Beiträge von Abessinierin

    Ich denke, wenn ich anfange, Lebensquantität vor Lebensqualität zu stellen, dann läuft was mächtig falsch.

    Es geht doch nicht darum, ein Tier möglichst alt werden zu lassen sondern ihm ein möglichst gesundes Leben zu ermöglichen und seine Beschwerdefreiheit so lang wie möglich zu erhalten.

    Hat es wirklich Sinn, ein Tier am Leben zu erhalten, dass von 365 Tagen im Jahr vielleicht 100 Tage einigermaßen sich wohlfühlt, 265 Tage aber starke Medikamente braucht um zu lindern?

    Das von 365 Tagen 265 Tage auf seinem Lager liegt und zum Lösen in den Garten getragen und wieder zurückgetragen werden muss?

    Das von 365 Tagen vielleicht 100 Tage selbstständig frisst und trinkt und die restlichen 265 Tage Wasser und Nahrung eingeflößt bekommen muss?

    Ist das wirklich der Sinn eines Hundelebens?

    Birgit

    Diana, momentan noch. Meine Große möchte ausziehen und so schauen wir uns verscheidene Möglichkeiten an, wie das mit ihren Behinderungen hinhaut.

    Mir war bei der Erziehung meiner Tochter wichtig, dass sie so selbst- und eigenständig wie möglich wird und ihr Leben möglichst autonom und nach ihren Vorstellungen führen kann.

    Eben weil ich iwann nicht mehr dasein werde.

    Birgit

    Diana, ich hab hier eine 19-jährige Tochter... 90% schwerbehindert. Tetraspastik, Tetraparese, stark kurzsichtig, geistig leicht ratrdiert dank falscher Beatmung nach Frühgeburt, Beinlängendifferenz, Verdrehung der Körperachse und rolli-indiziert nach OP.

    Du brauchst also nicht ausholen...... Ich kenn es und weiß auch, was damit zusammenhängt und wie sich das dann lebt.

    Katja, ich kann Dir nur sagen wo bei mir der Cut wäre: Hätten meine Eltern, meine Kids, ich oder Markus einen schweren Unfall oder erlitten eine schwere Krankheit, deren Folge es wäre, dass z.B. Taub- und Blindheit plötzlich da wären, schwere Hirnschäden plötzlich da wären, hoher Querschnitt, Amputation mehrerer Gliedmaßen... dann wäre genau das die Cutstelle.

    Bei Hundi ähnlich. In dem Moment, wo er nicht mehr artgerecht leben und sich verhalten könnte, wäre bei mir der Cut.

    Wie schon iwo weiter vorn beschrieben.

    Respekt habe ich vor den Eltern, die ihr Kind zum sterben zu sich nach Hause holen und es begleiten.

    Birgit

    Meine Tochter war nach zwei schweren OP`s in einer Rehaeinrichtung in Geesthacht. Eigentlich eine Rehaeinrichtung für Schäde-Hirn verletzte Kinder und was ich da sah, das reichte mir auch.

    Besonders im Gedächtnis blieb mir ein junges Mädchen, 16 oder 17. Hatte einen schweren Reitunfall, bei dem die Schädeldecke zertrümmert und eine Gehirnhälfte irreparabel geschädigt wurde. Man entfernte die betroffene Gehirnhälfte, ein junges Hirn kann ja ausgleichen.

    Nun ja, das Mädchen besuchte vor dem Unfall das Gymnasium, jetzt konnte sie mit Mühe und Not grad mal zwei und zwei zusammenzählen, neigt zu Wutausbrüchen, weinte oft, hatte Koordinationschwierigkeiten, das Gleichgewicht haute nicht mehr hin, von ihrem Leben und das ihrer Familie war nur noch ein Trümmerhaufen übrig.

    Vorallem aber waren die Erinnerungen noch da und zwar bei allen, auch bei dem Mädchen, wie das Leben vorher war und was dieses Mädchen alles konnte.

    Birgit

    Stimmt Gaby, der Hund ist ein Bewegungstier und ein hochsoziales Wesen.

    Kann es sich nicht mehr auf Dauer schmerzfrei bewegen ( hat bspw. als 6 monatiger Welpe schon HD Grad E) oder kann es am Leben und an seiner Umwelt nicht mehr teilhaben ( monatelanges liegen im Lager) dann sind ganz existenzielle Dinge im Leben des Hundes massiv eingeschränkt und das Leben des Hundes nicht mehr artgerecht lebenswert.

    Birgit

    Ehrlich Sina, das wäre für mich der Supergau und ich wüßte nicht weiter.

    Wahrscheinlich würde ich folgendes machen: Termin für den Abend ausmachen, den Hund wieder mit nach Hause, die letzten Stunden mit dem Hund und der Familie verbringen und dann gemeinsam zum TA fahren.

    Birgit

    Zitat

    Die ersten Anzeichen können leider auch gleichzeitig innerhalb kürzester Zeit auch die letzten sein.
    ...und das kann so schnell gehen, das der Hund eventuell qualvoll auf dem Weg zum Arzt( oder dessen Weg zum Hund) zb. erstickt.

    ...nein, ich glaube ich würde den Termin sofort machen, auch wenn ich ihm und mir ein paar Tage nehme.
    Aber das ist doch gerade am schwierigsten, den Hund gehen zu lassen, obwohl man überhaubt noch nicht realisiert hat, das es tatzächlich so kommen kann.
    ...das Realisieren solcher Situationen erfordert manchmal auch eine gewisse Erfahrung...und die hat man nicht immer.

    Hmm, Du hast Recht. Doch nicht jeder kann genau dies. Denn noch geht es dem Tier gut.

    Ich glaube, genau damit täte ich mich auch sehr schwer und bräuchte einen guten Freund an meiner Seite, der mir genau dies rät.

    Birgit