Beiträge von lilactime

    Empfehlung: "Brodecks Bericht" von Philippe Claudel

    Ein dunkles Buch zum Thema "Was braucht es eigentlich, damit aus einem Fremden nur aufgrund seiner Andersartigkeit ein Hassobjekt wird"

    Spoiler: Kaum etwas.

    In einem abgelegenen Dorf (in einem fiktiven Europa nach einem fiktiven Krieg, dessen "Vorbild" allerdings schnell klar wird) erscheint eines Tages ein Reisender, der im Ort Quartier bezieht.

    Brodeck, einer der Dorfbewohner, wird beauftragt, einen zusammenfassenden Bericht zu den darauf folgenden schrecklichen Ereignissen zu schreiben.

    Im Zuge dieser Schreibarbeit erfährt der Leser sowohl Brodecks Lebensgeschichte als auch die Umstände, die im Dorf Schritt für Schritt zur Eskalation geführt hatten.

    Sechs Wochen ist unsere Nelly nun nicht mehr hier. Eine Aktion von ihr nur wenige Tage vor ihrem Tod kommt mir oft in den Sinn, es war einfach klassisch Nelly:

    Nelly verweigerte in ihren letzten Wochen gerne und häufig jede mögliche Richtung, die man von unserer Haustür aus zum Gassi einschlagen kann. Konkret sah es so aus, dass sie sich einfach (trotz hochgradiger Spondylose) über die Schulter in die stabile, platte Seitenlage abrollte und liegenblieb.

    Da das relativ dramatisch aussah, hielten immer wieder Passanten und auch Fahrzeuge an, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei.

    (Frau steht neben plattem, reglosem Hund und macht einfach nichts)

    Nelly verweigerte also jede mögliche Richtung - bis auf eine. Den Weg zum Bäcker.

    Schlug man den Weg zum Bäcker ein, zerrte sie einen erbarmungslos zum Ziel.

    Ziel = das traditionelle halbe Brötchen.

    Auch nachts um drei, nach einem Durchfall-Intermezzo: Bin fertig, lass uns zum Bäcker.

    Nee, Nelly.

    Ich war jedenfalls am Auto beschäftigt, die Hunde bewachten derweil den Rasen.

    Dachte ich.

    Als ich mich umschaute, war Nelly verschwunden.

    Etwas panisch aktivierte ich Cala und wir rannten die Hauseinfahrt hoch Richtung Straße. Da wir in einer Sackgasse wohnen, ist hier zum Glück kaum was los.

    Zwanzig Meter weiter war dann auch schon Nelly auszumachen, die in einem unglaublich resoluten Omma-Trab gen Bäcker entschwinden wollte.

    In dem Moment der Schock: auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig lief der kleine Nachbars-Yorkie Gassi, den Nelly hasste. (weil sie einfach so gut wie jeden anderen Hund hasste)

    Ich dachte noch "Oh scheiße".

    Nelly sah den kleinen Rüden, brüllte ihn kurz im Vorbeieiern an ("Ich würde dich töten - aber ich muss zum Bäcker") und trabte zielstrebig weiter.

    Zumindest bis ich sie nach 20 Sekunden eingeholt hatte.

    Da konnte sie dann nicht mit umgehen, wir gingen letztendlich also alle zusammen zum Bäcker.

    Ach Nelly :herzen1:

    Nach echt blöden Bedingungen über die letzten Monate geht nun doch noch was.

    An die Erträge des letzten Jahres wird trotzdem nicht zu denken sein.

    Ich hoffe, ich kann ausreichend einkochen.

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    Unsere beiden Zwetschgen sind auch hochgradig vom Pflaumenwickler befallen.

    Da der Falter zwei Generationen im Jahr hervorbringt, ist die Bekämpfung etwas tricky.

    Gegen die Falter an sich gibt es Pheromonfallen - führt dazu, dass Eier unbefruchtet an den jungen Pflaumen abgelegt werden und somit die erste Welle schonmal nichts groß anrichten kann.

    Was es trotzdem in die Frucht geschafft hat an Raupen, lässt sich irgendwann fallen, verpuppt sich am Boden und will gegen Juli abermals den Stamm hoch.

    Da helfen dann Leimringe.

    Meine Gedanken dazu:

    Um erstmal ein Markersignal aufzubauen, würde ich stark riechende Leckerlies in unmittelbare Reichweite rollen, nachdem das Signal erfolgt ist. Du schriebst ja von Handscheue auch beim Füttern aus der Hand.

