Ich bin echt nie sauer auf meinen Hund. Sie ist, wie sie ist und das stört mich nicht genug, als dass ich mich aufregen würde. Wenn sie einen Befehl nicht ausführt, ist sie mit den Gedanken woanders. Die hört mich dann wirklich nicht. Mir haben auch schon Schlauberger geraten, sie in solchen Fällen doch mal anzustupsen. Kann ich machen. Auch auf zwanzig mal Dauerpicken an den Oberschenkel reagiert sie dann nicht. Da müsste dann schon ein größerer Schreckreiz kommen. Wie zum Beispiel, mich vor sie zu stellen (oder drohend auf sie zu zu laufen) und laut zu werden. Das ist eine Verhaltensweise, die ich mir mühsam antrainieren musste und die ich daher sehr bewusst mache und nur in Fällen einsetze, wenn es wirklich wichtig ist.
Wenn der Hund ab und an mal einen besonders unaufmerksamen Tag hat, habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder, ich versuche sie mit allen Mitteln für meine Anwesenheit zu begeistern. Oder ich habe keinen Bock auf pädagogisch wertvollen Ringelpiez und ich latsche einfach nur die Runde mit ihr ab und jeder macht seins. Dann vergeude ich auch kein schönes Kommando an einen Hund, der es vielleicht gar nicht mitkriegt und stehe nicht vor dem Problem, ob ich es durchsetzen muss oder ob es eh keinen Zweck hat.
Ich habe aber auch einen Hund, der nicht testet und nicht diskutiert - wenn sie motiviert und bei der Sache ist, ist sie inzwischen sehr kooperativ. Aber sie hat halt ihre mentalen Aussetzer und die kann ich nicht durch Strafen verhindern.
Sogar, wenn ich mich manchmal verarscht fühle, weiß ich doch, dass das von ihr nicht arschig gemeint war.
Beispiel: Totes Karnickel am Straßenrand. Ich sage pfui, sie lässt es schweren Herzens liegen. Sie kriegt eine Belohnung. 100 Meter weiter dreht sie um in Richtung Karnickel. Ich rufe sie zurück, sie kommt, sie kriegt eine Belohnung. Nach 500 Metern fällt ihr plötzlich das Karnickel wieder ein und sie rennt hastig los. Dann habe ich verloren. Ich komme eh zu spät beim Karnickel an, um ihr Erfolgserlebnis zu verhindern. Ich bin zu blöd, um ihr zielgenau was in den Weg zu werfen. Ich bin selber schuld, dass ich sie nicht an die Leine genommen oder ihr ein adäquates Spaßprogramm geboten habe, damit sie mit den Gedanken bei mir bleibt.
Aber ich finde mein Fehlverhalten auch nicht schlimm genug, um mich darüber aufzuregen. Im Großen und Ganzen hört sie gut, für Gefahrensituationen habe ich eine Pfeife, die tatsächlich bis in ihr Hirn vordringt. Und ansonsten hat der Hund dieses Mal halt mal gewonnen, beim nächsten Mal ist es dann wieder andersrum...