Ich geh mal der Reihe nach. Meine Einschätzung, ohne euch zu kennen, mutmaßend auf deinen Angaben ... also ohne Gewähr ;-)
Aufgewachsen fernab von allem und hier jetzt der Kulturschock ! Manche verkraftens, andere werden vollkommen unsicher und brauchen ewig um ein bisschen mehr Gelassenheit an den Tag zu legen. In eurem Fall also der klassische, unsichere Hund. Ob sie jetzt mehr nach vorne geht, weil sie sicherer wird und offensiver droht, oder ob sie das Gefühl hat, deutlicher werden zu müssen ... schwer zu sagen aus der Ferne.
Wenn du sagst, sie hat damals eher alamierend gebellt – vollkommen normal für diesen Typ Hund – wie habt ihr reagiert ? Das idealste wäre gewesen, sie hätte schnellstmöglich ein Kommando für „is ok, keine Sorge, das ist normal hier, ich pass auf dich auf“ gelernt. Dann hätte man ihr von Anfang an ihre neue Welt mit Abstand auf diese vertrauensvolle Art erklären können. Ganz wichtig: Für jede winzigkleine Überwindung loben was das Zeug hält.
Es ist nicht einfach, einem aus Unsicherheit bellenden Hund ein belanglosen „lass man gut sein, is ok“ zu sagen und den Besuch in aller Ruhe hereinzulassen (zumal der Besuch auch die Ruhe selbst sein sollte). Aber in der Situation ist das Wichtigste, selber eine solche Gelassenheit, aber auch Verläßlichkeit auszustrahlen, daß Hundi gar keinen Zweifel an deiner Entscheidung und der Ungefährlichkeit des Gastes hat.
Bei der Party hast du sie, sobald ihr jemand nicht geheuer war, weggesperrt. So hatte sie nicht die Möglichkeit zu lernen, daß JEDER den du reinlässt i.O. ist. Sie wurde in einer Situation weggesperrt, wo man ihr hätte helfen müssen !
Zu deinem Futtertubentraining möchte ich mich nicht äussern. Ich habs nie probiert, würde es auch nicht so machen, von daher kann ich Erfolg oder Mißerfolg nicht beurteilen. Meine Art ist da eher in die Konfrontation hineinzugehen. Das Mittelmaß zwischen Wohlfühlbereich – der Hund muß ansprechbar bleiben – und bewußte Steigerung, aber der Hund soll immer alles um sich herum wahrnehmen.
Nicht den Mensch im Augenwinkel während er an der Tube schleckt, sondern bewußt an deiner (sicheren) Seite, sehen, daß ihr keiner etwas tut und sich alles (Männer, Kinderwagen, Nordic Walker, ...) richtig genau ansehen – nur dann nimmt man die Angst. Mein Lob käme, wenn der Hund ruhig an einem Fremden vorbeigeht, nicht knurrt, sondern neugierig schaut. Wann und was lobst du bei der Futtergabe ??
Anfassen lass ich meine Hunde auch nicht, da ist entweder mein Knie sofort zwischen (wenn ich nicht gleich genug Abstand einhalte), oder die Leute werden mit einem kurzen „HE, Finger weg“ angeblafft (aber ruhig) – wirkt Wunder 
KEINER hat meine Köter ungefragt zu betatschen !!
Hat sie denn Hundekontakte ? Darf sie freilaufend toben ? Hat sie einen besten Freund, einen souveränen Hund, der ihr helfen kann ? Macht ihr nur Einzeltraining, oder seid ihr auf einem Hundplatz ?
Mein Vorschlag (ich weiß ja nicht, was du derzeit machst) wäre ein ganz massives Training am Selbstbewußtsein deiner Hündin, viel Gemeinsames erarbeiten, Selbstvertrauen aufbauen, dem Hund regelmäßig richtigee Erfolgserlebnisse verschaffen. Selber (wir kennen uns ja nicht) eine wahnsinns Ruhe ausstrahlen, dem Hund Sicherheit geben, aber im Gegenzug von ihr verlangen, deine Entscheidung zu akzeptieren und z. B. nicht kläffend an die Türe zu schiessen, sondern im Hintergrund zu bleiben.
Ich liebe in dieser Beziehung den Ausdruck von Bloch, dem Hund die Chance zu geben, „sein Gesicht zu wahren“. Will heißen, sie nicht rigoros in die Schranken zu weisen, sondern ihr bestimmt, aber freundlich geduldig die Möglichkeit zu geben, selber den Rückzug anzutreten, Frauchen zu vertrauen und den Besuch Besuch sein zu lassen.
Soweit meine Gedanken dazu ... und nu zurück zur Arbeit ...
Gruß, staffy
Meine beiden liegen da, wo ich sie hinschicke. Im Betrieb bleiben sie in meinem Büro – dürfen aber überall hin. Wenn der Besuch kein Problem hat, dürfen sie auch mit ins Besucherzimmer. Aufdringliches Beschnüffeln ist allerdings verboten. Chica – der eher unsichere, aber dafür territoriale Terriermix – bleibt meist auf dem Kissen liegen, Besuch interessiert sie nicht mehr.