    Hätte ich den Eindruck, die erwünschte positive Verknüpfung zwischen Marker und Futter liefe gut, würde ich langsam beginnen, dieselben Leckerlies aus der Hand rollen zu lassen und die Entfernung zwischen Hand und Leckerlie schrittweise zu verringern.

    Da das Markersignal dann ja bereits eine positive Verknüpfung/positive Erwartungshaltung auslösen sollte, würde ich also die Phase der klassischen Konditionierung gleich noch für eine positive Verknüpfung mit der Hand mitnutzen.

    Wenn das Markersignal sitzt, könnte man beginnen, schrittweise Annäherung zu markieren/belohnen.

    Den Punkt mit der Schmerzmittelgabe über einen festgelegten Zeitraum finde ich auch eine sehr sinnvolle Sache.

    Abgeschlossen: "Eine Geschichte der Wölfe" (Autorin ist mir spontan entfallen)

    Gutes Buch!

    Die Geschichte eines Teenager-Mädels, welche im amerikanischen Niemandsland als "Strandgut" einer ehemaligen Hippiekommune aufwächst.

    Auf der verzweifelten Suche nach Zugehörigkeit und menschlicher Zuwendung, nimmt sie einen Babysitter-Job bei den neuen Nachbarn an und betreut deren kleinen Sohn.

    Je wichtiger dieser Sozialkontakt für die Protagonistin wird, desto stärker kristallisiert sich heraus, dass etwas in der Familie ganz und gar nicht in Ordnung ist.

    Abgeschlossen in den letzten Wochen:

    Rainald Goetz - Irre

    Ein unbequemes und oft anstrengendes Buch zum Thema Psychiatrie, aufgeteilt in drei Teile :

    Im ersten Teil geben kurze Abschnitte Symptome der später im Buch auftauchenden Patienten wieder.

    Wahngebilde, Zwänge, Sucht, Ängste, Depression

    Der zweite Teil handelt von einem jungen Arzt, der als Psychiater in einer Münchner Klinik tätig ist.

    Dies ist der zugänglichste (und beste) Teil des Buchs. Die Hilflosigkeit angesichts des Elends, die zynischen und reaktionären Kollegen, die Überwältigung und schließlich Vereinnahmung durch den Höllenkreis der geschlossenen Station

    Der dritte Teil ist ein Monolog des jungen Arztes, der seinen Job verloren hat und sich nun selbst in einer Abwärtsspirale aus Wahn und Depression wiederfindet.

    Schlecht lesbar, dieser dritte Teil, da enorm wirr und anstrengend.

    Alles in allem ein beeindruckendes Buch, weiterempfehlen würde ich es trotzdem nicht.


    John Irving - Garp und wie er die Welt sah

    Ich wollte es nochmal probieren mit Irving, nachdem ich das hochgelobte "Gottes Werk und Teufels Beitrag" nicht mochte.

    Der Roman ist...unterhaltsam.

    Die Lebensgeschichte des Schriftstellers Garp, voller absurder Situationen, Überspitzungen, Sarkasmus und Satire.

    Leider fiel mir beim Lesen auch wieder ein, warum ich Irving nicht mag:

    Er hat eine ganz eigene, irgendwie lehrerhafte Art, in seinen Geschichten zwischen Kitsch und Katastrophe zu moralisieren.

    Das nervt mich enorm.

    Insgesamt also nett unterhaltsam mit gelegentlichem Augenrollen.

    Lawrence Osborne - Denen man vergibt

    GROẞE EMPFEHLUNG!!

    In einem abgelegenen Luxusanwesen in der Wüstenregion Marokkos feiern wohlhabende Europäer/Amerikaner dekadente Partys.

    Ein Unglück führt zum Zusammenprall zweier Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Die in dörflichen Strukturen lebenden Wüstenvölker vs das überspannte, übersättigte Feiervolk.

    Der Autor schafft es aber nun trotz der zunächst sehr eindeutigen Ausgangslage, dem Leser eine Moral zu verweigern.

    (Hätte Irving das bloß auch gekonnt)

    Der Roman lässt eine bequeme Einseitigkeit nicht zu, die Erwartungshaltung wird enttäuscht, eine sehr interessante Schwebe wird aufrecht erhalten.

    Am Ende bleibt eine Menge Stoff zum Nachdenken, da der Leser eben nicht am Halfter zur Moral der Geschichte geführt wird.

    Zudem gefiel mir die Dichte der Erzählung enorm, die sprachliche Kraft, die die Wüstenlandschaft und ihre Atmosphäre greifbar macht.