Ich fühle mich weichgeklopft und werde mir dank eurer regelmäßigen positiven Erwähnungen jetzt wohl auch diese Knochenuhren auf meine Liste packen...
Abgeschlossen: "Das Volk der Bäume" von Hanya Yanagihara
Dies ist der Vorgänger zum wesentlich bekannteren "Ein wenig Leben" und im direkten Vergleich mein Favorit.
Eine an eine wahre Geschichte angelehnte Story, die das Leben, das Forschen und die charakterlichen Abgründe und Abartigkeiten eines Nobelpreisträgers der Medizin thematisiert.
N. Perina forscht auf einer (fiktiven) mikronesischen Insel an der rätselhaften Langlebigkeit der indigenen Bevölkerung herum und entfesselt dabei auf mehreren Ebenen zerstörerische Kräfte.
Die Frage, ob Kunst und Künstler getrennt betrachtet werden müssen/sollten erweitert sich hier auf die Wissenschaft, denn Perina ist ein menschlicher Totalschaden.
Die Art und Weise, wie in diesem Buch die Forschung und Erfolgsgeschichte des Mediziners parallel zu seiner menschlichen Bankrotterklärung entrollt wird, fand ich bemerkenswert gut gelungen. Eigentlich ist bereits nach den ersten paar Zeilen klar: Der Protagonist ist kein Sympath, keine Identifikationsfigur, aber er lässt sich auch nicht unmittelbar und vorbehaltlos hassen - zumindest anfangs nicht.
Das schafft über immerhin 800 (?) Seiten ein Spannungsfeld und einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Längen gab es, aber nie so ausgereizt, dass es fad geworden wäre. Dazu ist der üppige, dichte Schreibstil auch einfach zu bestechend. Ein Stakkato an Bildern, Stimmungen und zwischenmenschlichen Macht- und Moralspielchen.
Absolut lesenswert.