Abgeschlossen in den letzten Wochen:
Rainald Goetz - Irre
Ein unbequemes und oft anstrengendes Buch zum Thema Psychiatrie, aufgeteilt in drei Teile :
Im ersten Teil geben kurze Abschnitte Symptome der später im Buch auftauchenden Patienten wieder.
Wahngebilde, Zwänge, Sucht, Ängste, Depression
Der zweite Teil handelt von einem jungen Arzt, der als Psychiater in einer Münchner Klinik tätig ist.
Dies ist der zugänglichste (und beste) Teil des Buchs. Die Hilflosigkeit angesichts des Elends, die zynischen und reaktionären Kollegen, die Überwältigung und schließlich Vereinnahmung durch den Höllenkreis der geschlossenen Station
Der dritte Teil ist ein Monolog des jungen Arztes, der seinen Job verloren hat und sich nun selbst in einer Abwärtsspirale aus Wahn und Depression wiederfindet.
Schlecht lesbar, dieser dritte Teil, da enorm wirr und anstrengend.
Alles in allem ein beeindruckendes Buch, weiterempfehlen würde ich es trotzdem nicht.
John Irving - Garp und wie er die Welt sah
Ich wollte es nochmal probieren mit Irving, nachdem ich das hochgelobte "Gottes Werk und Teufels Beitrag" nicht mochte.
Der Roman ist...unterhaltsam.
Die Lebensgeschichte des Schriftstellers Garp, voller absurder Situationen, Überspitzungen, Sarkasmus und Satire.
Leider fiel mir beim Lesen auch wieder ein, warum ich Irving nicht mag:
Er hat eine ganz eigene, irgendwie lehrerhafte Art, in seinen Geschichten zwischen Kitsch und Katastrophe zu moralisieren.
Das nervt mich enorm.
Insgesamt also nett unterhaltsam mit gelegentlichem Augenrollen.
Lawrence Osborne - Denen man vergibt
GROẞE EMPFEHLUNG!!
In einem abgelegenen Luxusanwesen in der Wüstenregion Marokkos feiern wohlhabende Europäer/Amerikaner dekadente Partys.
Ein Unglück führt zum Zusammenprall zweier Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Die in dörflichen Strukturen lebenden Wüstenvölker vs das überspannte, übersättigte Feiervolk.
Der Autor schafft es aber nun trotz der zunächst sehr eindeutigen Ausgangslage, dem Leser eine Moral zu verweigern.
(Hätte Irving das bloß auch gekonnt)
Der Roman lässt eine bequeme Einseitigkeit nicht zu, die Erwartungshaltung wird enttäuscht, eine sehr interessante Schwebe wird aufrecht erhalten.
Am Ende bleibt eine Menge Stoff zum Nachdenken, da der Leser eben nicht am Halfter zur Moral der Geschichte geführt wird.
Zudem gefiel mir die Dichte der Erzählung enorm, die sprachliche Kraft, die die Wüstenlandschaft und ihre Atmosphäre greifbar macht.