genug, um ohne Defizite umziehen zu können.
Kommt der Hund aus einer mangelhaften Quelle, bei der Defizite entstehen, hilft auch das zusammenleben bis zur Woche 12 oder noch länger nichts.
LG Anna